Crailsheim Gut gerüstet für die Zukunft

Bei der Sanierung des Olympia-Wohnhochhauses in München erneuerte Zuber von 2011 bis 2012 die  komplette Fassade.
Bei der Sanierung des Olympia-Wohnhochhauses in München erneuerte Zuber von 2011 bis 2012 die komplette Fassade. © Foto: Bildquelle
Crailsheim / Frank Lutz 05.09.2018
Für seine Fertigteile ist das Crailsheimer Zuber-Betonwerk in der Region bekannt. Längst hat sich der Familienbetrieb aber auch in ganz Süddeutschland mit hochwertigen Fassaden für öffentliche und gewerbliche Gebäude einen Namen gemacht.

Ein traditionsreicher Familienbetrieb, seit fast 70 Jahren in Crailsheim ansässig und auf Betonfertigteile spezialisiert – so ist das Zuber-Betonwerk im Industriegebiet Flügelau in der Region bekannt. Tatsächlich stammen heute noch rund 40 Prozent der Kunden im klassischen Fertigteile-Geschäft aus der Region.  Laurenz Zuber, Geschäftsführer in fünfter Generation, sagt: „Es ist uns wichtig, die Kunden vor Ort zu bedienen, weil wir mit ihnen groß geworden sind.“

Doch das Geschäft ist im Umbruch: Zwar boomt die Baubranche derzeit, doch die Fertigteile-Produzenten profitieren nicht: „Wir haben die gleichen Preise mit unseren Standardprodukten im Rohbau wie vor 20 Jahren“, berichtet Zuber. In der Branche gebe es „eine Ballung auf ein paar Großkonzerne“. Zubers Prognose: „In 10 bis 20 Jahren wird alles in der Hand von drei bis vier Großbetrieben liegen und es wird keinen Mittelstand mehr geben.“

Sehr stark aufgestellt

Das Unternehmen habe aber schon vor Jahren auf diese Entwicklung reagiert und sei mittlerweile „sehr stark aufgestellt“. So gehören zur Firmengruppe auch zwei ebenfalls am Crailsheimer Stammsitz ansässige Ingenieurbüros: „IfT Zuber Ingenieure für Tragwerksplanung“ beschäftigt sich mit Tragwerksplanung, während sich „BSP-Plan“ auf die Planung von Fertigteilen spezialisiert hat. Das Planungsbüro von BSP-Plan mit derzeit 13 Ingenieuren wurde als neues Subunternehmen „BSP Zuber SRL“ vor zwei Jahren ins rumänische Hermannstadt ausgegliedert. „Es werden aber alle Kunden von hier aus betreut, nur die Planung erfolgt von Rumänien aus“, erklärt Zuber. Von Arbeitsmoral, Leistungsbereitschaft und Lernwillen der rumänischen Ingenieure zeigt er sich beeindruckt. Allerdings hätten diese manchmal noch Schwierigkeiten, die in deutscher Sprache verfassten Bauanleitungen sofort zu verstehen und das Thema „Vorkonstruktion“ sei in Rumänien bisher noch eher wenig bekannt.

Der Grund, dass Zuber überhaupt den Sprung nach Südosteuropa gewagt hat, liege im Fachkräftemangel hierzulande: „Wir haben über 30 Jahre Bauzeichner ausgebildet, aber das will niemand mehr werden“, sagt Zuber. „Und die Ingenieure gehen lieber zu den großen Baufirmen.“ Bewerbungen für eine Ausbildung als Bauzeichner oder Betonbauer seien aber weiter willkommen.

Ein weiteres, besonders lukratives Standbein hat sich das Bauunternehmen mit hochwertigen Betonfassaden für Kunden in ganz Süddeutschland geschaffen. 50 Prozent des Umsatzes machten die Fassaden inzwischen aus, aber fast 100 Prozent der Rendite. Lang ist die Liste vor allem öffentlicher Gebäude, an denen Zuber in den letzten Jahren beteiligt war: Die Augsburger WWK-Arena, zu der Zuber die Kioskwände und die Vorhangfassade der Haupttribüne beigesteuert hat, gehört ebenso dazu wie das Olympia-Wohnhochhaus im Münchener Olympiapark, dessen Fassade Zuber von 2011 bis 2012 komplett saniert hat, sowie das Bayerische Innenministerium, das ebenfalls mit einer Fassade made in Crailsheim ausgestattet wurde.

Und auch die aktuellen Projekte können sich sehen lassen: So soll im Frühjahr die Fassade des Parkhauses P5 gegenüber des Mannheimer Hauptbahnhofs fertig werden. Ebenfalls in Mannheim wird Zuber 2019 mit der Weißbetonfassade des QH4-Quartiers beginnen: Ein neues Quartier soll dort entstehen, das die Sparkassenversicherung komplett aufkaufen wird. Bereits im vergangenen Jahr begann Zuber, drei Studentenwohnheime in Freiburg mit Fassaden auszustatten. Mit einer Auftragssumme von 2,7 Millionen Euro ist es das bisher größte Zuber-Projekt. Für zwei weitere Wohnheime hatte Zuber dort bereits von 2011 bis 2012 die Fassaden erstellt.

Eine besondere Herausforderung ist auch der Neubau der Neckartalbrücke bei Heilbronn, über welche die A 6 führt: Zuber erstellt dafür die Brückenplatten. Das mit einer Million Euro angesetzte Projekt sei das bisher größte Brückenplattenprojekt von Zuber. „Das ist sehr spannend, weil hier extreme Anforderungen an Genauigkeit gestellt werden“, sagt Zuber. Bis zur Bundesgartenschau 2019 soll die Brücke komplett fertig sein. Doch auch wenn als Reaktion auf das Unglück von Genua viele Brücken in Deutschland in nächster Zeit saniert werden könnten: „Das wird ein Randprojekt bleiben.“

100 Prozent Recyclingbeton

Ein weiteres aktuelles Großprojekt wurde von Daimler in Auftrag gegeben: Für die künftige „Factory 56“ am Sindelfinger Mercedes-Benz-Werk, von Daimler als „modernste Automobilproduktion der Welt“ bezeichnet, entwickelt Zuber eine Fassade, die komplett aus Recyclingbeton bestehen soll. Zum Monatsende wird die Daimler-Bauleitung nach Crailsheim kommen, um sich über den Fortschritt zu informieren, und bereits im nächsten Frühjahr soll die Fassade eingehängt werden.

Besonders mit dem Fassadengeschäft sieht sich Zuber gut für die Zukunft aufgestellt: „Da geht es um Prestige und Optik und man ist etwas unabhängiger von der Gesamtkonjunktur.“

Firmengeschichte und aktuelle Zahlen

Das Unternehmen wurde 1904 von Georg Zuber im damaligen Sudetenland gegründet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb ausgesiedelt und 1952 in Crailsheim neu gegründet. Heute beschäftigt die Firmengruppe knapp 100 Mitarbeiter und machte im letzten Jahr rund 17,3 Millionen Euro Umsatz, wovon 16 Millionen Euro auf das Kernunternehmen entfielen. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben.

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