Region/Stuttgart Hohenloher Kunstschätze im Stuttgarter Landesmuseum

 
  © Foto:  
ANDREAS HARTHAN 25.07.2015
Als "einen der schönsten Edelsteine in Württembergs Krone" bezeichnete bereits 1826 der in Langenburg geborene Schriftsteller Karl Julius Weber die Region im Nordosten des Landes. Bis zum 23.

Als "einen der schönsten Edelsteine in Württembergs Krone" bezeichnete bereits 1826 der in Langenburg geborene Schriftsteller Karl Julius Weber die Region im Nordosten des Landes. Bis zum 23. August zeigt das Landesmuseum Württemberg die Sonderausstellung "Kunstschätze aus Hohenlohe" im Alten Schloss in Stuttgart. Im Mittelpunkt der Präsentation stehen das Wirken der weit verzweigten Fürstenfamilie Hohenlohe, die Blüte der ehemaligen freien Reichsstadt Schwäbisch Hall und überregional bedeutende Kunstsammlungen wie die von Max Kade (Schwäbisch Hall) und Reinhold Würth (Künzelsau).

Dass Hohenloher Kunstschätze in der Landeshauptstadt zu sehen sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Hohenlohe war seit seiner "Eingliederung" 1806 ins Königreich Württemberg Randlage irgendwo an der Grenze zu Bayern, war gar als Württembergisch-Sibirien verschrien. Hohenlohe galt als Bauernland, als rückständig, hierher wurden gerne in Ungnade gefallene Beamte strafversetzt.

Und jetzt wird Hohenlohe gefeiert. Mit einer Sonderausstellung im Alten Schloss in Stuttgart, also dort, wo einst die württembergischen Grafen und Herzöge residierten. Wie kommt's? Es hat wohl mal wieder mit dem mächtigsten Hohenloher "Fürsten" der Neuzeit, mit Reinhold Würth, zu tun. Der Unternehmer ist Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums Württemberg und der Meinung, es sei wichtig, "dass alle Regionen, die Württemberg beherbergt, in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden". Und: Hohenlohe, also seine Heimat, habe schon eine "besondere Bedeutung". Da trifft es sich gut, dass ein weiteres Mitglied des Fördervereins ein hohenlohischer Fürst mit Gewicht ist: Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg.

Alle an der Ausstellung Beteiligten brachten viel guten Willen auf, diese in Rekordzeit zu organisieren, damit sie über den Sommer hinweg gezeigt werden kann. Und so ist es der Museumsdirektorin Cornelia Ewigleben "eine große Freude", die Hohenlohe-Schau präsentieren zu können. "Wir überraschen das Publikum mit großer Kunst: Meisterwerke, die in Hohenlohe entstanden sind oder zu dortigen Sammlungen gehören", verspricht sie im lesenswerten Katalog. Und fast scheint es so, dass Professorin Ewigleben selbst ein bisschen überrascht von der Kunstkammer Hohenlohe ist. Umso mehr freut es sie nun, dass das von ihr geleitete Landesmuseum die Region Hohenlohe "erstmals umfänglich würdigt". Wer sagt, dass es hierfür auch höchste Zeit ist, hat recht. Aber Hohenloher sind ja erstens keine nachtragenden Menschen und zweitens mit Gelassenheit gesegnet - zumal sie ja wissen, dass sie Hohenlohe zu einer Vorzeigeregion des Ländles gemacht haben.

Inzwischen wissen die Württemberger, was sie an den Hohenlohern haben. Das wurde auch bei einer Leserfahrt in die Ausstellung in Stuttgart deutlich, die die drei Tageszeitungen im Landkreis veranstaltet haben. Als die Kunstfreunde aus Schwäbisch Hall, Crailsheim und Gaildorf in der Landeshauptstadt eintrafen, wurde ihnen ein großer Bahnhof bereitet. Empfangen wurden sie von Museumsdirektorin Ewigleben, Dr. Inke Beckmann, die Kuratorin der Ausstellung, führte die Leserinnen und Leser exklusiv und kenntnisreich durch die Kunschätze-Schau, und sogar Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg war extra nach Stuttgart gekommen, um den Zeitungslesern aus dem Alltag eines Fürsten zu berichten.

Sie erfuhren etwa, dass Adlige bis heute mit erheblichen Vorbehalten zu tun haben. Kürzlich berichtete die Zeitschrift "Bunte" über die Hohenlohe-Ausstellung in Stuttgart und titelte: "Fürsten und Milliardäre zeigen ihre Schätze". In den Tagen darauf sei er des Öfteren gefragt worden, seit wann er denn Milliardär sei. Kleine Ursache, große Wirkung: Die Überschrift ist etwas unpräzise, und schon wird Volkes (Vor-)Urteil bestätigt. Zu sehen ist auf dem Foto nur ein Milliardär - Reinhold Würth nämlich. Die anderen sind "nur" Hohenloher Fürsten.

Wobei dieses Foto, aufgenommen in dem Museumsraum, der sich mit hohenlohischer Hofkultur beschäftigt, insofern interessant ist, weil es einerseits ein wichtiges Bild aus dem Kunstschatz der Hohenloher Fürsten zeigt, "Die Kirchberger Fürstenfamilie" (um 1745) des Hofmalers Johann Valentin Tischbein, und andererseits so eindrücklich wie kein fotografisches Dokument zuvor belegt, dass der Unternehmer Reinhold Würth sozusagen in den Rang eines Hohenloher Fürsten aufgestiegen ist.

Die Ausstellung im nach den Württembergern benannten Landesmuseum präsentiert viele beeindruckende Kunstschätze aus Hohenlohe. Ein herausragendes Exemplar ist die Schale von Breda (großes Foto). Dieses Prunkstück ist ein Geschenk an Philipp Ernst zu Hohenlohe-Langenburg, der Oberbefehlshaber der holländischen Truppen bei der Eroberung der Stadt Breda war. Zu den Stars der Ausstellung gehört auch der Hut des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf. Der legendäre Herrscher schenkte ihn seinem Kammerherrn, dem Hohenloher Grafen Wolfgang Otto.