Mainhardt Hochbetrieb im kühlen Nass

Am Beckenrand des Mineralfreibads hat die DLRG einen Sonnenschirm aufgestellt, unter dem der diensttuende Rettungsschwimmer ein schattiges Plätzchen findet.
Am Beckenrand des Mineralfreibads hat die DLRG einen Sonnenschirm aufgestellt, unter dem der diensttuende Rettungsschwimmer ein schattiges Plätzchen findet. © Foto: Maya Peters
Mainhardt / Maya Peters 22.08.2018
Während sich die Badenden erfrischen, tragen ehrenamtliche Rettungsschwimmer der DLRG viel Verantwortung im Wachdienst. Ein Blick auf das Mainhardter Mineralfreibad.

Durch die lang anhaltende Schönwetterperiode sind wir alle bis zum Anschlag gefordert“, seufzt Meta Schoch. Die Mainhardterin ist seit 1989 im Vorstand der Ortsgruppe und seit 2003 Bezirksvorsitzende der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft). Zu ihr gehören sieben Ortsgruppen: Schwäbisch Hall, Crailsheim, Gaildorf, Gerabronn, Blaufelden, Rot am See und Mainhardt. Sonst könne man sich an Schlechtwettertagen auch mal erholen. Doch jetzt seien sie und viele ihrer Kollegen häufiger als gewöhnlich im Einsatz.

2017 habe man mit den Rettungsschwimmern im Mineralfreibad Mainhardt über die Saison 622 Stunden Aufsicht gestemmt und 290 Stunden in die Wartung und Pflege des Materials. „Jetzt liegen wir mit den ehrenamtlich geleisteten Stunden bis August vermutlich doppelt so hoch“, weiß Schoch. Damit man zumindest gut beschattet ist, hat die Ortsgruppe einen großen Sonnenschirm in den DLRG-Farben Gelb-Rot am Becken aufgestellt. Doch nicht nur die Stunden, auch die Badegäste in Mainhardt wurden mehr: Mitte August sei die Gesamtzahl des Vorjahres (32.000 Gäste ab Ende Mai bis Saisonende 2017) mit 40.000 Besuchern (ab Mitte Mai bis Stand 12. August 2018) bereits weit übertroffen, berichtet Kämmerer Friedmar Wagenländer. „Eine tolle Leistung, die das Freibadteam da erbringt“, lobt er.

17 ehrenamtlich im Einsatz

Schwierig sei es, die Aufgaben dieser freiwilligen Verpflichtung untereinander gerecht zu verteilen, erzählt Meta Schoch. Zu den zwölf aktiven Mainhardter Rettungsschwimmern im wechselnden Einsatz kommen fünf Nachwuchs-Rettungsschwimmer hinzu. Neben dem Wachdienst seien Aktionen wie das Früh- oder Nachtschwimmen, Kurse und Training Teil ihrer vielfältigen Aufgaben. Seit einigen Jahren macht die DLRG auch in den Mainhardter Kindergärten Vorschulkinder mit den Gefahren im und am Wasser vertraut.

„Unsere Arbeit ist sehr wichtig“, betont Schoch und setzt hinzu: „Ich möchte nicht, dass wir das Gleiche erleben wie der Nachbarkreis.“ Damit spielt sie auf den tödlichen Badeunfall eines Sechsjährigen in einem See bei Waldenburg an. Bundesweit seien bis Ende Juli über 280 Menschen ertrunken, deutlich mehr als im Vorjahr. „Die Leute werden bei dem heißen Wetter oft leichtsinnig“, bedauert sie. Und das nicht nur am See, sondern auch im Freibad. Oft ertränke man leise und unbemerkt. Mehrheitlich passierten die Unglücke an freien Gewässern.

Der offizielle Dienst an den Küsten und Badeseen endet um 18 Uhr. „Außerhalb dieser Zeiten ist das Baden auf eigene Gefahr“, mahnt Schoch. Zehn Jahre lang habe sie selbst regelmäßig ehrenamtliche Wachdienste an der Ostsee gemacht. Die Arbeit der Rettungsschwimmer an den Badegewässern sei unbezahlbar und äußerst wichtig. Allerdings werde das nicht immer so honoriert. Dabei wolle man eigentlich mehr Anerkennung finden und keine unangenehme Begegnungen mit Badegästen erleben. „Das ist nicht motivierend für die ehrenamtliche Leistung“, betont Schoch. Im Mainhardter Bad steht sie selbst häufig als Aushilfskraft der Gemeinde am Beckenrand. „Wir Rettungsschwimmer unterstützen den Schwimmmeister und sorgen für Sicherheit.“ Wenn sie da seien, habe er Pause. Nur so könne man die langen Öffnungszeiten überbrücken. Die größten Gefahren im frisch sanierten Mineralfreibad lägen an der Schräge zum Schwimmerbereich, beim Sprungturm, bei der Rutsche und der Schaukelbucht. „Da kann man sich manchmal den Mund fusselig reden“, bedauert sie die gefährlichen Kletteraktion auf den Schaukelrand oder das wilde, alters- und größengemischte Hüpfen darin. „Doch Gottseidank ist schon seit Jahrzehnten nichts Arges mehr bei unseren Wachzeiten passiert.“ Sie selbst sei im Mineralfreibad „groß geworden“, erzählt Meta Schoch.

Schwimmkurs hat Priorität

Sie kennt die einzelnen Ortsgruppen im Bezirk sehr gut. Jede habe die gleichen Vorgaben und die gleiche Satzung, jedoch die Möglichkeiten vor Ort seien unterschiedlich. Manche seien stark ausgeprägt im Wasserrettungsdienst mit allen Facetten, beispielsweise Schwäbisch Hall und Crailsheim, andere haben den Fokus auf der Jugendarbeit. Die Ausbildung von Nichtschwimmern zu Schwimmern und in Folge zu Rettungsschwimmern stehe bei allen DLRG-Ortsgruppen gleichermaßen oben an.

Tödliche Folgen der Selbstüberschätzung

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Ertrunkenen in diesem Sommer in Deutschland gestiegen (Statistik vom 20. Juli: 279 Menschen, 37 mehr als 2017, Tendenz steigend). Häufige Gründe für Badeunfälle sind neben der Missachtung der Baderegeln vor allem Übermut und Selbstüberschätzung, sagen Fachleute. Im Schnitt ertrinken viermal so viele Männer wie Frauen. Eltern sollten mehr auf ihre Kinder schauen und ihnen Schwimmkurse ermöglichen, meint die DLRG: Laut einer Forsa-Umfrage von 2017 können sechs von zehn Zehnjährigen nicht richtig schwimmen. Auf die erste Auszeichnung, das Seepferdchen, sollte sich niemand verlassen, warnt die DLRG. Mindestens das Jugendschwimmabzeichen in Bronze sollte ein Kind abgelegt haben – erst dann gilt es als Schwimmer. may

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