Fördervereine Im Büro der Nazijäger

Erwartungsvolle Gesichter vor dem Besuch der Ausstellung auf dem Hohenasperg: Geschichtsinteressierte aus Brettheim und Crailsheim.
Erwartungsvolle Gesichter vor dem Besuch der Ausstellung auf dem Hohenasperg: Geschichtsinteressierte aus Brettheim und Crailsheim. © Foto: Hans Helei
Brettheim / pm 21.07.2017

Ludwigsburg und der Hohenasperg waren Ziele des Jahresausflugs des Brettheimer Fördervereins Erinnerungsstätte „Die Männer von Brettheim“ und des „Arbeitskreises Weiße Rose“ Crailsheim. Die „zentrale Stelle“ in Ludwigsburg und „ein deutsches Gefängnis“ auf dem Hohenasperg boten zahlreichen historisch Interessierten ergiebige Erkenntnisse.

Den im Volksmund geläufigen Ausdruck „Büro der Nazijäger“ hören die Verantwortlichen der „zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ ungern, denn sie sehen ihre Aufgabe im Aufklären und Ermitteln, nicht im Jagen von Verbrechern.

Systematische Arbeit vonnöten

Diese in Deutschland einmalige Institution nahm am 1. Dezember 1958 ihre Ermittlungsarbeit auf. Es war deutlich geworden, dass zur Aufklärung unzähliger NS-Massenverbrechen eine systematische Ermittlung dringend nötig war. Seither wurden in Ludwigsburg mehr als 117 000 Personen auf ihre national-sozialistische Vergangenheit überprüft und 7590 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Über 1,7 Millionen Karteikarten umfasst das Zentralarchiv.

Geführt von Dr. Hans Pöschko, dem Vorsitzenden des Fördervereins „zentrale Stelle“, seinem Vorstandskollegen Alexander Geßmann sowie dem Leiter der Archiv-Filiale des Bundesarchivs Koblenz, Dr. Peter Gohle, erhielten die Exkursionsteilnehmer Einblicke in die Zentraldatei, die Dokumentensammlung und in die mit erschütternden Einzelschicksalen gefüllte Dauerausstellung „Die Ermittler von Ludwigsburg“. Mitnehmen durften die Crailsheimer und Brettheimer außer einer Fülle ergiebiger Informationen noch die vollständigen Gerichtsakten der drei Nachkriegsprozesse gegen die Mörder von Brettheim – nach vorausgehendem schriftlichem Antrag beim Bundesarchiv Koblenz.

Ort der Unterdrückung

Schon lange vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war das Gefängnis auf dem Hohenasperg ein Ort der Unterdrückung und Entwürdigung. Vom Herzog von Württemberg zu Anfang des 16. Jahrhunderts als Festung errichtet, dienten die umfangreichen Bauten ab dem 18. Jahrhundert als Gefängnis, in dem unter den jeweils Mächtigen im Lande eine große Zahl von Gefangenen unter teils erschwerten Bedingungen einsitzen mussten.

Der Hohenasperg diente auch als Kriegsgefangenenlager, Irrenanstalt, Zuchthaus und als Schutzhaftlager sowie nach dem Zweiten Weltkrieg als Internierungslager der amerikanischen Besatzung im Zuge der Entnazifizierung.

Seit 1950 ist hier das Zentralvollzugskrankenhaus der Bundesrepublik eingerichtet, seit 1969 eine sozialtherapeutische Anstalt angeschlossen.

Die besichtigte Ausstellung „Hohenasperg – ein deutsches Gefängnis“ wurde 2010 eröffnet. 22 exemplarische Biografien von Häftlingen zeigen in bedrückend dunkel gehaltenen Räumen, wie sich der Strafvollzug über drei Jahrhunderte entwickelt hat.