Advent Hirten erkennen den Messias

Josef (Wilhelm Volz) und Maria (Isabelle Eklund); im Hintergrund einer der hartherzigen Wirte (Michael Hildenbrand), die den beiden eine Unterkunft verweigern.
Josef (Wilhelm Volz) und Maria (Isabelle Eklund); im Hintergrund einer der hartherzigen Wirte (Michael Hildenbrand), die den beiden eine Unterkunft verweigern. © Foto: Ursula Richter
Frankenhardt / Ursula Richter 22.12.2017

Gehen Sie die Lichter entlang und schnappen Sie sich einen Punsch.“ So werden die Besucher vor den ansonsten dunklen Gebäuden im Ostweg in Honhardt begrüßt.Teelichter in Einmachgläsern stehen rechts und links des Weges über den Hof. Man betritt den Kuhstall, den Veranstaltungsort des Abends. Zuschauer in Jacken, Schals und Mützen wärmen ihre Hände an großen Kaffeetassen mit dampfendem Punsch.

Auf  der Futttertenne ist mit Holzpaletten ein einfaches Bühnenviereck aufgebaut. Im Hintergrund stehen schön gewachsene Christbäume, Weißtannen. Hinter den angrenzenden Futterraufen halten sich die Kühe auf. Sie sind nicht angebunden, einige kommen ab und zu näher und schauen ein bisschen zu. Der Ochs zeigt sich nicht, einen Esel gibt es nicht.

Die Spieler der Kumpanei, der Theatergruppe der Waldorfschule, betreten die Tenne mit dem etwas abgewandelten Segenslied „Unsern Eingang segne Gott…“ auf den Lippen zu ihrem ersten Umzug mit Gesang. Sie folgen dem Sternsinger im weißen goldverbrämten Gewand (Katharina Dittrich), die einen übermannsgroßen Stock, auf dem ein großer fünfzackiger Stern prangt, in der Hand hält.

Rudolf Steiner beeindruckt

Das Oberuferer Christgeburtsspiel geht in Teilen auf das 16. Jahrhundert zurück. Aus dem Salzburger Land vertriebene Protestanten, die sich bei Preßburg angesiedelt hatten, führten Mysterienspiele auf. Deren ursprüngliche, auch bäuerliche Kraft beeindruckte Rudolf Steiner so, dass eine Bearbeitung und Kürzung für die Waldorfschulen entstand. In einem angedeuteten Dialekt, der Züge eines mittelalterlich klingenden Donauschwäbisch trägt, wird in Versen und mit viel Spiel und Gesang die Weihnachtsgeschichte in Bildern dargestellt. Alles dreht sich zunächst um die in Rot und Königsblau gekleidete Maria (Isabelle Eklund). Ihr steht Josef (Wilhelm Volz) fürsorgend zur Seite und bemüht sich, die belastende Situation für seine schwangere Lebensgefährtin erträglich zu machen. Eine relativ große Gruppe stellen drei mehr oder weniger habgierige Wirte dar: „Besetzt isch scho mei Logament…“. Julian Klopfer spielt den wüstesten von ihnen. Das ist insofern ungerecht, als der junge Mann zur Hofgemeinschaft der Demeterhöfe gehört, die der Waldorfschule mit ihrem Singspiel großzügig Obdach gewährt und sie unterstützt.

Die Kinder jubeln

Vier Hirten bilden die Gegengruppe. Sie trotzen mit dicken Schaffellen den Temperaturen draußen auf den Feldern, unterhalten sich und vespern. Die Kinder unter den Zuschauern sind begeistert von den Erdnüssen, die sie ins Publikum werfen. Vor allem Björn Simon als Krispus ­entwickelt sich zum Publikumsliebling. Er stapft wie der Glöckner von Notre Dame über die Bretter. In großen Stiefeln mit einem riesigen zotteligen Fell über den Schultern und einem langen Stock in der Hand, das Gesicht unter einer Fellmütze und einem Umhang verdeckt, grunzt er mehr als er spricht – und die Kinder jubeln.

Die Sicht der Hirten auf das Geschehen dominiert das Spiel. Sie haben ein sicheres Gespür, vertrauen ihren Träumen und erkennen den Messias in dem Baby, das sie beschenken mit dem, was sie haben und was Maria auch gebrauchen kann: Milch, Wolle und ein Lamm. Hier endet das Singspiel. Der Sternsinger wünscht allen eine gesegnete Weihnacht und es gibt den letzten Umgang: „Unsern Ausgang segne Gott…“

Mitwirkende beim Krippenspiel

Sternsinger: Katharina Dittrich
Engel: Alexandra Jackl
Maria: Isabelle Eklund
Josef: Wilhelm Volz
Hirten: Gallus: Sebastian Grohs
Krispus: Björn Simon
Stichl: Carla Lührs  
Wittok: Thorsten Lührs
1.Wirt: Michael Hildenbrand
2.Wirt: Julian Klopfer
Wirtin: Sibylle Schwab
Gitarre: Sebastian Grohs  
Bratsche: Wolfgang H. Kautter

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