Der Wolf habe als „Spitzenprädator“ eine Schlüsselfunktion im Ökosystem und gehöre zur heimischen Tierwelt, sagen die Naturschützer. Jäger sehen das mit großer Skepsis, Nutztierhalter sorgen sich um ihre Bestände, Spaziergänger haben Angst. In Baden-Württemberg wurden bislang nur vereinzelt Wölfe gesichtet, aber klar ist: Wölfe machen an Ländergrenzen nicht halt und lassen sich da nieder, wo ihr Tisch reich gedeckt ist und sie auf wenig Widerstand stoßen.

Die Wanderschäferfamilie Voigt aus Michelbach an der Bilz, die auch in Teilen des Limpurger Landes ihre Herden weidet, hat sich auf die Rückkehr des Wolfes vorbereitet. Ihre Herdenschutzhunde sollen, besonders in der Nacht, die Schafe vor den vierbeinigen Jägern schützen. Auf Einladung der Bürgerstiftung Fichtenberg verfolgen am Hang des Viechbergs rund drei Dutzend Interessenten, wie das funktionieren könnte.

Auf dem eingezäunten Grundstück tummelt sich in aller Seelenruhe eine Herde Schafe. Das ändert sich schlagartig, als Daniel und Christine Voigt ihre imposanten weißen Pyrenäenberghunde Ignaz und Dana aus dem Anhänger holen, der den Vierbeinern tagsüber als Ruheraum dient. Auf der Koppel von der Leine gelassen, laufen sie sofort ihr Territorium ab – und die Schafe scheinen sich darüber zu freuen. Schafe und Hunde kennen und mögen sich, sie sind wie Geschwister zusammen aufgewachsen.

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Schutzhunde sind sehr aufmerksam

Pyrenäenberghunde haben andere Eigenschaften und Funktionen als Schäferhunde. Sie wurden gezüchtet, um auf sich allein gestellt Schafe in Bergtälern zu hüten. Sie sind anhänglich, manierlich, aber auch sehr aufmerksam und können Gefahren eigenständig richtig einschätzen. Nähert sich ein Mensch, schaffen sie Abstand zwischen ihm und der Herde und zeigen durch Präsenz und Haltung, wer Herr im Haus ist. Dann warten sie ab, wie sich der Mensch verhält und ob von ihm eine Gefahr ausgeht. Wie gerufen kommen am Weg oberhalb des Geländes zwei Spaziergänger vorbei, sodass die Hunde ihre angezüchteten Wesenszüge gleich an Ort und Stelle zeigen können.

1995 hatten sich die Gemeinden Michelbach und Rosengarten zusammengetan und unterhalb des Buchhorns einen Landschaftspflegehof gebaut. Schäfer Manfred Voigt, dessen Frau aus Ottendorf stammt, folgte dem Ruf und siedelte mit seiner Familie von der Ulmer Alb in die Limpurger Berge um. Sohn Daniel führt die Familientradition fort. Schon lange mache er sich Gedanken darüber, wie er seine 800 Schafe schützen könne, weil es wolf­si­chere Zäune nicht gebe. Er nahm an einem Pilotprojekt des Landes teil, um den Einsatz von Herdenschutzhunden zu erproben. Inzwischen besitzt er sechs. Er sieht die Sache positiv, wenngleich sie für ihn einen erheblichen Mehraufwand bedeutet. Hätten die Schäfer früher von ihren Schafen leben können, so sei heute der Landschaftsschutz zu etwa 70 Prozent ihre Einnahmequelle, klärt Daniel Voigt die Fragesteller auf. Bürgermeister Roland Miola bedankte sich im Namen der Gemeinde für den wertvollen Beitrag der Schäferfamilie Voigt zum Erhalt der Kulturlandschaft.

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