Waffenrecht Guter Schutz ist das A und O

Waffen müssen sicher aufbewahrt werden.
Waffen müssen sicher aufbewahrt werden. © Foto: dpa
Landkreis Hall / Norbert Acker 22.07.2017
Im Landkreis sind 18 793 Schusswaffen registriert. Waffenbesitzer sind für die ordnungsgemäße und sichere Aufbewahrung verantwortlich.

Erst vor kurzem ist im nordrheinwestfälischen Herne in eine Halle eingebrochen worden, in der zwei Schützenvereine untergebracht sind. Die Einbrecher sind zielgerichtet vorgegangen und haben einige Waffen erbeutet. Das beschäftigt auch die Schützenvereine im Landkreis Hall sowie die Behörden, die für die Überwachung des Waffenbesitzes zuständig sind.

Vorgaben einhalten

„Zum Schutz der Allgemeinheit ist es erforderlich, die genauen Vorgaben der Aufbewahrung gemäß des Waffengesetzes einzuhalten“, sagt dazu Christina Ilg-Müller von der Pressestelle des Landratsamts. Das Ordnungsamt des Kreises überwache die 1938 Waffenbesitzkarten in den Kreisgemeinden und den kleineren Städten. Zwei Mitarbeiter seien mit der Kontrolle betraut, so Ilg-Müller. „Für die Erteilung einer waffenrechtlichen Erlaubnis sind die jeweiligen Waffenbehörden unter Berücksichtigung des Wohnortes zuständig. Die Stadt Crailsheim und die Stadt Schwäbisch Hall haben eine eigene Waffenbehörde.“

Zum 30. Juni sind im Zuständigkeitsbereich des Landkreises insgesamt 12 969 erlaubnispflichtige Waffen registriert worden. Auf einer Waffenkarte können bis zu acht Waffen eingetragen werden. Manche Schützen, Jäger oder Waffensammler haben aber auch mehrere Karten. Daher gibt es wesentlich mehr registrierte Waffen als Waffenbesitzkarten. Um was für Waffen es sich im Einzelnen handelt, kann Ilg-Müller aber nicht sagen: „Eine differenzierte Auflistung der Waffenmodelle ist nicht möglich.“ Es bestehe auch ein großer Unterschied zwischen Waffenbesitzkarte und Waffenschein (siehe Infokasten).

Manfred Gentner, Fachbereichsleiter Bürgerdienst und Ordnung der Stadt Schwäbisch Hall, rät Waffenbesitzern: „Scharfe Waffen sind nie ganz sicher. Eine gute Einbruchssicherung ist besonders wichtig.“ Gegebenenfalls könne man sich von der Polizei beraten lassen, sekundiert  Michaela Butz, Pressesprecherin der Stadt Crailsheim. „Grundsätzlich werden Waffenschränke mit elektronischer Schließung mit Zahlenkombination empfohlen.“ Dadurch entfalle ein Schlüssel.

Höchstmaß an Sicherheit

Die Schützen im Landkreis sind sich ihrer Verantwortung bewusst. „Wie alle verantwortungsbewussten Waffenbesitzer in Deutschland sichern unsere Schützen ihre Waffen im dafür vorgesehenen Waffenschrank“, sagt  Kathrin Hochmuth, Referentin für Sport und Schulung beim Württembergischen Schützenverband. „Ein korrektes Einhalten der gesetzlichen Vorschriften trägt dazu bei, ein Höchstmaß an Sicherheit zu erreichen.“ Lisa Cath­rin Schreiner, Kreisoberschützenmeisterin im Schützenkreis Schwäbisch Hall, ergänzt: „Die vorschriftsmäßige Aufbewahrung wird durch die zuständigen Behörden kontrolliert.“ Die gesetzlichen Forderungen zur Aufbewahrung seien enorm und zum 6. Juli noch einmal durch eine Gesetzesänderung gestiegen. „Sportschießen ist ein recht kostenintensiver Sport, die Aufbewahrung nimmt dabei einen erheblichen Teil der Einstiegsinvestitionen in Anspruch“, so Kathrin Hochmuth. Über Vorkommnisse wie in Herne werde in Schützenkreisen offen diskutiert. In Seminaren werde das Thema Waffenschutz regelmäßig aufgegriffen.

