Region Hohenlohebahn: Stundentakt zwischen Hessental und Heilbronn ab Ende 2019

Region / RALF REICHERT 05.01.2016
Das politische Ziel steht seit langem fest: Der Schienenverkehr auf der Hohenlohebahn soll deutlich verbessert werden. Passiert ist bisher aber nichts. Die Verbesserungen kommen noch lange nicht in Fahrt.

Im Herbst 2013 hieß es, der durchgängige Stundentakt beim Regionalexpress (RE) zwischen Hessental und Heilbronn greife im Jahr 2016. Im Februar 2015 ruderte die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) zurück: Erst ab Ende 2018 sei es so weit. Jetzt ist klar, dass der Stundentakt erst ab Dezember 2019 kommt.

Auch wenn der Bund womöglich mehr Geld zur Finanzierung des Regionalverkehrs gibt: Das Problem ist, dass sich die Länder noch nicht auf einen Verteilungsschlüssel einigen konnten. Baden-Württemberg weiß also noch nicht, ob es mehr Geld erhält. Das Fahrplanangebot wird aus diesen Regionalisierungsmitteln finanziert.

Abgesehen davon, dass diese Entscheidung weiter aussteht, stellte NVBW-Geschäftsführer Volker M. Heepen für die Hohenlohebahn klar: "Vorerst bleibt es beim Status-Quo-Angebot, da die Finanzierung von Mehrleistungen nicht vor 2020 möglich ist." Es sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht vertretbar, "für eine Übergangszeit neue Fahrzeuge zu kaufen und zusätzliches Personal einzustellen".

Mit Übergangszeit meint Heepen die Phase von Dezember 2016 bis Dezember 2019. Der seit 2003 bestehende große Verkehrsvertrag mit der DB Regio läuft zwar in einem Jahr aus. Doch erst drei Jahre später sollen die neuen Verträge in die Praxis umgesetzt werden. Das Verkehrsministerium hat auf den Faktor Zeit und mehr Lose gesetzt, um den Wettbewerb anzukurbeln und bessere Angebote zu erhalten. Bisher hat diese Taktik gegriffen: etwa für die Frankenbahn. Die DB Regio wurde von zwei privaten Gesellschaften ausgestochen. Ein zentraler Bestandteil der Ausschreibung war der Stundentakt. So wie bei der Hohenlohebahn, die Teil des Nahverkehrsnetzes 11 Hohenlohe-Franken-Untermain ist. Für diese Strecke ist die Ausschreibung aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2015 auf den Markt gegangen. "Die Entscheidung fällt im nächsten Jahr", sagt Heepen. "Für die Übergangszeit wurde vertraglich DB Regio gebunden, so dass der Status quo beibehalten wird."

Das Verkehrsangebot auf der bestehenden Trasse zu verbessern ist das eine, der Ausbau der Schieneninfrastruktur nebst neuer Haltestellen zwischen Hessental und Öhringen-Cappel das andere kritische Moment.

Das Land hat die Hohenlohebahn zwar für den neuen Bundesverkehrswegeplan angemeldet, der voraussichtlich bis zum Jahr 2025 gilt. Aber Dr. Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises, sagt: "Es wird sehr schwer, über dieses Programm zum Zug zu kommen." Größere Projekte hätten bessere Karten. Auch wenn es formal in dieser Liste keine Priorisierungen gibt, wie Julia Pieper, Sprecherin des Verkehrsministeriums, kürzlich gegenüber der Hohenloher Zeitung betonte, ist klar: Andere Bahnstrecken, die schon im alten Bundesverkehrswegeplan vertreten waren, warten schon viel länger darauf, endlich dran zu sein.

Also bleibt nur die Lösung, den Ausbau als kommunales Projekt zu managen. Und vom Land bezuschusst zu werden. Haken eins: Der Fördersatz wurde von 75 auf 50 Prozent gesenkt, die Kreise und Anliegerkommunen müssten viel mehr selbst bezahlen. Haken zwei: Bund und Länder haben sich noch nicht darauf verständigen können, wie und in welcher Höhe Fördermittel für solche kommunalen Infrastrukturmaßnahmen ab 2019 verteilt werden, deren Volumen unter 50 Millionen Euro liegt. Die Hohenlohebahn fällt nach bisherigen Berechnungen in diesen Bereich. Die Länder wollen erreichen, dass der Bund finanziell eine Schippe drauflegt.

Hohenlohebahn steht hinter größeren Projekten zurück

Hohenlohe-Landrat Matthias Neth rechnet mit einer Entscheidung im laufenden Jahr. "Dann wissen wir mehr und sehen, wie es nach 2019 weitergeht." Bis dahin seien alle Fördermittel ausgeschöpft. "Die Region müsste zunächst mittels einer standardisierten Bewertung die Förderwürdigkeit des Vorhabens nachweisen", sagt Julia Pieper vom Ministerium. Dazu müssen die Kosten in einem positiven Verhältnis zum Nutzen stehen, also die Fahrgastzahlen eine "kritische Masse" erreichen.

Hohenlohebahn: Seit mehr als 150 Jahren rollt der Verkehr

Ursprung Seit 1862 rollt der Verkehr auf der Hohenlohebahn. Die Bahnstrecke Crailsheim-Heilbronn ist zweigleisig und rund 88 Kilometer lang. Die Strecke ist abschnittsweise elektrifiziert. Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen eröffneten die seinerzeit als Kocherbahn bezeichnete Strecke ausgehend von Heilbronn 1862 bis Schwäbisch Hall und 1867 bis Crailsheim.

Gegenwart Seit 1990 sind die Verkehrsströme im Wandel. Die Konkurrenz durch andere Verkehrsmittel, vor allem auf der Straße, nimmt zu. Die Gestaltung des Nahverkehrs wird zur Ländersache. Der Betrieb der Nebenbahn Waldenburg-Künzelsau-Forchtenberg wird eingestellt. Der Personenverkehr auf der Hohenlohebahn wird bis auf den Nahverkehr zurückgenommen. Es gibt keine Fernverkehrsverbindungen mehr.

SWP

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel