Museum Haariges und Rares aus alter Zeit

Rot am See / Birgit Trinkle 07.07.2018

Eine Locke als Liebespfand ist ein uraltes Motiv. Romantischer geht’s kaum. Wer nun auf die Idee kommt, aus der Bürste gepflücktes Haar sei ein nettes Geschenk, erntet mit gutem Grund befremdete Blicke. Das geht nämlich besser, wie ein Blick ins Reubacher Heimatmuseum zeigt. Es gab eine Zeit, da war Haarschmuck todschick – also nicht Dinge, die ins Haar gesteckt werden, sondern aus Haaren geflochtene Ohrringe, Armbänder, Hals- und Uhrketten. Da wurde geklöppelt und geflochten, was das Zeug hielt, und Erika Kuhnert hat ausnehmend schöne Exemplare vorzuzeigen.

In einer neuen Zeit

Eigentlich ist es die Sammlung der „Buscha-Maadli“, wie sie immer wieder betont. Maria und Martha Busch haben das Museum in der alten Dorfschule gegründet und zu ihrem Lebenswerk gemacht. Vor allem Maria Busch konnte ihre Arbeit im Rathaus und später in der Sparkasse nutzen, Dinge zu retten, deren Wert damals niemand sah –  angefangen bei Feierabendziegeln bis hin zu Hausrat und Möbeln aus mehreren Jahrhunderten. Wer vor 20 oder auch vor 40 Jahren die mit Hunderten Ausstellungsstücken bis in den letzten Winkel vollgestopften Museumsräume gesehen hat, kann kaum glauben, was sich im Zuge des Umbaus und der Neugestaltung nach dem Tod der Schwestern Busch und unter anderem  dank ihrer Erbschaft verändert hat. Als das Haus 2017, nach einer 380 000-Euro-Investition, wieder oder besser neu eröffnet wurde, zeigte sich ein modernes Museum, das nur einen Bruchteil der Sammlung zeigt, diese ausgewählten Exponate aber ansprechend präsentiert.

Den letzten Wunsch der Gründerinnen erfüllend, bietet das Ehepaar Kuhnert, das schon sehr lange mithilft, Führungen an. Erika Kuhnert zieht alle Register: Sie singt mit ihrer schönen Altstimme den Gassenhauer vom Lumpen-, Knochen-, Eisen- und Papiersammler, um das Recycling-Konzept der Altvorderen zu erklären, und sie lässt ihre Besucher alte Redensarten selbst erklären. Zu den Formen für die Rosenküchle hat sie ein Rezept der Landfrauen („Weißwein statt Milch“). Kein Stück, zu dem ihr nichts einfällt. Bedeutungsschwere Samtbänder am Rock, der „Himmel“ überm Bett, der verhindert, dass getrockneter Mist zwischen den darüber liegenden Holzdielen dem Bauern aufs Kissen rieselt, oder die Geheimverstecke der Hausherrin sind der Stoff aus dem gute Geschichten gemacht sind. Dann die Dinge, die selbst Geschichte sind, weil sie von einer fast vergessenen Zeit zeugen: Flachsbrecher und Buttermodel, die Fayencen derer, die vom Porzellan nur träumen konnten, die Arche Noah im Uralt-Klassenzimmer oder der Arzneischrank mit seinen Salben und Tinkturen. Es gibt so viel zu erzählen, das anzuhören sich lohnt.

Info Jeden ersten Sonntag im Monat ist das Heimatmuseum in Reubachs Ortsmitte, gegenüber der Kirche, von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Anmeldungen für Führungen auch unter der Woche bei Familie Kuhnert, Telefon 0 79 58 / 5 27.

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