Sommerserie: Autobahn 6 Heftige Kämpfe um den Verlauf der Autobahn

Ein bayerischer Trassenvorschlag für die Autobahn 6 aus dem Jahr 1959: Nördlich von Schrozberg war ein Dreieck mit der späteren Autobahn 7 vorgesehen.
Ein bayerischer Trassenvorschlag für die Autobahn 6 aus dem Jahr 1959: Nördlich von Schrozberg war ein Dreieck mit der späteren Autobahn 7 vorgesehen. © Foto: HT-Archiv
Landkreis Hall / Harald Zigan 01.08.2018
Die Linienführung der A 6 geht auf erste Entwürfe aus dem Jahr 1932 zurück. Beim Feinschliff für die Strecke überrascht Bayern mit einer Variante, die über Schrozberg führt.

Zu den größten Propagandalügen der NS-Diktatur zählt die Mär von den „Straßen des Führers“: Die Autobahnen waren nicht der „Beton gewordene Wille eines Mannes“, wie NS-Funktionäre den angeblichen Ideengeber Adolf Hitler priesen. Etliche Autobahnen existierten bereits in der Weimarer Republik, und auch die ersten Pläne für eine Schnellstraße zwischen Heilbronn und Nürnberg gehen auf das Jahr 1932 zurück.

Nazis konnten auf Pläne für Straße zurückgreifen

Ins Reich der Legenden, die sich bis heute hartnäckig halten, gehört auch die Behauptung, durch den Bau der Autobahnen habe das „Dritte Reich“ nach der seit 1929 tobenden Weltwirtschaftskrise Millionen von Menschen wieder in Lohn und Brot setzen können. Historiker haben inzwischen nachgewiesen, dass über Jahre hinweg maximal 130.000 Arbeiter auf den Baustellen in Deutschland eingesetzt waren.

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Die grundsätzlichen Pläne für eine Verbindung von Heilbronn und Nürnberg lagen also schon in den Schubladen der einschlägigen Behörden, als im Jahr 1935 mit Vermessungsarbeiten im Gelände die Vorarbeit für die Trasse begann.

Drei Jahre später starteten die Bauarbeiten. Im Westen reichte die Strecke von Weinsberg bis nach Schwabbach und im Osten führte die Autobahn einspurig von Nürnberg bis nach Schwabach, als die Arbeiten im Jahr 1941 allesamt aufgrund des Zweiten Weltkrieges eingestellt wurden.

Schon zwei Jahre nach Kriegsende knüpften die bayerischen Behörden wieder an das alte Projekt an und legten im Dezember 1947 einen Entwurf für eine Weiterführung der Strecke von Schwabach bis nach Ansbach vor. Und spätestens im Jahr 1954 war auch in Baden-Württemberg klar, dass die Autobahn quer durch Hohenlohe nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben ist: Das Regierungspräsidium in Stuttgart teilte dem Landratsamt in Crailsheim und den damals noch selbstständigen Gemeinden Lendsiedel, Triensbach, Tiefenbach, Satteldorf, Ellrichshausen und Leukershausen in einem Schreiben mit, dass die auf den jeweiligen Gemarkungen geplante Trasse „von jeglicher Bebauung freigehalten werden muss, da diese nördliche Ost-West-Verbindung an Bedeutung nicht verloren hat und ihr Ausbau in absehbarer Zeit zu erwarten ist“.

Derart schnell mahlen die Mühlen der Bürokratie freilich nicht: Erst im Jahr 1966 wurde die endgültige Trasse der Autobahn 6 durch das Bundesverkehrsministerium festgezurrt. In den Jahren dazwischen herrschte zwischen den amtlichen Planern und etlichen hohenlohischen Kommunen allerdings ein Hauen und Stechen um die Linienführung. Jedem weitsichtigen Kommunalpolitiker war schließlich klar, welche Vorteile eine solche internationale Straße für die künftige Entwicklung einer Gemeinde mit sich bringt.

So pochte der damalige Crailsheimer Bürgermeister Hellmut Zundel, der erst nach der Gemeindereform 1972 zum Oberbürgermeister einer „Großen Kreisstadt“ avancierte, vehement auf eine Trasse, die weitaus näher an seine Stadt herangerückt wäre und unweit von Tiefenbach zunächst den Schmiedebach und dann das Jagsttal nahe der Weidenhäuser Mühle mit Brücken überquert hätte.

Bayerischer Alternativplan entsetzt Politiker

Was die Planungsarbeiten nicht gerade einfacher machte: Der Freistaat Bayern hatte bei der Trasse für die A 6 ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Baden-Württembergische Politiker fielen aus allen Wolken, als das Autobahnamt in Nürnberg im Jahr 1959 einen alternativen Plan publik machte, den die bayerischen Politiker zunächst sehr goutierten: Die A 6 sollte demnach von Künzelsau zu einem Autobahndreieck bei Schrozberg geführt und dann über Creglingen an die spätere A 7 angedockt werden (siehe Karte). Schwäbisch Hall und Crailsheim wären bei dieser Variante im Verkehrsschatten verschwunden.

Die „Schrozberger Linie“ verschwand letztlich wieder in den Schubladen. Dafür tauchten neue Hindernisse auf: Die Enttäuschung in Hohenlohe war riesig, als 1970 die Finanzierungspläne für die A 6 ins Stocken gerieten und die Bodensee-Autobahn von Stuttgart nach Singen den Vorzug erhielt. Der Haller Landrat Roland Biser wetterte über diese „Tragödie“, dass es von den Politikern aufrichtiger gewesen wäre, Hohenlohe zum Naturschutzgebiet zu erklären...

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