Als erster Redner beim 3. World Organic Forum zeigt sich der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) überzeugt, dass auch die konventionelle Landwirtschaft lernen müsse und Methoden des ökologischen Landbaus anwenden sollte. Diese Synthese zu schaffen, sei allerdings „eine Herkulesaufgabe“. „Wir haben im Land den höchsten Anteil an Bio-Betrieben in Deutschland“, so Hauk. Diese elf Prozent seien im Vergleich mit anderen Ländern zwar immer noch wenig, aber es sei ein Wachstum zu beobachten. „Immer mehr Landwirte merken, dass man mit Bio Geld verdienen kann“, so der Minister. Bio sei ein Kaufanreiz, Verbraucher würden immer bewusster einkaufen und essen.

Die Frage der Bewirtschaftung der Zukunft müsse geklärt werden, ganz ohne ideologische Scheuklappen. Man dürfe aber nicht unterschätzen, dass mit der Umstellung auf Bio auch mit einem Umsatzeinbruch für die Landwirte zu rechnen sei. Hauk stellt die Zahl von 50 Prozent in den Raum und ruft damit Prof. Hartmut Vogtmann, einen Wegbereiter des ökologischen Landbaus in Deutschland, auf den Plan: „Das stimmt so nicht. Es kommt auch immer auf die Region an. Ich habe Projekte in Südamerika begleitet, wo der Ertrag durch ökologische Bewirtschaftung enorm gesteigert werden konnte.“

Einsatz von Pestiziden

Im Gespräch mit Walter Döring – der ehemalige Wirtschaftsminister sitzt auch im Aufsichtsrat der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft – stellt Hauk aber klar, dass es nicht ausschließlich um Bio gehen dürfe. „Für nachhaltige Landwirtschaft braucht es einen guten Mix aus Öko und konventionell“, so der Minister. Genetische Veränderungen durch externe Arten halte er für grundsätzlich falsch. Man werde aber auf gewisse Pestizide und Fungizide nicht verzichten können: „Kulturpflanzen sind anfällig. Deren Schutz wird man nicht ganz ohne hinbekommen.“

Nachdem Hohenlohe vom Land den Förderstatus einer Bio-Musterregion erhalten hat, will Döring wissen, was sich die Landesregierung von diesen Regionen erhofft. „Wir wollen die Vernetzung der Erzeuger stärken. Auch das Marketing ist ein Thema. Da besteht Handlungsbedarf“, so Hauk. „Als Zielsetzung würde ich mir wünschen, dass das ganze Land eine einzige Bio-Musterregion ist.“

Zum Abschluss spricht sich der Minister noch für die sogenannte flächengebundene Tierhaltung aus. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft dürfen so auf einem Betrieb nicht mehr Tiere gehalten werden, als durch die betriebseigenen Flächen ernährt werden können. Dadurch sollen Futtermitteltransporte und ein übermäßiger Anfall an Wirtschaftsdünger vermieden werden. „Dafür gibt es sogar Applaus von Herrn Vogtmann“, sagt Döring – und bedankt sich beim Minister für das Gespräch.