Michelbach/Lücke Hier packen viele Hände an

Michelbach/Lücke / LOTHAR SCHWANDT 04.11.2014
Die Renovierung der Michaelskirche in Michelbach/Lücke schreitet zügig voran. Ehrenamtliche Helfer und Handwerker arbeiten derzeit Hand in Hand, damit das Gotteshaus im Advent wieder offen steht.

Risse an der Stuckdecke des Kirchenschiffs und am Torbogen waren schon seit mehreren Jahren Anzeichen dafür, dass sich das Dachgebälk verschoben hatte. Als sich bei einer Bestandsaufnahme zeigte, dass mehrere Tragbalken schadhaft waren, bestand akuter Handlungsbedarf: Das Hängewerk der freitragenden Decke musste überarbeitet werden.

Derzeit ist nicht nur das Schiff, sondern auch der Turm bis zur Spitze eingerüstet, denn auch hier zeigten sich Schäden am Fachwerk.

Stefan Rödel gehört zu den ehrenamtlichen Helfern, die gerade tatkräftig Hand anlegen. Sonst bei der Firma Kärcher mit Hochdruckreinigern beschäftigt, betätigt er hier die Handspritze, um die Tapeten von der Unterseite der Empore zu lösen. "Das ist der perfekte Ausgleich zur Arbeit im Betrieb, und hier helfe ich gerne", sagt er an. Gut 15 Meter höher sind die Stuckateure der Firma Reiss an der Arbeit. Gerhard Reiss erklärt, dass hier ein Blendfachwerk vorhanden war, das aber entfernt und überputzt wird. Auch am Turm wurden einzelne Balken ausgetauscht und der Putz stellenweise angeglichen, bevor zwei Schichten Kalkputz aufgetragen werden. Die Firma Reiss ist nicht nur mit dem Metier vertraut, sondern auch mit dem Michelbacher Kirchturm. "Obwohl der Wind hier oben anders als unten pfeift, hat der Putz gehalten, den bereits mein Großvater hier Ende der 50er-Jahre aufgezogen hat", meint Reiss nicht ohne Stolz. Jasmin Merzihic, aus Bosnien stammend und seit 1992 in der Firma tätig, streicht gerade die Luftauslässe des Glockenstuhls. Ein Gerüststockwerk tiefer arbeitet Siegfried Siegel aus Ruppertshofen.

Handwerkstradition zeigen auch die Kupferverwahrungen und die Turmkugel mit Wetterhahn, mit dessen Anbringung die Flaschnerei Scheu beauftragt ist. Momentan ist die mit neuen Dokumenten und Münzen gefüllte Turmkugel beim Vergolder; sie wird Mitte nächster Woche wieder ihren Platz auf der Kirchturmspitze einnehmen.

Mesner Dieter Andörfer, selbst Handwerker, ist froh, wenn die Gottesdienste wieder in der Kirche gefeiert werden können. "Das Gemeindehaus ist nur ein Notbehelf, und besonders bei Beerdigungen hatten wir Probleme, allen einen Platz anzubieten." Und mit ihm hofft auch Pfarrerin Elke Hahn, im Advent wieder eine Atmosphäre zu schaffen, die einladend ist. Immerhin stammt der letzte Innenanstrich aus dem Jahre 1960; er wirkte matt und vergraut.

Fast täglich schaut Andörfer auf der Baustelle vorbei, besonders bei den Zimmereiarbeiten war er in engem Kontakt mit der Fachfirma aus Biberach/Riß, die neue und alte Balken fachmännisch verbunden hat. Allein die Zimmermannsarbeiten wurden mit 200 000 Euro veranschlagt. Andörfer ist zuversichtlich, dass der Kostenrahmen eingehalten wird. Dabei trägt auch die eigene Gemeinde mit 15 000 Euro ihren Teil bei. Andörfer, selbst Schreinermeister, hat sich einen Clou ausgedacht: Aus dem Altholz "aus garantiert über 300-jähriger Eiche" hat er Kirchenbänke im Maßstab 1:10 gefertigt, die beim Weihnachtsmarkt am ersten Advent verkauft werden, das Stück für 20 Euro.