Keine absolute Sicherheit

„Unsere Schützen sichern ihre Waffen in Tresoren mit verschiedenen Sicherheitsstufen“, bestätigt auch Kreisoberschützenmeister Frank Schürger vom Schützenkreis Crailsheim. Diese Stufen seien abhängig von der Anzahl der Waffen und der Waffengattung – ob Kurz- oder Langwaffen. Bis zu 1000 Euro könne so ein Tresor kosten. „Eine absolute Sicherheit wird es aber nie geben, mit keiner Lösung“, so Schürger. „Das Böse schläft nie.“ Im Landkreis seien ihm aber aktuell keine Einbrüche in hiesige Schützenheime bekannt.

Für den Schutz der eigenen Waffen sei jeder Jäger selbst verantwortlich, sagt Julia Winterfeldt, stellvertretende Kreisjägermeisterin in der Jägervereinigung Schwäbisch Hall. „Es werden auch regelmäßig von den Behörden unangekündigte Kontrollen gemacht.“ Eine zentrale Aufbewahrung von Waffen  wie in der Herner Halle komme für Jäger aber eh nicht in Frage. „Wir müssen ja auch manchmal schnell raus ins Revier“, so Winterfeldt. Die Waffen müssten also im Haus des Jägers gesichert untergebracht werden.

Rechtliche Voraussetzungen für den Waffenbesitz

Ein Waffenschein berechtigt den Inhaber, eine scharfe Waffe zu führen. Ein Waffenscheininhaber darf beispielsweise mit einer geladenen Waffe im Auto fahren. Waffenscheine werden laut Ordnungsamt des Landkreises Schwäbisch Hall allerdings nur selten ausgestellt.

Eine Waffenbesitzkarte ist das, was beispielsweise Sportschützen haben. Sie berechtigt, eine Waffe und die dafür bestimmte Munition zu kaufen und die Waffe „zum vom Bedürfnis umfassten Zweck“ zu nutzen, zum Beispiel für das Sportschießen. Sportschützen dürfen Waffen nur in einem verschlossenen Behältnis, ungeladen und von der Munition getrennt transportieren, allerdings nur zu dem „vom Bedürfnis umfassten Zweck“ – also zum Schützenverein oder zu Wettkämpfen.

Der kleine Waffenschein berechtigt zum Führen von erlaubnisfreien Waffen mit dem sogenannten PTB-Siegel. Hierbei handelt es sich um Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffen. Der große Waffenschein hingegen wird für das Führen von „erlaubnispflichtigen“, scharfen Waffen benötigt.

Gemäß den gesetzlichen Vorgaben ist Voraussetzung für die Erteilung eines kleinen Waffenscheines die Volljährigkeit sowie die Zuverlässigkeit gemäß Paragraf 5 des Waffengesetzes und die „persönliche Eignung“ gemäß Paragraf 6 desselben Gesetzes.

Für die Erteilung eines großen Waffenscheins müssen die Voraussetzungen gemäß Paragraf 4 des deutschen Waffengesetzes erfüllt sein: Volljährigkeit sowie die erforderliche Zuverlässigkeit, persönliche Eignung, erforderliche Sachkunde und ein nachzuweisendes Bedürfnis – alles nach den Vorgaben der Paragrafen 5 bis 8 des Waffengesetzes. Zusätzlich muss glaubhaft nachgewiesen werden, dass der Antragsteller wesentlich mehr als die Allgemeinheit durch Angriffe auf Leib oder Leben gefährdet ist und dass der Erwerb einer Waffe und der Munition geeignet und erforderlich sind, diese Gefährdung zu mindern. noa