Das bekannte Niederstettener Unternehmen wird mit dem Verkauf an die japanische OSG-­Gruppe (Präfektur Aichi) der erste europäische Standort mit Gewindewerkzeugfertigung des börsennotierten Konzerns. Für Inhaberin Dr. Stefanie Leenen war der Verkauf des Unternehmens keine leichte Entscheidung. Die Vollblutunternehmerin war seit 2001 für das Unternehmen tätig und stand seit 2008 an der Spitze eines Betriebes, den einst ihr ­Großvater Kurt Bass 1947 grün­dete.

Was mit der Fertigung von Werkzeugen für die Bearbeitung von Innengewinden begann, ist heute ein sehr bekannter Hersteller von Hochpräzisionswerkzeugen, der mittlerweile 160 Mitarbeiter beschäftigt und zu den weltweit führenden Firmen dieser Branche zählt. Das ist auch einer der Gründe, warum die Übernahme noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt steht.

Als Teil eines Global Players will das Hohenloher Unternehmen weitere Märkte erschließen

Dass die geschäftsführende Gesellschafterin das Familienunternehmen an den international aufgestellten Wettbewerber mit Konzernstruktur veräußerte, hat viel mit der perspektivischen Ausrichtung zu tun, die die Philosophie der Unternehmerin Dr. Stefanie Leenen prägt: „Die Umwälzungen, gerade auch im Bereich Automotive, sind gravierend, und da benötigt es Partner, die technologisch und wirtschaftlich stark sind, aber auch klare strategische Ziele verfolgen.“ Durch die Übernahme von Bass stärkt der OSG-Konzern seine Position auf dem Markt in Europa. Der Vorteil für den Konzern: Er muss keine eigene Fertigung aufbauen. Und das wäre nötig gewesen, um Marktnähe und Liefertempo zu gewährleisten. Was die Übernahme zudem erleichtert: Beide Firmen haben enorm viel Erfahrung in der Entwicklung, Fertigung und im Vertrieb von Werkzeug-Lösungen für die Fertigungsindustrie.

Ein Umstand wird von Dr. Stefanie Leenen immer wieder hervorgehoben: „Es war ein Verkauf aus der Position der Stärke he­raus. Wir sind gut aufgestellt, wirtschaftlich überaus solide und hätten auch aus eigener Kraft he­raus weiterwachsen können. Als Teil eines Global Players hat das Unternehmen nun die Möglichkeit, einerseits Synergien bei der Entwicklung von Produkten und Prozessen zu nutzen und kann sich andererseits weitere Märkte erschließen.“ Während Dr. Stefanie Leenen selbst aus dem Unternehmen ausscheidet, bleibt Geschäftsführer Martin Zeller dagegen im Betrieb. Auch das ist ein Zeichen gewollter Kontinuität: „Wir sind bei OSG sowie der Haupteigentümerfamilie in sehr guten und überaus erfahrenen Händen. Unser künftiger Mutterkonzern ist in der Branche bekannt und wird auch wegen seiner hohen Kompetenz respektiert.“

Bass und OSG teilen viele Werte

Die Marke und das Unternehmen Bass bleiben in bisheriger Form erhalten. Auch sind alle bestehenden Verträge von der Übernahme unberührt. OSG will mit dem Zukauf vor allem das Serviceangebot der Gruppe weiter verbessern. „Wir werden unser Engagement, einen Beitrag zur verarbeitenden Industrie in Deutschland zu leisten, weiter ausbauen“, sagt auch Hideaki Osawa, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der OSG Europe, übrigens ein Enkel von OSG-Gründer Hideo Osawa. Bass und OSG teilen viele Werte, sowohl als Hersteller aber auch in der unternehmerischen Ausrichtung. Denn gerade Bass ist bekannt für sein soziales Engagement vor Ort und seine hohen Ansprüche an die eigene Position als attraktiver Arbeitgeber im ländlichen Raum. Erst zuletzt wurde das Unternehmen mehrfach für seine Konzepte für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgezeichnet.

„Der Verkauf war auch ein Vertrauensvorschuss in das Vorhaben, dass sich das Unternehmen hier am Standort Niederstetten weiter gut entwickeln kann, und dafür sind die Voraussetzungen jetzt wirklich geschaffen“, sagt Dr. Stefanie Leenen. Das langjährige Mitglied der IHK-Vollversammlung will sich „als Unternehmerin neu erfinden“, davor aber persönlich etwas durchatmen: „Es gibt schon konkrete Projekte, aber zunächst nehme ich mir nun etwas Zeit für meine Familie, denn über all die Jahre stand immer die Firma im Vordergrund.“

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Prozent beträgt die Ausbildungsquote bei Bass. Der bekannte Werkzeug-­Spezialist für das Bohren, Furchen und Fräsen von Gewinden wurde bereits mehrfach als einer der besten Ausbildungsbetriebe in Deutschland ausgezeichnet.

Zwei sehr starke Partner


Die Bass GmbH & Co. KG in Niederstetten ist ein mittelständisches Familienunternehmen. Seit der Gründung im Jahr 1947 entwickelt, produziert und vertreibt Bass hochpräzise Produkte für die industrielle Gewindeherstellung. Die Kunden kommen aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie, dem Maschinenbau und der Medizintechnik.

Die OSG Corporation ist der weltweit größte Hersteller von Schaftwerkzeugen. Gegründet im Jahr 1938, hat OSG einen ausgezeichneten Ruf als Anbieter von Gesamtlösungen für Schneidwerkzeuge und nimmt mit einem Produktions-, Vertriebs- und Technik-Netzwerk in 33 Ländern eine Spitzenposition ein. Die OSG Corporation ist an der Tokyo Stock Exchange und der Nagoya Stock Exchange notiert.