Es gibt eigentlich kaum jemanden, der noch nicht mit der GEMA zu tun gehabt hätte. Die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" vertritt die Interessen von Musikschaffenden, von Komponisten, Textdichtern und auch von Verlegern. Wer registrierte Werke öffentlich aufführt oder abspielt, muss einen Obolus entrichten. Und wer das Geld, das er bei einer solchen Veranstaltung eingenommen hat, nicht mit den Komponisten teilen möchte, deren Musik er abgespielt hat, kann die GEMA nicht leiden. Dass die GEMA, die mit dem Slogan "Musik ist uns was wert" antritt, oft nicht als Interessensvertretung, sondern als Abkassier-Verein wahrgenommen wird, liegt an solchen Leuten. Und an Youtube (Beitrag unten).

Barbara Gröger ist seit 22 Jahren bei der GEMA. Als Sachbearbeiterin hat die studierte Betriebswirtschaftlerin angefangen, später wurde sie Assistentin des Bezirksdirektors, dann Stellverteterin und schließlich rückte sie selbst an die Spitze. Seit 2011 ist sie als Bezirksdirektorin der GEMA in Stuttgart Chefin von 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zuständig für ganz Baden-Württemberg sowie, im so genannten "Key Account Management", für die großen Fußball- und Eishockeyvereine in Deutschland. Andere Bezirksdirektionen kümmern sich um Fluggesellschaften, die Bahn oder um die großen Hotel- und Ladenketten und die großen Konzertveranstalter. Und alle zusammen kooperieren mit anderen Urheberrechtsgesellschaften weltweit.

Ein Jahr lang pendelte Barbara Gröger an den Wochenenden zwischen Castrop-Rauxel und Stuttgart, dann reichte es. Vor zweieinhalb Jahren zog sie mit ihrem Mann Heinrich Breuckmann, der als frei schaffender Maschinenbauer arbeitet, in den Rupphof bei Fichtenberg. Dort gibts Platz für die beiden Pferde und für die Bienen und außerdem eine bequeme Zugverbindung nach Stuttgart.

Beide mögen Musik. Sie berichten voller Begeisterung von den Qualitäten der hiesigen Musikvereine . Dass sie schließlich zum Fichtenberger Gesangverein fanden, verwundert daher nicht. Das Paar besuchte die Veranstaltung "Chor küsst Fasching" und wurde vom Fleck weg engagiert. Sie singt Alt, er Tenor, obwohl man ihn auch im Bass brauchen könnte, und außerdem kandidiert Breuckmann für den Gemeinderat. Die Neubürger sind angekommen.

Und sie sind auf neugierige Fichtenberger gestoßen: Bürgermeister Roland Miola lud Barbara Gröger ein, bei der Vereinsbesprechung über die GEMA zu referieren. Sie hat die Einladung umstandslos angenommen, so wie sie auch einem Gespräch mit unserer Zeitung sofort zustimmte. Es geht ihr ums Image: Die Leute sollen wissen, was die GEMA tut, dass sie es mit Recht tut und mit Berechtigung. Bei Bedarf stehe sie gerne für Vorträge zur Verfügung, sagt sie.

Mit den Musik- und den Gesangvereinen, sagt Barbara Gröger, gebe es keine Probleme. Die Leute wüssten und akzeptierten, wessen Interessen die GEMA vertritt. Musikferne Organisationen wie Sportvereine, die eher sporadisch zur Kasse gebeten werden, müsse man das hingegen öfter mal erklären.

Post von der GEMA gibts übrigens vor allem dann, wenn der Mediendienst des Vereins auf die Ankündigung einer Veranstaltung stößt, die nicht angemeldet ist. Es gibt nämlich eine GEMA-Vermutung, wonach alles, was öffentlich gespielt wird, auch GEMA-pflichtig ist. Das Gegenteil zu beweisen, obliegt dem Veranstalter.

Viele Veranstaltungen sind durch Pauschalen abgedeckt, die von den jeweiligen Dachverbänden bezahlt werden. Auch Kirchengemeinden bezahlen Pauschalen, die sich an der Gemeindegröße bemessen. Straßenmusiker werden hingegen nicht zur Kasse gebeten (in diese Rubrik fällt beispielsweise der Fichtenberger "Drehorgel-Sepp", sofern er nicht zum Spielen eingeladen wird), und für Benefiz-Veranstaltungen, mit denen nachweislich Menschen in Not geholfen werden soll, gibts einen Nachlass. Mehr nicht: "Wir können unsere Mitglieder nicht zum Spenden verpflichten", sagt Barbara Gröger.

Sie will sich jetzt mal mit Uwe Traub zusammensetzen, dem Dirigenten des Fichtenberger Musikvereins. Der verwaltet das Repertoire seiner Truppe auf dem Computer, allerdings ist sein Programm mit dem der GEMA nicht kompatibel - Traub muss die Titelfolgen ausdrucken und per Post oder Fax an die GEMA schicken. Vielleicht, meint Barbara Gröger, finde sich ja ein Weg, diesen Medienbruch zu überwinden. "Das würde Vieles einfacher machen". Und vielleicht machts ja auch Schule.

Die GEMA: Ihre Auftraggeber, ihre Zuständigkeiten und ihre Gegner