Untermünkheim Historischer Spaziergang führt vom Steigenhaus nach Übrigshausen

Frieder Krumrein (links) und Dr. Eberhard Rau (Zweiter von links) zeigen den Spaziergängern Schönschreibblätter von Schülern der ehemaligen Schule in Übrigshausen. Die Gruppe steht vor der Dorfkirche.
Frieder Krumrein (links) und Dr. Eberhard Rau (Zweiter von links) zeigen den Spaziergängern Schönschreibblätter von Schülern der ehemaligen Schule in Übrigshausen. Die Gruppe steht vor der Dorfkirche. © Foto: Corinna Janßen
Untermünkheim / CORINNA JANSSEN 07.10.2014
Eine kleine Gruppe macht sich vergangenen Freitag auf den Weg vom Steigenhaus nach Übrigshausen. Frieder Krumrein und Dr. Eberhard Rau zeigen historische Besonderheiten auf dem Weg.

Seit wann gibt es eine Wirtschaft im Steigenhaus? Wann ist die Ziegelei in Übrigshausen verschwunden? Das sind Fragen, denen die Autoren Frieder Krumrein und Dr. Eberhard Rau in ihrem Buch "Die Geschichte der früheren Gemeinde Übrigshausen" auf die Spur gegangen sind. Beim Ortsspaziergang zwischen Steigenhaus und Übrigshausen entführt das Duo zwölf Teilnehmer in längst vergessene Zeiten.

Erste Station ist die Wirtschaft Steigenhaus. Wann wurde dort wohl das erste Bier ausgeschenkt? Eine Besucherin ist sich sicher: "Das muss doch schon 1600 gewesen sein, als die Leute mühsam die Steige heraufgekommen sind." Ein Blick hinter das Gebäude sorgt für Überraschung. Ums Steigenhaus wurden bis ins Dritte Reich Muschelkalk-Steine gebrochen. Eine Wirtschaft entstand erst um 1838.

Im oberen Steigenhaus habe ein Armenhaus gestanden, erfahren die Zuhörer. Anhand einer Karte kann die Lage noch in etwa nachvollzogen werden. Doch warum gerade im dünn besiedelten Steigenhaus? Auch hierfür gibt es eine Erklärung: Übrigshausen wollte die Armen nicht im Ort. Sie durften nur eine Nacht bleiben, dann mussten sie weiter. Die Bürger hatten Angst, sie weiter versorgen zu müssen. "Das war allerdings überall so", klärt Frieder Krumrein auf.

Ob die Teilnehmer der Hohenloher Sprache mächtig sind, will Krumrein testen. In Siebeneich wird Halt gemacht. Siebeneich? Kommt der Name von sieben Eichen oder etwa sieben Achä - also Augen wie die Hohenloher sagen? "Wie dieser Name entstanden ist, wissen wir nicht", klärt Dr. Eberhard Rau auf. Klar sei, dass Siebeneich keine eigene Gemarkung war, sondern ein Ortsteil von Übrigshausen. Bis 1820 sei er jedoch völlig isoliert vom Kirchdorf gewesen.

Um 1600 gab es die größten Höfe der Gemeinde in Siebeneich. Auch eine Schmiede und eine Schreinerei waren vor Ort. Doch die Pest machte 1730 nicht vor den Toren Siebeneichs halt. Durch einen Glücksfall - ein Dorfhirte hatte sie aufgeschrieben - konnten die Hausnamen wieder gefunden werden, so Krumrein.

Die Ortsspaziergänger erfahren ebenso, dass der Schreinerlehrling Johann Stang im Dorf aufgefallen war. Er hatte gegenüber der Schreinerei ein Auge auf Magdalene geworfen und diese nachts besucht. "Es stand ein Erbsensack auf der Treppe, auf den ist er getreten", erzählt Rau lachend. Samt Erbsen landete Stang geräuschvoll auf der Straße und wurde entdeckt.

Die Autoren erklären zudem, dass das kleine Schulhaus, das nun in neuem Glanz erstrahlt und sich im Besitz von Rau befindet, einst ein Multifunktionsgebäude war. Als Lehrer-, Mesner-, Kleinlandwirts- sowie Pfarrerhaus wurde es genutzt. Es hatte das Plumpsklo in der Küche. Darauf eine Zuhörerin lachend: "Dr. Rau, haben Sie das wieder eingebaut?"

Info Das Buch "Die Geschichte der früheren Gemeinde Übrigshausen mit Steigenhaus, Kupfer, Brachbach, Leipoldsweiler" von Frieder Krumrein, Dr. Eberhard Rau und Andreas Volk ist im Rathaus Untermünkheim erhältlich.

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