Das erste von acht HT-Kommunalwahlforen findet am Donnerstagabend in einer Gemeinde statt, die unmittelbar vor einem Neuanfang steht. In Rosengarten wird am 26. Mai nicht nur ein neuer Gemeinderat, sondern auch ein neuer Bürgermeister gewählt. „Alles hat seine Zeit“, sagt der scheidende Amtsinhaber Jürgen König. Bei Amtsantritt 1988 sei er der jüngste Bürgermeister im Landkreis gewesen, heute ist er der dienstälteste. Eigentlich hätte die Amtszeit des 57-Jährigen erst am 16. April 2020 geendet, doch König entschied sich für einen früheren Rücktritt: Ich wollte, dass sich mein Nachfolger gemeinsam mit dem neuen Gemeiderat einarbeiten kann, begründet König seine Entscheidung. Rund 120 Besucher sind ins Uttenhofener Rathaus gekommen, um sich einen Eindruck von den Kandidaten zu verschaffen. 18 Männer und 5 Frauen bewerben sich um insgesamt 18 Plätze im Gemeinderat. Unter ihnen befinden sich etliche neue Gesichter, zum Beispiel der Vereinsvorsitzende des SV Rieden Alexander Weger, Landschaftsbau-Unternehmer Claus Heckenberger sowie zwei Frauen, die vorn auf dem Podium stehen: Bäckerei-Geschäftsführerin Nicole Gräter-­Held und Bankkauffrau Elisabeth Kristen.

HT-Wahlforum in Stimpfach Zwei Listen mit einem Ziel

Stimpfach

Zwei Listen, keine Konkurrenz

Nicole Gräter-Held vertritt beim Wahlforum gemeinsam mit Martin Melber  die „Demokratische Wählervereinigung“ und Elisabeth Kristen mit Peter-Otto Reutter „Zusammenarbeit“. Die beiden Listen gebe es in Rosengarten bereits seit Jahrzehnten, doch Abstimmungszwänge habe es bis auf eine Ausnahme nie gegeben, sagt Melber, der schon seit 25 Jahren im Gemeinderat sitzt. Man sehe sich nicht als Kontrahenten, denn in der Kommunalpolitik sollte es immer um die jeweiligen Sachfragen gehen, ergänzt Reutter. Dafür steht allein schon die Sitzordnung im Gemeinderat, die sich eben gerade nicht an der Listenzugehörigkeit orientiert.

Reichlich gestritten hatten die Rosengartener Räte in den vergangenen Jahren über den Bau einer Sporthalle – auch beim Wahlforum wird das Thema wieder intensiv diskutiert. Zwar hat der Gemeinderat dem Bau einer 1,16 Millionen Euro teuren reinen Ballsporthalle im Zentrum von Westheim bereits im Grundsatz zugestimmt, allerdings in der Hoffnung, dass die Gemeinde die Kosten nicht allein tragen muss. Mittlerweile wurden jedoch zwei Fördermittelanträge abgelehnt – die Zukunft des Projekts scheint fraglich. Martin Melber spricht sich dafür aus, die Halle in jedem Fall zu bauen, da sie die beiden großen Fußballvereine SV Westheim und SV Rieden dringend benötigen. Peter-Otto Reutter hingegen lehnt eine reine Fußballhalle selbst dann ab, wenn die Gemeinde einen Großteil der Kosten nicht selbst tragen müsste. Eine Halle, die für die klassische Freiluftsportart Fußball nur in der kalten Jahreszeit benötigt wird, mache keinen Sinn, begründet er. Später melden sich auch mehrere Bürger zum Thema Halle zu Wort, unter anderem Heinz Hartmann, Jugendleiter beim SV Westheim. Die Rosengartener Fußballvereine würden die Halle auch deshalb benötigen, damit sie sportlich nicht noch weiter abgehängt werden. In Ilshofen zum Beispiel, wo seit vielen Jahren reichlich Hallenkapazitäten zur Verfügung stehen, werde deutlich höherklassig gekickt.

Auch zur kürzlich getroffenen Gemeinderatsentscheidung, in den Ortsdurchfahrten von Westheim und Uttenhofen die zulässige Höchstgeschwindigkeit nur nachts auf Tempo 30 zu reduzieren, sorgt nach wie vor für Kontroversen. „Tempo 30 rund um die Uhr hätte mehr Sicherheit und weniger Lärm gebracht“, bedauert Martin Melber den Beschluss. Peter-Otto Reutter hingegen hätte gern Tempo 50 komplett beibehalten: „Ich halte nichts von Verbotspolitik. Wir sind mündige Bürger.“ Die Frauen auf dem Podium finden die getroffene Kompromisslösung gut: „Ich habe große Sorge, meine vier Kinder wegen des Verkehrsaufkommens überhaupt in Richtung B 19 laufen zu lassen. Aber man muss auch an die vielen Pendler denken“, sagt Nicole Gräter-Held.

Neuer Supermarkt nötig?

Das Thema Grundversorgung treibt die Kandidaten ebenfalls um. Falls sich Rewe wie angekündigt 2021 aus dem Nahkauf in Westheim zurückzieht, gäbe es in Rosengarten mit dem Netto in Uttenhofen nur noch einen Lebensmittelmarkt. Reicht ein kleiner Nachfolgemarkt im Nahkauf aus oder sollte man den Weg für einen neuen, großen Supermarkt auf dem Reutter-Areal frei machen? „Die Kaufanfrage von Rewe liegt vor, aber jetzt ist es zunächst am Gemeinderat, einen Bebauungsplan aufzustellen“, sagt Peter-Otto Reutter. Später beim Wahlforum sprechen sich mehrere Bürger neben dem Supermarkt für eine Wohnbebauung auf dem Areal aus.

In die Breite könne Rosengarten kaum noch wachsen, deshalb sei Nachverdichtung in den Ortskernen wichtig, sagt Bürgermeister Jürgen König. In Sachen Einwohnerzahl von derzeit knapp über 5000 könne Rosengarten kaum noch zulegen, in Sachen Wirtschaft nur im gemeinsamen Gewerbegebiet mit Hall und Michelfeld. Man sollte bei der Gemeindeentwicklung auf Qualität, nicht auf Quantität setzen, so der scheidende Bürgermeister.

Was sollte in Rosengarten in den nächsten fünf Jahren unbedingt getan werden, möchte Chefredakteur Marcus Haas wissen. Elisabeth Kristen nennt mehr Angebote für Jugendliche und den Erhalt von landwirtschaftlichen Flächen. Martin Melber zählt die Einrichtung einer Schulmensa, Investitionen ins Westheimer Ladenzentrum und den Kauf einer der leerstehenden Gaststätten durch die Gemeinde auf. Diese könnte dann günstig verpachtet werden und für ein lebendigeres Gemeindeleben sorgen.

Nicole Gräter-Held möchte die Infrastruktur erhalten und optimieren und dafür sorgen, „dass in Rosengarten weiter alle an einem Strang ziehen“. Peter-Otto Reutter nennt unter anderem eine bessere Breitbandversorgung und mehr ökologische Maßnahmen. Ein Beispiel: die Renaturierung des Sanzenbachs.

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