Kreßberg Zukunft liegt im Miteinander

Andrea Schnele, Bürgermeisterin von Lauchheim, Andreas Walter, Ortsvorsteher von Hülen (von links), und der Kreßberger Bürgermeister Robert Fischer (rechts) diskutieren mit dem Mitinitiator der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung Christian Felber (Mitte) und Magdalena Kloibhofer vom Tempelhof über Gemeinwohl-Ökonomie auf Gemeindeebene.
Andrea Schnele, Bürgermeisterin von Lauchheim, Andreas Walter, Ortsvorsteher von Hülen (von links), und der Kreßberger Bürgermeister Robert Fischer (rechts) diskutieren mit dem Mitinitiator der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung Christian Felber (Mitte) und Magdalena Kloibhofer vom Tempelhof über Gemeinwohl-Ökonomie auf Gemeindeebene. © Foto: Christine Hofmann
Kreßberg / Christine Hofmann 06.08.2018
Der Wandel beginnt von unten: Auf dem Tempelhof stehen Projekte für nachhaltige Dorfentwicklung und das Wirtschaftssystem im Fokus.

Die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie, die auf dem Grundsatz basiert, dass Wirtschaft dem Gemeinwohl dient und nicht mehr der Geldvermehrung um ihrer selbst willen, breite sich von Österreich aus über Deutschland und andere europäische Staaten bis nach Lateinamerika, in die USA und nach Afrika aus. Mehr als 500 Unternehmen hätten bereits Gemeinwohl-Bilanzen erstellt, es gründeten sich regionale Gruppen, die vor Ort Bewusstsein schaffen und auf die Politik einwirken wollen, berichtete Christian Felber aus Wien, Mitinitiator der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung, am Samstag beim Sommercamp am Tempelhof. Inzwischen entstünden sogar erste Gemeinwohl-Gemeinden und -Regionen.

Wandel herbeiführen

Eine Gemeinwohl-Region Hohenlohe könnte die nächste sein, die sich auf den Weg macht, machte Felber klar und zeigte auf, wie das geht: über die Gemeinwohl-Bilanzierung öffentlicher und privater Betriebe, über eine öffentliche Wirtschaftsförderung und ein Netzwerk mit anderen Gemeinwohl-Gemeinden. Schließlich könne eine solche Bewegung, die von den Bürgern ausgelöst werden müsse, einen Wandel im Großen herbeiführen.

„In Kreßberg haben wir eine Besonderheit: Ein Teil der Gemeinde ist schon gemeinwohlzertifiziert“, sagte Magdalena Kloibhofer vom Tempelhof, Projektkoordinatorin „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“, und fragte Bürgermeister Robert Fischer, wie die Chancen stehen, dass sich die Gemeinde dem Prozess anschließt. „Wir sind eigentlich jeden Tag zum Wohl der Allgemeinheit unterwegs“, antwortete Fischer und betonte, dass es Aufgabe der Gemeindeverwaltung sei, die Interessen aller Bürger zu vertreten. „Ob man alle Ideen der Gemeinwohl-Ökonomie umsetzen kann, weiß ich nicht. Eine funktionierende Wirtschaft sorgt beispielsweise auch für eine funktionierende Infrastruktur. Irgendwo muss das Geld ja herkommen.“

Christian Felber bestätigte, dass es in vielen Kommunen gute Ansätze gebe. „Durch die Gemeinwohl-Bilanz werden diese Ansätze sichtbar. Das ist auch ein Anlass, zu feiern, was schon alles da ist.“ Dies erfährt gerade das Dorf Hülen in der Gemeinde Lauchheim im Ostalbkreis. Es ist zwar nicht auf dem Weg zu einer Gemeinwohl-Gemeinde, jedoch ist es als eines von fünf bundesweiten Pilotprojekten im Rahmen des Global Ecovillage Network (GEN) eine Kooperation mit dem Tempelhof eingegangen. Gemeinsam wurden Ideen für eine nachhaltige Dorfentwicklung gesammelt und umgesetzt.

Bürgermeisterin Andrea Schnele ist begeistert: „Durch den Prozess ist eine neue Kommunikation im Ort entstanden. Wir haben ein Bewusstsein dafür entwickelt, was wir alles haben. Dies wollen wir erhalten und weiterentwickeln.“ Und genau wie im Gemeinwohl-Prozess geht das in Hülen von den Bürgern aus und im Miteinander.

Prinzip der ganzheitlichen Ökonomie

Das Wirtschaftssystem der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist auf gemeinwohlfördernden Werten aufgebaut. Darin ist die Wirtschaft ein Werkzeug, das der Gesellschaft dabei hilft, sich positiv zu entwickeln, und die Ökosphäre achtet. Die Gemeinwohl-Ökonomie fordert ein Umdenken auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene.

Die Orientierung erfolgt am eigentlichen Zweck des Wirtschaftens: der Erfüllung menschlicher Bedürfnisse. Dabei geht es vor allem um gelingende Beziehungen: Sie sind die Voraussetzung, um glück­lich zu sein, und damit Voraussetzung für das Gemeinwohl.

Das Geld ist nur ein Mittel des Wirtschaftens: Die Wirtschaftsleistung, in Geld gemessen, sagt nichts darüber aus, ob das Gemeinwohl steigt oder sinkt. Um zu messen, ob der Zweck erfüllt wird, sind Werte wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung wichtig. Die Gemeinwohl-Bilanz zeigt an, wie viel ein Unternehmen zum Gemeinwohl beiträgt. hof

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