Landkreis Hartz-IV-Empfänger: Hausbesuche bei Problemfällen

Ein-Euro-Jobber setzen Display-Haftnotizhefte zusammen und verpacken diese zu je 280 Stück in Kartons. Diese Beschäftigungsform bietet Arbeitslosen einen Weg zurück in die Arbeitswelt. Archivfoto: Marc Weigert
Ein-Euro-Jobber setzen Display-Haftnotizhefte zusammen und verpacken diese zu je 280 Stück in Kartons. Diese Beschäftigungsform bietet Arbeitslosen einen Weg zurück in die Arbeitswelt. Archivfoto: Marc Weigert
SIGRID BAUER 21.01.2014
Die positive Wirtschaftslage hat 2013 zu einem leichten Rückgang von Hartz-IV-Empfängern geführt. Gute Erfahrungen macht das Jobcenter mit Sozialarbeit vor Ort bei schwierig zu vermittelnden Personen.

Die gute Konjunktur hat aber auch dazu geführt, dass das Jobcenter weniger Geld vom Bund bekommen hat. Die Einrichtung ist für jene Arbeitslosen zuständig, die keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld haben, sondern die sogenannte Grundsicherung (Hartz IV) erhalten. "Wir hatten 2013 fast 900000 Euro weniger als 2012 für Fördermaßnahmen zur Verfügung", stellte der Geschäftsführer des Haller Jobcenters, Roland Rößler, in der letzten Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses des Kreistags im alten Jahr fest.

Wegen des guten Arbeitsmarkts seien viele arbeitsuchende Fachkräfte untergekommen, so dass die Quote der Leistungsempfänger nach dem Sozialgesetzbuch II (das entspricht den Hartz-IV-Empfängern) bei rund 1,8 Prozent lag. Zusammen mit den Beziehern von Arbeitslosengeld hat der Landkreis 2013 damit eine Arbeitslosenquote von unter drei Prozent. "Da sprechen manche Leute von Vollbeschäftigung", stellte Rößler auf Nachfrage fest.

Schwieriger seien jene Personen zu vermitteln, die keine Ausbildung haben. Auch schwierige Rahmenbedingungen (wie bei Alleinerziehenden) oder neben der Arbeitslosigkeit noch weitere Probleme wie Sucht oder Schulden erschwerten die Vermittlung, erklärte der Arbeitsmarktexperte.

Hier liegen die Arbeitsschwerpunkte des Jobcenters. Er bemühe sich, mehr Arbeitgeber für Teilzeitausbildungen zu gewinnen. "Das ist für Alleinerziehende wichtig. Mit dem Jugendamt kooperieren wir, um die Kinderbetreuung in den Randzeiten zu verbessern", schilderte Rößler. Das Jobcenter übernimmt bei geeigneten Personen Weiterbildungen und Umschulungen, um sie besser vermitteln zu können. Manchen Arbeitslosen weist das Jobcenter zunächst sogenannte Ein-Euro-Jobs zu, um ihnen Grundlagen wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit nahe zu bringen.

Ein Extra-Team sei zuständig für junge Erwachsene unter 25, um sie in Ausbildung und Arbeit zu bringen. "Da kommt es vor, dass die Kunden sich erst einer Suchttherapie unterziehen oder eine Haftstrafe absitzen müssen", weiß Rößler. Auch für ältere Arbeitsuchende gibt es ein spezielles Programm, das der Bund unterstützt.

Insgesamt hat sich die Zahl der Haushalte mit mindestens einem Hartz-IV-Empfänger - in der Amtssprache heißen sie "Bedarfsgemeinschaften" - nach der Wirtschaftskrise 2009 deutlich verringert. Im Januar 2013 lag sie bei 3151, im Juli bei 3047, für das zweite Halbjahr fehlen die Werte noch. In den Bedarfsgemeinschaften lebten 2013 rund 5800 bis 6000 Personen, knapp 70 Prozent bezogen Hartz IV, die restlichen 30 Prozent- überwiegend Kinder - bekommen Sozialgeld. Aus dem Bildungs- und Teilhabe-Paket des Bundes vergibt das Jobcenter Zuschüsse, damit Kinder aus Hartz-IV-Familien etwa an Klassenfahrten teilnehmen oder Mitglied in einem Sportverein sein können. Bis zum Oktober hat das Amt 2013 fast 900 Anträge bewilligt.

Seit 2011 erprobt das Jobcenter in Kooperation mit dem Landkreis einen neuen Weg, um mit schwieriger Klientel in Kontakt zu kommen: Eine Mitarbeiterin sucht die Menschen zu Hause auf. Gründe sind etwa, dass der Arbeitslose nicht zu vereinbarten Terminen ins Jobcenter kommt. Weiterere Gründe sind, dass er wegen einer Lernbehinderung nicht in der Lage ist, Probleme selbst anzugehen oder wegen Wohnungsnot oder Verschuldung überfordert ist. Das Angebot komme sehr gut an, berichtete Rößler. Gleichzeitig helfe die Sozialarbeiterin, den Klienten an geeignete Beratungsstellen weiterzuleiten. "Wir merken: Bei einem zunehmend problematischen Kundenstamm und gleichzeitig guter Konjunktur bedarf es eines solchen Instruments." Roland Rößler appellierte an die Mitglieder des Ausschusses, im Kreistag für die Weiterführung, wenn nicht sogar für die Intensivierung des Projekts einzustehen.

Wie das Jobcenter Arbeitslose unterstützt