Rot am See Hobby-Geologen: Entdeckungen im Brettachtal

HARTMUT VOLK 17.04.2014
Das tief in den Muschelkalk eingeschnittene Brettachtal birgt eine Reihe geologischer Besonderheiten, denen der Kirchberger Arbeitskreis Geologie bei einer Exkursion mit Professor Dr. Theo Simon auf der Spur war.

Ziele der Halbtagswanderung durch den zauberhaften Frühlingswald im Talabschnitt zwischen Beimbach und Amlishagen waren zum einen die ehemaligen Salzquellen dort, sowie oberhalb davon die Gesteinsschicht der Spiriferina-Bank - eine stratigrafisch wichtige Leitfossilschicht im oberen Muschelkalk.

Zum Auftakt hatte Arbeitskreisvorsitzender Hartmut Heilmann einen Termin mit Stauwärter Walther Kilian vom Wasserverband Brettach organisiert, der vor Ort Funktion und Geschichte des Beimbacher Stausees erläuterte. Der 1967 erbaute und im Jahr 2000 sanierte Staudamm dient als wichtiges Regulativ für den Hochwasserschutz und begrenzt eines der größten Rückhaltebecken Baden-Württembergs mit einem Stauraum von über drei Millionen Kubikmeter. Der Abstieg über 170 Stufen hinunter in den Kontrollgangstollen im Dammfuß nötigte den Teilnehmern Respekt ab, als Kilian berichtet, dass er bei Hochwasserereignissen im stündlichen Turnus hinuntersteigen muss.

Der 900 Meter lange Stausee bedeckt heute auch die Überreste der ehemaligen Salinenanlagen aus dem 18. Jahrhundert. Im Zeitalter des Merkantilismus förderte der Markgraf von Brandenburg und Fürst zu Ansbach als damaliger Landesherr die mühsamen Versuche, aus dem schwach salzhaltigen Quellwasser im Brettachtal Salz zu gewinnen. Oberhalb des Sees konnte Exkursionsleiter Simon noch die Überreste einer in den Fels gehauenen Radstube zeigen, in der einst ein Wasserrad das salzhaltige Wasser zu den Gradierwerken leitete. Für seinen Antrieb sorgte ein 1300 Meter langer hangparalleler Kanal, den der in Fachkreisen als Kapazität bekannte Salinenexperte Franz Ludwig Cancrin 1782 erbauen ließ. Stellenweise wurde er sogar unterirdisch verlegt. Reste der Einlauf- und Ausgangsgewölbe sind heute noch erhalten.

Die Gradierwerke bestanden aus mit Reisigbündeln verfüllten Holzgerüsten, über die die Sole geleitet wurde, um durch Verdunstung ihre geringe Salzkonzentration zu erhöhen. Doch trotz allem Einsatz von Experten-Know-how und viel Kapital gelang es nicht, die nach dem Markgrafen benannte Saline "Alexandershall" rentabel zu betreiben. Statt geplanter 1000 Zentner Salz betrug die Produktion im letzten Betriebsjahr 1791 nur noch 200. Kurz darauf beschloss der berühmte Naturforscher und Königlich Preußische Oberbergmeister Alexander von Humboldt die Stilllegung der Anlage.

Die Salzlager im mittleren Muschelkalk entstanden vor etwa 200 Millionen Jahren durch die Eindunstung des flachen Schelfmeeres im damaligen sogenannten "Germanischen Becken". Aus dieser Epoche stammt auch der muschelähnliche Armfüßer Spiriferina, der auf einem Stiel am Meeresboden festgeheftet das vorbeiströmende Wasser filtrierte. Als ein durch viele Fachpublikationen ausgewiesener Kenner der Trias-Schichten konnte Diplom-Geologe Simon die Kirchberger Hobby-Geologen an eine besonders fossilienträchtige Stelle im Gelände führen, die viele der fingernagelgroßen, stark gerieften versteinerten Schalen barg.