Wie fast jeden Tag, so lässt sich die betagte Jubilarin auch heute an ihren "Arbeitsplatz" in der geliebten Gärtnerei chauffieren. Dort gießt sie die Blumen, kümmert sich um die Stammkundschaft oder schaut einfach nach dem Rechten. "Sie findet immer ein Geschäft", pflichtet ihre Tochter Gudrun Weiberle bei. Überhaupt, die Einstellung Luise Rüdenauers zur Arbeit ist eine ganz besondere. "Ich habe immer gern gearbeitet. Auch wenn es manchmal hart und entbehrungsreich war, es war immer schön. Die Arbeit hat mich jung gehalten", erzählt die Jubilarin. Dabei schwingt Dankbarkeit in ihrer Stimme mit.

Die 95-Jährige verfügt nach wie vor über wache Sinne und ein phänomenal funktionierendes Gedächtnis. Frisch von der Leber weg lässt sie die Geschichte "ihrer Gärtnerei" Revue passieren, für den Zuhörer ein Stück lebendiger Geschichtsunterricht.

Der Grundstein für den heutigen Betrieb wurde bereits im Jahre 1890 von ihren Großeltern Margarete und Leonhard Schörl gelegt. Luise Rüdenauers Großvater, den sie als ihr Vorbild bezeichnet ("von ihm habe ich wohl das Kaufmannsgen geerbt"), hatte zu dieser Zeit am Ort der heutigen Gärtnerei einen Steinbruch mit Schuttabladeplatz erworben und diesen mit viel Mühe und großem Aufwand kultiviert und in die "Handelsgärtnerei Schörl" verwandelt. Nach dem Tod des Großvaters übernahm die Mutter, die 1918, in Luises Geburtsjahr, den Gärtnermeister Karl Knauer geheiratet hatte, den Betrieb.

Eine Lehre oder gar ein Gartenbaustudium, wie es heute üblich ist, absolvierte die Naturliebhaberin nicht. Sie war halt von Kindesbeinen an im Betrieb dabei und bekam so von ihrer Mutter das für alle Tätigkeiten in einer Gärtnerei notwendige Rüstzeug vermittelt. Mit Schmunzeln erinnert sie sich an viele Zugfahrten nach Stuttgart, wo immer in der Großmarkthalle Zech eingekauft wurde. Dort bekam sie auch die ersten Bananen ihres Lebens geschenkt. "Wir wussten nicht, was wir mit diesen fremdartigen, krummen Dingern anfangen sollten, also haben wir zuerst mal in die Schale gebissen."

Nach dem Tod ihrer Mutter führte Luise Rüdenauer zusammen mit ihrem Mann Oskar ("er war Gärtner aus Liebe") die Gärtnerei. "Morgens um 3 Uhr sind wir mit Kind und Kegel mit unserem Goliath-Dreirad nach Würzburg zum Großmarkt gefahren, im Winter mit Bettflaschen, da es keine Heizung gab", erzählt die Geschäftsfrau und ergänzt: "Vor für Gärtnereien wichtigen Anlässen wie Totensonntag und Allerheiligen sind wir zum Verkauf von Gestecken und Kränzen über die Dörfer getingelt, haben unsere Anwesenheit in den Dörfern mit großer Glocke verkündet: Der Gärtner ist da." Schritt für Schritt wurde in der Folgezeit der Aus- und Aufbau der Gärtnerei vorangetrieben. Als das erste Gewächshaus errichtet wurde, wurden in Blaufelden Stimmen laut, die fragten: "Ja, will denn der Rüdenauer jetzt eine Zeppelinhalle bauen?" 1984 übergab Luise Rüdenauer den kontinuierlich gewachsenen Betrieb an ihre Töchter Ute Baldzer und Gudrun Weiberle. Mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führen sie in der vierten Generation das florierende Unternehmen. Obwohl die Jubilarin den Rummel um ihre Person eigentlich gar nicht mag: Heute, an ihrem Ehrentag, wird Luise Rüdenauer an ihrem Lieblingsplatz im alten Gewächshaus im Kreise ihrer Familie und ihrer Freunde stolz auf ihr beeindruckendes Lebenswerk zurückblicken.