Egal ob Samstag oder Sonntag, beim Modellbauernhof von Siku im großen Arena-Rund ist bei der Landmesse der Maschinenringe Hall und Crailsheim immer schwer was los. Dabei gut zu beobachten: Nicht nur der landwirtschaftliche Nachwuchs versucht dort, mit ferngesteuerten Traktoren und Maschinen möglichst exakte Furchen in dem mit getrocknetem Kaffeesatz dargestellte Ackerboden zu ziehen. Auch die Großen sind mit Konzentration voll bei der Sache. Der sechsjährige Nils Binder aus Ilshofen hat die Kniffe schon gut raus. Sein dreijähriger Bruder Luca bekommt beim Steuern noch ein bisschen Unterstützung von Papa Stefan Binder.

Der Modellbauernhof ist nur eines von vielen Angeboten bei der Landmesse am Wochenende. Mehr als 70 Aussteller auf rund 4000 Quadratmetern Fläche sind mit von der Partie. Allerdings ist der Andrang an den Ständen und bei den ausgestellten Maschinen zwischen Sägespaltautomat und Bandschwader am Samstag noch ziemlich verhalten. Etwa 2000 Besucher kommen am Samstag in die Arena. „Das Wetter ist halt zu schön“, meint Fritz Hube, Geschäftsführer des Haller Maschinenrings, mit einem Augenzwinkern. Er hadert aber nicht damit: „Die Leute nutzen das gute Wetter und machen zum Beispiel Holz“, erklärt er. Dafür können sich die Standbetreuer und Mitarbeiter der Firmen am Samstag oft besonders viel Zeit für die Besucher nehmen.

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Gezielte Infos am Samstag

Dieter Schechter aus Rosengarten-Tullau gehört beispielsweise zu jenen Besuchern, die den Samstag bewusst nutzen: „Ich habe mich zum Thema Düngung informiert“, erzählt er, als er sich am Nachmittag schon wieder auf den Heimweg macht. Auch Steffi Nübel und Roland Schmieder aus Oberrot sind mit ihren kleinen Kindern Lenny und Lilly am Samstagnachmittag auf der Landmesse unterwegs. Seit zwei Jahren bewirtschaftet das Paar nebenbei einen kleinen Hof mit 16 Rindern. „Jetzt planen wir, eine Halle zu bauen“, erzählt Steffi Nübel. Deshalb haben sie sich auf der Messe informiert. Was ihre Landwirtschaft betrifft, sind die beiden optimistisch, „aber wir machen das in Direktvermarktung“. Das bedeute zwar viel Arbeit, aber es lohne sich, ist Steffi Nübel überzeugt. Die Nachfrage sei jedenfalls da, so die Erfahrung der Oberroterin.

Ins Gespräch kommen

Auch Ilshofens Bürgermeister Martin Blessing ist auf der Messe unterwegs. Dabei hat er vielleicht weniger den großen Maschinenpark der Maschinenringe auf dem Freigelände im Blick, dafür aber die Menschen: „Für mich ist es wichtig, hier die Leute zu treffen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“

Fritz Hube ist neben den Informationen rund um das Angebot der Maschinenringe auch das Thema Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft ein Herzensanliegen – gerade in Zeiten, in denen die Branche immer wieder in die Kritik gerät. Er unterstützt die Schlepperdemos der Initiative „Land schafft Verbindung“ (LSV), findet sie gut, „aber das muss dann weitergehen“, sagt er. Also hat er beispielsweise für den 6. Februar einen Infoabend mit einem Kommunikationsprofi organisiert. „Die Landwirte müssen Werbung für sich selbst machen“, sagt Hube. In seiner Lehrzeit habe er gelernt: Die drei Produktionsfaktoren der Landwirtschaft sind Arbeit, Boden und Kapital. „Das stimmt heute so nicht mehr“, ist es überzeugt. Es gehe auch um Kommunikation.

Einer der Aktiven in der regionalen LSV-Initiative ist Kurt Reinhardt aus Wolpertshausen, der selbst Nebenerwebslandwirt ist und als Agrarberater auch auf der Landmesse vertreten ist. Im Februar gebe es ein Treffen, bei dem rund 350 LSV-Leute unter anderem darüber beraten, einen Verein zu gründen.

Gespannt verfolgt Reinhardt die Entwicklung und sieht dabei auch Baustellen. Zum Beispiel in der Frage, inwieweit die Gruppe mit dem Bauernverband zusammenarbeiten will: „Auf regionaler Ebene funktioniert das gut, aber je weiter man nach oben kommt, desto schwieriger wird es“, sagt Reinhardt und spielt damit auf kritisierte Verflechtungen zwischen Funktionären und der Agrawirtschaft an. Er sei keineswegs gegen den Bauerverband, schätze aber auch eine gewisse Distanz. Mittlerweile würden im Haller Kreisgebiet rund 800 bis 1000 Beteiligte – „und zwar nicht nur Landwirte“ – die LSV-Basis bilden.

Einer, der bei vielen Betrieben herumkommt ist Heiko Wagner aus dem mittelfränkischen Dentlein am Forst. Er hat einen Stand mit computergestützter Klauenpflegtechnik in einer der Messehallen. In Sachen Tierwohl werde viel unternommen, lobt der Klauenpfleger die Arbeit der Landwirte: „Hohe Milchleistung können nur Kühe bringen, denen es auch wirklich gut geht.“

Einmal im Cockpit sitzen

An den Ständen im Arena-Rund und in den Hallen wird es am Sonntag manchmal ziemlich eng. Väter wie Björn Ress aus Hall erklimmen mit ihrem Nachwuchs die Cockpits großer Schlepper – Söhnchen Noah ist von den stattlichen Zugmaschinen sichtlich fasziniert.

Vollbesetzte Ränge auch beim Showkochen mit Sternekoch Hans Harald Reber aus Weckrieden im kleinen Ring. Er hat sich einen Zwiebelrostbraten vorgenommen und bleibt angesichts des durchaus hauswirtschaftlich gebildeten Publikums beim Zubereiten der Rostbratenjus charmant bescheiden: „Mindestes der Hälfte hier brauche ich ja nicht zu erzählen, wie man eine gute Soße macht.“

Charlotte Landes, Vorsitzende des Maschinenrings Crailsheim, freut sich, dass sie am Sonntag vor allem „viele junge Landwirtinnen und Landwirte und viele junge Familien“ in und rund um die Arena trifft. Man kann sich ungezwungen austauschen und die vielen kleinen Gesprächsgruppen zeigen: Es funktionert.

Am Abend meldet Fritz Hube für den Sonntag 6500 bis 7000 Besucher – insgesamt also rund 9000. Die Macher können mit der 15. Landmesse rundum zufrieden sein.