Guter Geist als frischer Wind fürs Leben

"Der Rhythmus des Ein- und Ausatmens begleitet uns - wie unser Herzschlag - unser Leben lang", schreibt Pfarrer Ulrich Wildermuth in seiner Betrachtung. Privatfoto
"Der Rhythmus des Ein- und Ausatmens begleitet uns - wie unser Herzschlag - unser Leben lang", schreibt Pfarrer Ulrich Wildermuth in seiner Betrachtung. Privatfoto © Foto: MAYERSHOFER_J
JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (WEST-ÖSTLICHER DIWAN) 23.05.2015
Gedanken zum Sonntag von Pfarrer Ulrich Wildermuth von der evangelischen Kirchengemeinde Alten- münster

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: Die Luft einziehn, sich ihrer entladen. Jenes bedrängt, dieses erfrischt; so wunderbar ist das Leben gemischt. Du danke Gott, wenn er dich presst, und dank' ihm, wenn er dich wieder entlässt.

Im Normalfall nehmen wir ihn gar nicht wahr: unseren Atem. Wir spüren ihn nur, wenn wir uns anstrengen und keuchen müssen, wenn wir nach Luft ringen oder wenn uns wegen einer Erkältung das Atmen schwerfällt. Der Rhythmus des Ein- und Ausatmens begleitet uns - ähnlich wie unser Herzschlag - unser Leben lang. Erst im Tod hört das Atmen auf, so wie auch unser Herz dann nicht mehr schlägt. Es gibt richtiges und falsches Atmen. Eine ruhige, tiefe Zwerchfellatmung will geübt und gelernt sein. Unser ganzes Leben kann dann gesammelter und konzentrierter werden.

In der russisch-orthodoxen Kirche gibt es die schöne Übung des Herzensgebets. Einfache, kurze Worte werden da beim Ein- und Ausatmen gebetet, so lange, bis sie ganz verinnerlicht sind. Das Gebet soll so mit mir verbunden werden und mich beständig begleiten wie der eigene Atem.

So können wir etwa beim Einatmen beten: "Jesus, du lebst!" - und beim Ausatmen: "Erbarme dich unser!" - Jesus kommt uns dadurch auf leibliche Weise nahe.

In der Bibel wird für den Geist Gottes ein Wort gebraucht, das bedeutet sowohl im Griechischen als auch im Hebräischen soviel wie "Windhauch" und "Atem". Damit verbindet sich auch der alte Schöpfungsbericht, dass Gott den Menschen aus einem Erdenkloß geformt hat und ihm dann seinen Atem in die Nase geblasen hat.

Der Heilige Geist ist also die Kraft Gottes, welche lebendig macht und die uns pulsierend durchs Leben trägt.

Und Jesus, der Auferstandene, hat diesen Atem seinen Jüngern zugesprochen: "Friede sei mit euch! Nehmt hin den Heiligen Geist."

Diese Gabe, diese Kraft und diesen Tröster feiern wir jedes Jahr an Pfingsten, am Geburtstag der Kirche.

Ich wünsche Ihnen für Ihr Leben und für Ihren Glauben diesen guten Geist - als frischen Wind, der Sie in Bewegung bringt, und als langen Atem, der Ihnen Geduld schenkt in den Mühen des Alltags.