Schrozberg Im Dschungel der Schul-Bürokratie

Bis der neue Chef oder die neue Chefin das Eingangsportal des Schrozberger Schulzentrums durchschreitet, dürften noch viele Monate ins Land gehen – möglicherweise sogar ein ganzes Jahr.
Bis der neue Chef oder die neue Chefin das Eingangsportal des Schrozberger Schulzentrums durchschreitet, dürften noch viele Monate ins Land gehen – möglicherweise sogar ein ganzes Jahr. © Foto: Zigan
Schrozberg / Harald Zigan 14.09.2018
Dem Wechsel des bisherigen Schrozberger Rektors Urban Brändle nach Schwäbisch Hall ging ein monatelanges Besetzungsverfahren voraus, das erst eine Woche vor dem Schulbeginn endete.

Selbst ein Papst in Rom ist weitaus einfacher und schneller bestimmt als ein Schulleiter in Baden-Württemberg: Das gesetzlich vorgeschriebene Besetzungsverfahren für den Chefposten an einer Bildungsstätte ist ein monatelanger Marsch durch den Paragrafen­dschungel, in dem beamtenrechtliche Fallstricke und Fristen aller Art lauern. Diese Erfahrung macht jetzt auch Schrozberg, wo der bisherige Rektor Urban Brändle (50) erst eine Woche vor dem Ferienende offiziell erfuhr, dass seine schon vor Monaten eingereichte Bewerbung um einen Schulleiterposten in Schwäbisch Hall erfolgreich war.

„Aus allen Wolken gefallen“

„Ich bin aus allen Wolken gefallen“ – so schilderte ein Schrozberger Stadtrat dem HT seine Reaktion, als er am Sonntag über Umwege davon erfuhr, dass der bisherige Chef des Schulzentrums seine Zelte in Schrozberg abgebrochen hat und künftig die Realschule Schenkensee in Schwäbisch Hall leitet.

Die Kommunalpolitiker der Stadt, die immerhin als Trägerin der Schule fungiert, hatten vorher allesamt keinen blassen Schimmer von der Personalie. Die Eltern der ABC-Schützen erfuhren gar erst am Montag dieser Woche bei einem Treffen davon, dass der geschätzte Pädagoge Brändle nicht mehr auf dem Chefsessel sitzt.

Im Bilde über seine Bewerbung auf den Posten in Hall waren dagegen das Führungsteam der Schule und das Rathaus in Schrozberg. Weil solche Bewerbungen aber streng vertraulich behandelt werden, drang kein Sterbenswörtchen nach außen.

Urban Brändle selbst erhielt erst am 3. September, also genau eine Woche vor Schulbeginn, ganz offiziell Brief und Siegel vom Staatlichen Schulamt darauf, dass er den Chefposten in Hall erhält. Noch am gleichen Tag informierte der Pädagoge leitende Mitarbeiter im Rathaus über seinen Wechsel, die die Botschaft an ihre Chefin in der Sommerfrische weitergaben. „Ich hatte aber von dort aus keine Möglichkeit, die Stadträte über die Personalie zu informieren“, sagte Bürgermeisterin Jacqueline Förderer, die einen Rundmail-Versand an die Stadträte vorgestern nachholte. Eine frühere Information der Kommunalpolitiker hätte freilich nichts an der Situation geändert. Das Besetzungsverfahren lief bereits im April (!) an und zog sich nicht nur bis zum Ablauf einer Widerspruchsfrist (es gab weitere Bewerber) am 23. August hin: Danach wurde der Vorgang abschließend auch noch in die Amtsstuben des Regierungspräsidiums eingespeist.

„Unter dem Strich handelte es sich für unsere Verhältnisse sogar um ein recht zügiges Verfahren“, sagte Ursula Jordan dem HT. Die Chefin des Staatlichen Schulamtes in Künzelsau hat sich eben an die gesetzlichen Vorgaben zu halten, „Abkürzungen“ gibt es nicht.

Warten auf den neuen Chef

Die Leitende Schulamtsdirektorin („Schrozberg ist ausreichend mit Lehrkräften versorgt, die Geschäfte wurden ordentlich übergeben“) hat bereits die Ausschreibung der Schrozberger Schulleiterstelle im Amtsblatt „Kultus und Unterricht“ veranlasst, die in der November-Ausgabe veröffentlicht wird.

Es dürften viele Monate ins Land ziehen, bis die Bildungsstätte wieder einen Chef hat. Das wohl beste Rezept für diese Zeit hat die Elternbeiratsvorsitzende Sandra Grün aus Schmalfelden parat, die derzeit noch eine „starke Verunsicherung“ an der Schule spürt: „Wenn alle Beteiligten zusammenwirken, wird es auch künftig einen guten Weg und eine gute personelle Lösung für die Schrozberger Schule geben.“

Vor dem Wechsel nach Hall das Feld bestellt

Seit 2010 stand Urban Brändle als Nachfolger von Dieter Klein an der Spitze des Schrozberger Schulzentrums. Seine Bewerbung in Hall sei aus „rein persönlichen Gründen erfolgt, die absolut nichts mit der Schule in Schrozberg oder ihrem Umfeld zu tun haben“. Brändle hat schon vor dem Wechsel sein Feld bestellt, die Stundenpläne und Leh­rerdeputate sind festgelegt. Seine Ehefrau Anette wird auch weiterhin die städtische Bücherei in Schrozberg leiten. Bis der Chefposten in Schrozberg wieder besetzt ist, fungiert Konrektor Arndt Lange als kommissarischer Leiter, der derzeit aber aus privaten Gründen ausfällt. Führungsaufgaben nehmen momentan die Lehrer Hanna Albrecht, Michael Köhnert und Steffen Dörflinger wahr. haz

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