Kaum hat der Oberroter Gemeinderat dem Bau einer Pelletierungsanlage mit knapper Mehrheit zugestimmt, da liegt auch schon der nächste Bauantrag auf dem Tisch. Binderholz, mit Hauptsitz in Fügen im Zillertal, plant im Rottal den Neubau einer Produktionshalle und den Einbau einer neuen Sägelinie, welche die alte ersetzen soll. Zu diesem Zweck ist ein Teilabbruch des vorhandenen Gebäudes vorgesehen.

Die Höhe des neuen Gebäudes ist in den Plänen mit 13,29 Metern angegeben. Inklusive technischem Aufbau in einem Teilbereich wird die Gesamthöhe 18 Meter betragen. Das Dach ist teilweise als Sattel- und teilweise als Pultdach geplant. Nicht alle Details entsprechen den Festsetzungen des Bebauungsplans Strietwiesen, Befreiungen sind notwendig. 48 Arbeitsplätze sind da, vier neue sollen entstehen.

Heftige Diskussionsrunden schlossen sich an. Schließlich stimmte der Gemeinderat dem Beschlussantrag der Verwaltung in allen Punkten zu.

Vor dem Hintergrund des Austauschs der Sägelinie hat Klenk Holz für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Oktober 2020 einen Antrag auf Sonn- und Feiertagsarbeit gestellt, um derweil die Kapazitäten zu erhalten. So könnte das Käferholz aus den umliegenden Wäldern schnell abtransportiert und die Abnahmeverpflichtung mit Forst BW eingehalten werden, heißt es zur Begründung.

Zuständig für die Genehmigung ist die Gewerbeaufsicht im Haller Landratsamt, die Gemeinde Oberrot hat lediglich eine Stellungnahme abzugeben. In Abstimmung mit seinen ehrenamtlichen Stellvertretern hat Bürgermeister Daniel Bullinger eine solche verfasst und dem Gemeinderat vorgelegt. „Wir sehen die betriebliche Notwendigkeit“, schreibt er darin.

Allerdings werden auch Forderungen gestellt hinsichtlich rascher Umsetzung, Prüfung zusätzlicher Lärmschutzmaßnahmen, regelmäßiger Kontrolle durch das Landratsamt oder auch die Einrichtung einer Hotline zum Melden von Verstößen. Der Gemeinderat regte an, die Genehmigung der Sonn- und Feiertagsarbeit zunächst befristet bis zum 31. Mai zu erteilen.

Die Wellen schlagen hoch in Oberrot. In Anbetracht der Lärmsituation, aber auch deshalb, weil man sich von den neuen Besitzern nicht ernst genommen fühlt und Kritik schon mal als „Kasperltheater“ abgetan werde. Bemängelt wurde, dass in einem Informationsgespräch mit Repräsentanten der Firma Zusagen gemacht worden seien, die bislang weder eingehalten noch umgesetzt wurden.

„Wir tragen mit, was geht, aber was will man uns noch alles zumuten?“, stellte Gemeinderätin Katrin Häfner die alles umfassende Frage. Von Salami-Taktik war die Rede, und jetzt solle man erneut einen Vertrauensvorschuss geben.

Emotionale Wortmeldungen kamen auch aus den Reihen des Publikums, das in großer Zahl den Bürgersaal füllte. Aspekte wie 14 weitere Arbeitsplätze in der neuen Pelletierungsanlage und vier in der Sägelinie, Standortsicherung und Erhöhung der Wertschöpfungskette sprechen für sich. Der krankmachende Lärm und die gefühlte mangelnde Rücksichtnahme auf die Bevölkerung sind wohl der andere Teil der Wahrheit.