Wüstenrot Hitze hat im Zeltlager viele gute Seiten

Wer es sportlich mag, kann am Morgen Volleyball spielen. Kinder mit geschickten Händen und Kreativität suchen sich die Bastelangebote aus. Im Schatten lässt es sich hier gut aushalten.
Wer es sportlich mag, kann am Morgen Volleyball spielen. Kinder mit geschickten Händen und Kreativität suchen sich die Bastelangebote aus. Im Schatten lässt es sich hier gut aushalten. © Foto: Dennis Mugler
Wüstenrot / Sabine Friedrich 18.08.2018
Freibad- und Seebesuche sind in diesem Jahr bei der DRK-Freizeit an der Tagesordnung. Handyfreie Zone sorgt für einen regen Briefkontakt mit zu Hause.

Muriel ist nicht die Einzige, die nichts gegen die Hitze hat. „Weil wir öfters ins Freibad gehen“, sagt die Zehnjährige aus Duttenberg. Und Marie (9) aus Schwaigern ergänzt, dass im Gegensatz zum Vorjahr diesmal auch der Breitenauer See ein Ziel ist. Natürlich sind die tropischen Temperaturen ein Thema im Jugendzeltlager des DRK-Kreisverbands Heilbronn in Wüstenrot.

Unter dem Vordach vor der Küche stehen große Behältnisse: Eistee Zitrone, Eistee Rote Beete, kalter Pfefferminztee und kaltes Wasser lassen sich hier in die Becher abzapfen. 255 Liter ist der Tagesverbrauch, wie „Küchenfee“ Nicole Gleichauf erzählt. Dazu bekommt noch jedes Kind zwei Flaschen Mineralwasser pro Tag. Nachmittags gibt’s als Zwischenmahlzeit erfrischendes Obst oder Eis.

Durchzug in den Zelten

Warme Sommer habe es immer wieder gegeben, sagt Brigitte Haaf, die inzwischen im 39. Jahr mit ihrem Mann Gerhard die Freizeit leitet. „Aber dass wir täglich zum Paddeln an den Breitenauer See oder zum Schwimmen ins Freibad können, das haben wir noch nie gehabt“, sagt sie und kann der Hitze einen weiteren positiven Aspekt abgewinnen: „Abends geht es recht zügig ins Bett.“ Im Wald oberhalb des Wüstenroter Freibads ist es kühler als in einer städtischen Häuserschlucht. Alle Zelte könnten vorne und hinten geöffnet werden, sodass immer ein Windchen weht, sagt Brigitte Haaf.

Immer wieder erinnert sie die Schar der 135 Mädchen und Buben zwischen neun und 14 Jahren daran, eine Kopfbedeckung aufzusetzen und sich einzucremen. Zwei Fälle von Hitzeerschöpfungen hat es schon beim Zeltlager gegeben. Nach dem Arztbesuch haben sich die Kinder aber wieder erholt. Gerade spielt eine Gruppe Volleyball. Sport ist in die Morgen- und Abendstunden verlegt worden. Unter zwölf Spiel-, Spaß- und Bastelangeboten können die Mädchen und Jungen an diesem Tag auswählen.

Marie zeigt stolz ihre rechte Hand, die ein Tattoo aus Henna ziert. Das hat sie sich gerade aufmalen lassen. Auf den mittleren Fingern ist „BFF“ zu lesen – Best Friends Forever. Das haben sich Marie und ihre beste Freundin Emily machen lassen. Marie ist bereits von Kindesbeinen an bei der Freizeit dabei, weil ihre Mutter Simone Brasch zum Betreuerstab gehört.

Rouven ist schon ein bisschen traurig. Mit 14 hat er jetzt die Altersgrenze als Freizeitteilnehmer erreicht. „Ich kann ja nächstes Jahr Küki, Küchenhilfe, machen. Ich hoffe, dass ich dann noch mal kommen kann.“ Zum vierten Mal dabei, kennt er viele Teilnehmer und Betreuer. „Es hat immer Spaß gemacht, sonst würde ich die drei Wochen daheim verbringen“, zieht Rouven Bilanz.

Der Oberheinrieter, der Tuba spielt, gehört zum Zeltlager-Orchester, das für den Familiennachmittag am Sonntag ab 14 Uhr rockige und poppige Stücke einstudiert. Zudem hat Rouven noch die Hauptrolle des Henri beim Schauspiel inne. „Eine Reise durch Deutschland“ lautet das Motto der Bühnenshow, bei der jeder mitmacht und für die sich die Gruppen immer viel einfallen lassen. Vom Oktoberfest in München geht es quer durch Deutschland zu Stationen wie dem Leipziger Zoo oder der Elbphilharmonie in Hamburg.

Langeweile kann bei der Freizeit nicht aufkommen, auch wenn das Zeltlager eine handyfreie Zone ist. Und siehe da, der Briefkasten quillt Tag für Tag über, weil die Mädchen und Jungen statt zu whatsappen fleißig Postkarten und Briefe nach Hause schreiben und auch Antwort erhalten. Für die Smartphone-Generation bedarf es allerdings eines Hinweiszettels: Darauf steht, wie man eine Postkarten und einen Briefumschlag beschriftet.

25 Betreuer für 135 Kinder

2018 ist ein Jahr des Wechsels im Jugendzeltlager des DRK-Kreisverbands Heilbronn oberhalb des Wüstenroter Freibads. Denn rund 30 der teilnehmenden Mädchen und Jungen haben im vergangenen Jahr die Altersgrenze von 14 erreicht und können somit in diesem Jahr nicht mehr dabei sein. So hat es Platz gegeben für neue Interessierte, die Warteliste ist abgebaut worden. Um die 135 Kinder, die in 15 Zelten untergebracht sind, kümmern sich 25 Betreuer. Es gibt Betreuer im Praktikum und Küchenkinder. Die Teilnehmer selbst müssen aber auch mit anpacken, beim Küchen- und Toilettendienst. sf

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