Fischmarkt Hamburger Fischmarkt: Ein guter Platz für die Marktschreier

Crailsheim / HAZ/MLL 20.04.2015
Fischmarkt: Die Händler aus dem hohen Norden kommen liebend gerne in den Süden nach Crailsheim – hier sitzt der Geldbeutel locker und das Publikum honoriert die Verkaufsshow.

Rauh, aber herzlich - die in zahllosen Verkaufsschlachten gestählten Marktschreier geben auch bei ihrem Fischmarkt-Gastspiel in Crailsheim ihr Bestes. Da dürfen dann die Späße und Sprüche auch mal knapp oberhalb der Gürtellinie liegen - dem Publikum gefällt's und lacht auch herzhaft mit, wenn sich die bärbeißigen Jungs gegenseitig (und lautstark) beharken.

Auf dem Rathausplatz laufen die Profis ohnehin zur Hochform auf. Denn die Station in Crailsheim ist bei der bundesweiten Tour der Händler überaus beliebt. Hier sitzt nämlich der Geldbeutel weitaus lockerer als im hohen Norden. Der Veranstalter Thorsten Mey aus Osnabrück, der mit seiner Truppe jährlich in 40 Städten mit Fisch und sonstigem Meeresgetier ein hanseatische Flair verbreitet, kennt die Umsatzzahlen: "Unter den 40 Städten liegt Crailsheim hier auf einem der ersten zehn Plätze." Da können dann schon mal 1000 Kilogramm Fisch über den Tresen gehen - an einem einzigen Stand, wohlgemerkt.

Einen weiteren Vorzug des Südens preist Robert Malkowski, ein echter "Hamburger Junge", der im Winter tatsächlich auch auf dem Fischmarkt in Hamburg-Altona sein Geld verdient und beim Fischmarkt als "Wurst-Herby" seine Qualitäten als Verkaufskanone in Sachen Salami, Mettwurst & Co. unter Beweis stellt: "Bei euch in Süddeutschland ist immer schönes Wetter." Der Mann muss es wissen: Schon seit 31 Jahren tingelt er quer durch die Republik.

Allein die schiere Masse macht's, dass Wurst nebst Fisch und Käse zu sagenhaft günstigen Preisen unter das Einkaufsvolk gebracht werden kann. Thorsten Mey zum Beispiel schließt in jeder Saison einen Liefervertrag über 80 Tonnen Wurst mit einem Fabrikanten ab. Und es gibt auch keinen Zwischenhandel, der die Preise trübt.

Einen festen Stammplatz im Crailsheimer Terminkalender dürfte der Fischmarkt künftig nicht mehr haben: Im Oktober ist der Organisator anderweitig gebunden, deshalb rückte die Truppe heuer schon im Frühling an. Für Andreas Manthey, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Crailsheim. bleibt das Spektakel aber ein wichtiger Baustein für die verkaufsoffenen Sonntage in der Stadt. Goldrichtig mit der Terminierung des Behördenflohmarkts lag auch dessen Organisatorin Elfriede Kohr: Großer Andrang herrschte gestern bei den 50 Händlern auf dem Parkplatz von Finanzamt und Amtsgericht.

Der Fischmarkt ist laut, Bananen und Würste werden einem regelrecht um die Ohren gepfeffert. Wem hier das Getümmel am Sonntag zuviel wurde, konnte sich in die Läden der verkaufsoffenen Innenstadt retten und entspannt auf der Wilhelm- und Karlstraße bummeln, aus denen der Verkehr an diesem Tag verbannt war. "Den verkaufsoffenen Sonntag in Crailsheim finde ich super", sagt Karin Müller aus Satteldorf. Zusammen mit Freundin Franka Otto aus Crailsheim genossen die Beiden das fabelhafte Frühlingswetter. "Man hat einfach mal die Möglichkeit. ohne Stress durch die Stadt zu laufen und einzukaufen", sagt Franka Otto. "Besonders nach dem Geschrei auf dem Fischmarkt ist es eine Wohltat, sich in der Innenstadt entspannt am Straßenrand zu unterhalten", wie die beiden Frauen unisono sagen.

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