Blaufelden Honigernte fällt klein aus

Imkermeister Erich Rothfuß aus Blaufelden kontrolliert die Erträge im Honigraum eines seiner 40 Bienenvölker. Die hell verschlossenen Waben sind reif für die Ernte. Doch die fällt in diesem Jahr mau aus. Foto: Christine Hofmann
Imkermeister Erich Rothfuß aus Blaufelden kontrolliert die Erträge im Honigraum eines seiner 40 Bienenvölker. Die hell verschlossenen Waben sind reif für die Ernte. Doch die fällt in diesem Jahr mau aus. Foto: Christine Hofmann
Blaufelden / CHRISTINE HOFMANN 15.06.2013
Die Hauptblütezeit war bereits vorbei, bevor die Honigbienen ihre Arbeit aufnehmen konnten. Kaum ein Imker konnte bislang Honig ernten, denn die Bienen brauchten die spärlichen Erträge selbst.

Im Frühling arbeiten die Bienen auf Hochtouren, sie sammeln Nektar, bestäuben dabei die Obstbäume und produzieren Honig. Jetzt im Juni haben Imker eigentlich viel zu tun, denn es ist Haupterntezeit für den Honig. Doch kaum ein Imker hat bisher Honig geschleudert. In diesem Jahr ist der Kreislauf aus dem Ruder gelaufen: Im März stoppte die Vegetation, und die Bienen schalteten auf Winterbetrieb zurück. Dann folgte der Mai, der viel zu kalt und viel zu nass war. Anstatt von Blüte zu Blüte zu fliegen, blieben die Bienen in ihrem Stock, anstatt Nahrung zu sammeln, zehrten sie von den spärlichen Vorräten des zeitigen Frühjahrs.

Manche Völker litten gar Hunger und mussten von den Imkern gefüttert werden. "Bienen sind Sonnenvögel, sie können erst ab einer Temperatur von zwölf Grad fliegen", erklärt Bienenexperte Erich Rothfuß aus Blaufelden. Er führt einen anschaulichen Vergleich an: "Wenn es kälter ist, fühlt sich das für die Bienen ähnlich an, als würden wir Menschen bei minus zehn Grad in der Badehose rausgehen. Da würden wir auch nicht lange durchhalten."

Für ein Kilogramm Honig sammeln die fleißigen Bienen etwa drei Kilo Nektar. Dazu müssen sie bis zu 18 Millionen Blüten anfliegen. "Im Schnitt produziert ein Bienenvolk 20 Kilogramm Honig", erklärt der Vorsitzende des Bezirksimkervereins Gerabronn. Diese Menge wird es heuer keinesfalls geben, die große Honigernte fällt klein aus. Die Baumblüte ist vorbei, die Wiesen sind abgemäht, nun bleibt nur noch zu hoffen, dass der Wald ordentlich honigt, wie der Fachmann sagt. Im Wald finden die Bienen Blüten von Blumen und Wildsträuchern sowie Honigtau an den Nadeln, Blättern und Zweigen der Bäume. "Manche Völker haben bis jetzt noch nichts im Honigraum", sagt Erich Rothfuß. Viel Zeit zur Honigproduktion bleibt den Bienen nicht mehr. Ab dem Tag der Sommersonnenwende schalten die Insekten bereits auf Winterzeit um.

Erich Rothfuß ist seit 29 Jahren Imker. Der gelernte Landwirt und überzeugte Naturfreund hat mit vier Völkern angefangen und kümmert sich heute um 40 Bienenvölker. Er züchtet Bienen für sich und andere Imker. Im Jahr 2004 legte er die Imkermeisterprüfung ab. Seit elf Jahren leitet Rothfuß den Bezirksimkerverein Gerabronn. "Unsere wichtigste Aufgabe ist es, den Nachwuchs für die Imkerei zu begeistern", meint der 52-Jährige. Denn in einer Landschaft, die nur noch wenige naturnahe Lebensräume zu bieten hat, können Bienen ohne Imker nicht existieren. Er schafft Nistmöglichkeiten in der Nähe trachtreicher Pflanzen, sorgt dafür, dass das Volk gut gestärkt in den Winter geht, und füttert sie in der kalten Jahreszeit mit Zuckerlösung - als Ausgleich für die entnommenen Honigvorräte. Der Honig ist ein kleiner Lohn für die Arbeit des Imkers. Viel größer sind die Werte, die die Honigbienen durch die Bestäubung der Obstbäume, Beerensträucher und anderer Kulturpflanzen schaffen. "Die biologische Gärtnertätigkeit der Bienen macht rund das 15-fache des Wertes ihrer Honigproduktion aus", sagt Erich Rothfuß.

Info Der Bezirksimkerverein Gerabronn lädt morgen von 10 bis 18 Uhr in der ehemaligen Brauerei in Raboldshausen zum Tag der Imkerei.