Wallhausen Hugo-Kauder-Trio: Fast vergessene Werke leben auf

Das Hugo Kauder Trio mit Pianist Ladislav Fanzowitz, Bratschist Róbert Lakatos und Oboist Ivan Danko spielte in der ehemaligen Michelbacher Synagoge Werke vertriebener Komponisten jüdischen Glaubens.
Das Hugo Kauder Trio mit Pianist Ladislav Fanzowitz, Bratschist Róbert Lakatos und Oboist Ivan Danko spielte in der ehemaligen Michelbacher Synagoge Werke vertriebener Komponisten jüdischen Glaubens. © Foto: Ralf Snurawa
Wallhausen / RALF SNURAWA 04.08.2015
Werke von vertriebenen und verfolgten Künstlern waren in der ehemaligen Michelbacher Synagoge ebenso zu erleben wie die vergessenen Romantiker. Das Hugo Kauder Trio erfüllte diese Musik mit Leben.

Im Jahr 1916 schrieb der im mährischen Tobitschau geborene und zu dieser Zeit in Wien lebende österreichische Komponist Hugo Kauder ein Trio für eine ungewöhnliche Besetzung: für Oboe, Viola und Klavier. Fast 100 Jahre später führte diese Instrumentenwahl für dieses Werk dazu, dass sich das Trio des Oboisten Ivan Danko, des Bratschisten Róbert Lakatos und des Pianisten Ladislav Fanzowitz nach diesem Komponisten benannte.

Die drei slowakischen Musiker eröffneten mit diesem Werk auch das erste der beiden Konzerte in der ehemaligen Synagoge von Michelbach an der Lücke. Der Schwerpunkt lag auf Werken vertriebener Komponisten jüdischen Glaubens. Hugo Kauder musste Österreich 1938 nach dem so genannten Anschluss Österreichs ans Dritte Reich verlassen.

Das Trio zeigte, dass Kauder stark vom Kammermusikstil von Johannes Brahms beeinflusst war. Vor allem beim Hören des ersten Satzes wurde dieser Eindruck unterstrichen. Das Hugo Kauder Trio verlieh ihm einen drängenden Charakter und tragisch wirkenden Tonfall. Dadurch erschien der folgende Intermezzo-Satz trotz der Seufzerfiguren im Mittelteil eher tänzelnd leicht. Nach einem empfunden gesanglich gespielten langsamen Teil nahmen die Musiker das drängende Moment des ersten Satzes im Finale wieder auf, diesmal noch leidenschaftlicher wiedergegeben und am Ende nach und nach verklingend. Noch deutlicher ist der Bezug zu Brahmsscher Musik im uvre von Robert Kahn wiederzufinden. Der in Mannheim geborene Komponist, der 1939 nach England flüchtete, war ein Zeitgenosse von Richard Strauss und Gustav Mahler und wurde von Brahms gefördert.

Ladislav Fanzowitz spielte drei ausgewählte Werke aus Kahns Klavierstücken op. 11: schön kantabel die klanglich voluminöse Elegie, etwas wiegend, aber sehr bewegt die Idylle und mit leichtem Anschlag das Capriccio mit seinen perlend klingenden Figurationen.

Vergessene Romantiker im zweiten Konzert: Poesievoll und mit Esprit

Ausdrucksstark Werke von Max Bruch und das Vergessen waren die beiden Bindeglieder zwischen den Konzerten des Hugo Kauder Trios. Im zweiten Konzert waren Kompositionen vergessener Romantiker zu hören. Hätte Bruch nicht sein Violinkonzert in g-Moll und seine "Schottische Fantasie" geschrieben, man hätte ihn womöglich auch vergessen. Im zweiten Konzert war unter anderem sein op. 83 zu hören. Das Hugo Kauder Trio stellte im "Andante con moto" eingangs die Expressivität der Melodie heraus. Besonders Róbert Lakatos spielte entschieden im Ton. Gesanglich und empfunden wurde das "Moderato" überschriebene Stück interpretiert.

Poetisch Zuvor hatten die drei Musiker die "Schilflieder" op. 28 von August Klughardt gespielt, der eine ganz andere Stilrichtung als Bruch vertrat: die so genannte Neudeutsche Schule. Wunderbar zart und sanft, ganz poetisch wirkte die Wiedergabe des "Schilflieder"-Zyklus nach Gedichten von Nikolaus Lenau. Klughardt war aber nicht nur ein Liszt- und Wagner-Anhänger. Bezüge zur Musik Robert Schumanns lassen sich ebenfalls erkennen.

Auswahl So war die Wahl der drei Musiker, ihr Programm mit Stücken Schumanns zu beginnen, besonders glücklich. Sie hatten sich für drei Werke aus den "Sechs Stücken in kanonischer Form" op. 56 entschieden, die Paul Bazelaire für die Besetzung Oboe, Viola und Klavier bearbeitet hatte. Mal war ein verdichtetes, gesangliches Ineinandergreifen der Stimmen, mal sonnige Heiterkeit herauszuhören.

Oboe Am Ende des Konzerts wagte das Hugo Kauder Trio noch einen Blick zurück. Zwar war das Grand Trio in Es-Dur von Ignaz Lachner erst 1893 entstanden - als Lachner bereits 86 Jahre alt war. Aber es atmete noch den Geist Franz Schuberts, mit dem Lachner befreundet war. Die Oboe statt der Violine zu verwenden, erwies sich dabei nicht immer als ideal, da der Oboenton durchdringender wirken kann - vor allem in der Akustik der Synagoge mit ihrem Tonnengewölbe.

Walzer Nach begeistertem Applaus ließ das Trio sein Publikum in Walzerklängen zu Paul Juons "Danse phantastique" schwelgen.

SNU

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