Honhardt Hungersuppe erinnert an karge Zeiten

Susanne Lober, Ilona Härpfer und Gabi Diehm (von links) haben heuer die Hungersuppe gekocht. Inhalt: Karotten, Kartoffeln, Lauch, Sellerie, Blumenkohl, Erbsen, Fleisch – „und viel Liebe.“
Susanne Lober, Ilona Härpfer und Gabi Diehm (von links) haben heuer die Hungersuppe gekocht. Inhalt: Karotten, Kartoffeln, Lauch, Sellerie, Blumenkohl, Erbsen, Fleisch – „und viel Liebe.“ © Foto: Luca Schmidt
Honhardt / Luca Schmidt 26.07.2018
Seit 1790 wird in Honhardt der Hagelfeiertag begangen, um für eine gute Ernte zu bitten. Viele Besucher nehmen eigens dafür Urlaub, Die Mundart-Festpredigt hielt Pfarrer Willi Mönikheim.

Eine Kirche, gefüllt bis auf den letzten Platz, in einer Landgemeinde an einem gewöhnlichen Wochentag? Unmöglich? Nein, das gibt es tatsächlich noch: Am Hagelfeiertag in Honhardt. Der wird jedes Jahr am 25. Juli, dem Jakobustag, mit einem Gottesdienst und einem kleinen Dorffest vor der Kirche gefeiert. Gegessen wird traditionell Hungersuppe – zur Erinnerung an karge Zeiten.

Den Honhardter Hagelfeiertag gibt es bereits seit 1790. Er geht zurück auf ein verheerendes Unwetter im 13. Jahrhundert. „Damals hat es starke Hagelschauer zwischen Schwäbisch Hall und Dinkelsbühl gegeben“, sagt der Honhardter Pfarrer Michael Jag. Bis 1982 wurde lediglich ein Gottesdienst in Honhardt abgehalten, um für eine gute Ernte und Bewahrung vor Hagel und Unwettern zu bitten.

Hagelfeiertag wiederbelebt

Allerdings kamen immer weniger Menschen in die Kirche. „Ab 1983 ließen der damalige Pfarrer Gerhard Zweigle und der Kirchengemeinderat Friedrich Neber den Hagelfeiertag wieder aufleben“, sagt Jag – mit einem kleinen Dorffest, organisiert von der Kirchengemeinde, und einem eigens für diesen Tag eingeladenen Festprediger. Das war in diesem Jahr der Pfarrer Willi Mönikheim, der mit einer Kutsche von Jagstheim nach Honhardt gebracht wurde – auch das ist Tradition. Und die Mundart-Predigt von Mönikheim hatte es in sich.

Er zog Parallelen zwischen der biblischen Erzählung über die Arche Noah und der momentanen Situation auf unserer Welt. „Krieg, Hunger und Elend sind überall, wie eine ansteckende Krankheit“, sagte Mönikheim – „unser Erdkreis spielt verrückt.“ Noahs Geschichte aber zeige, dass der Einzelne nicht machtlos ist; zumindest nicht, wenn es nach Gott geht. „Noah hat fromm und untadelig gelebt – mehr braucht es nicht“, sagte Mönikheim.

Und auch die Umwelt sei wichtig – das verdeutlichen die Tiere, die Noah mit auf seine Arche genommen hat. „Man muss Mitgeschöpfen eine Chance geben.“ So versündige sich jeder, der Nutztiere als bloße Handelsware betrachtet. Fleisch für ein paar Cent sei die falsche Entwicklung – Verbraucher sollten eine artgerechte Haltung honorieren.

Die Suppe kochten heuer Gabi Diehm, Susanne Lober und Ilona Härpfer – und von einer Hungersuppe kann kaum mehr die Rede sein: Es gibt eine leckere Gemüsesuppe mit Rindfleischeinlage und dazu Bauernbrot. „Ursprünglich gab es kein Fleisch dazu, aber der Hunger in Honhardt ist vorbei“, sagt Gabi Diehm.

Nach einem alten Rezept

Das Rezept für die Suppe ist überliefert. Um alle Besucher satt zu bekommen, fangen die drei Frauen bereits morgens um 7 Uhr an zu kochen. Und die Honhardter wissen das zu schätzen: Viele nehmen sich extra frei, und wer in Honhardt arbeitet, kommt in der Mittagspause zum Essen vorbei.

Zusätzlich zum Gottesdienst und zum Essen gab es in Honhardt eine Mostprämierung, Fahrten im Feuerwehrauto und einen Gesundheitscheck der Diakoniestation.

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