Irgendwie kommt es einem so vor, als hätte sich der Staub der zurückliegenden Muswiese gerade erst gelegt, als seien die gereinigten Bierhumpen noch spülmaschinenwarm und als müsste irgendwo noch ein letzter Krautbottich vor sich hindampfen. Aber nein, die Zeit, sie rast, und es ist doch tatsächlich schon wieder ein Vierteljahr ins Land gegangen seit Musdorfs wilden Tagen – da darf man also schon wieder guten Gewissens nostalgisch zurück und vorfreudig nach vorn blicken.

Eine gute Gelegenheit zum muswiesenseligen Schwelgen bietet sich am kommenden Samstag im Crailsheimer Kammer-Kino. Dort nämlich hat der Billingsbacher Thilo Reckwardt (36) einen Saal angemietet, um sein „Gribbl­muwi“ über die Muswiese 2018 zu zeigen. Wie groß die Sehnsucht der Hohenloher nach ihrem Lieblingsfest ist, zeigt sich daran, dass bereits alle 129 Tickets für die Vorführung verkauft sind.

Reckwardt ist nicht etwa ein langjähriger Profi an der Kamera, sondern ein Neuling. Als er einen Artikel darüber las, dass die Videotechnik eines Smartphones der Firma Apple heute so ausgereift sei, dass man dafür selbst für die Kinoleinwand drehen könne, sagte er sich: Das will ich probieren. Er kaufte sich ein bisschen Zubehör zu seinem gescheiten Telefon, belegte Anfang Oktober kurzerhand noch einen Video-­Workshop in der Schweiz, übte ein bisschen beim Spielszenen-­Filmen auf dem Billingsbacher Sportplatz – und stürzte sich dann ins kalte Wasser, oder besser: ins Musdorfer Getümmel. Denn: Welcher Stoff in Hohenlohe sollte sich besser für einen Film eignen? Und: „Auf der Muswiese bin ich ja eh immer die ganzen fünf Tage über unterwegs“, sagt Reckwardt.

Wer freilich routinierter Jahrmarktsbesucher ist, der hat seine festen Anlaufpunkte und gerät leicht in Versuchung, manch anderes aus der mannigfaltigen Muswiesenwelt gar nicht mehr wahrzunehmen. Auch bei Reckwardt war das so. Er hat das Fest jedenfalls noch einmal ganz neu für sich entdeckt, als er ganz bewusst Programmpunkt für Programmpunkt ansteuerte. „Das war super“, sagt er.

Herausgekommen ist ein 48-minütiger Ritt über den Platz, von den Vorbereitungen bis zum ausschweifenden Austanzen am Donnerstag mit kurzen Schlaglichtern auf dies und das: Andreas Pressler beim Besteck-Einwickeln, geschäftiges Muswiesenwurst-Brutzeln, Lauf, Fußball-­Derby, Bieranstich (das feuchteste Ereignis 2018), Eröffnung, Muswiesen-Monopoly, Bierstiefel-Trinken mit den Metzgerstänzern, Jungviehprämierung, Jahrmarktsführung mit HT-Redakteur Harald Zigan, und, und, und. Viele Besucher kommen kurz zu Wort – und geben mal mehr, mal weniger Gewichtiges zu Protokoll. Kostprobe: Was macht ihr? „Bier trinke, Schnaps trinke, und etz gemmer noch a gscheidi Schlachtplatte veschbere.“ Was man halt so macht …

Mehr als vier Stunden brauchbares Filmmaterial hat eine Bekannte Reckwardts, die beim Fernsehsender Sat.1 ihr Geld verdient, aus Kiel kommt und die Muswiese nicht kennt, zusammengeschnitten.

Abgerundet wird der Film von einem Muswiesen-Song, den die kurzfristig zusammengewürfelte Gruppe „Opas Buben“ 2018 in der Wirtschaft Mack uraufführte und den die Musiker in der Zwischenzeit professionell aufgenommen haben. „Ob jung oder alt, ob groß oder klein, von den Hohenlohern ist keine Sau daheim“, heißt es darin. Reckwardts Streifen ist eine kleine, feine Innenansicht dieses außeralltäglichen Treibens.

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