Messe: Hohenloher Wollfest in Blaufelden

Das Angebot reicht von mit Pflanzen gefärbter Sockenwolle über Faden für Goldstickereien bis zur Angoraseife.
Das Angebot reicht von mit Pflanzen gefärbter Sockenwolle über Faden für Goldstickereien bis zur Angoraseife. © Foto: Guido Seyerle
Blaufelden / Guido Seyerle 16.04.2018
Wim Wollmarkt in Blaufelden sind die Beuscher begeistert von den unterschiedlichen Produkten.

Wollfans sind weiblich, zwischen 40 und 55 Jahre alt und zu (fast) allem bereit, um an ihr Lieblingsprodukt zu kommen. Dieser Eindruck entsteht, wenn man am Sonntag mit den Besuchern und den Ausstellern auf dem ersten Hohenloher Wollfest spricht. Und noch etwas fällt besonders auf: Alle sind begeistert von der Vielfalt der ausgestellten Produkte. Anfänger können in Workshops ihre Kenntnisse vertiefen, und selbst Profis wie der 68-Jährige Norbert Wollburg – der einzige männliche Aussteller – lernen noch neue Stricktechniken.

Bianca Miessler vom Alpakahof in Raboldshausen hat ganz offensichtlich mit der Organisation der Messe den Nerv der Zeit getroffen. Sie ist sehr gut vernetzt und hat seit einem Jahr kräftig die Werbetrommel für die Premiere in Blaufelden gerührt. „Sie kümmert sich um alles“, lobt Ausstellerin Katrin Lutzke aus Hattingen/Ruhrgebiet. „In der Nacht von Samstag auf Sonntag musste sie Eintrittskarten nachdrucken, weil bereits am Samstag so viele Besucher kamen.“ Insgesamt dürften es an den zwei Tagen 2500 bis 3000 Gäste gewesen sein. Die Autokennzeichen der Fahrzeuge vor der Messehalle tragen Kennzeichen von Hannover bis Freiburg. Für Wollfans scheinen Entfernungen nicht das entscheidende Kriterium zu sein.

Wie bei einer Schatzsuche

Es hat etwas von einer Schatzsuche, wenn man die vorwiegend weiblichen Besucher beobachtet. Die ausgestellte Wolle wird ganz genau betrachtet, oft wird zusätzlich kurz mit den Fingern die Beschaffenheit des Naturprodukts getestet. Beim Fachsimpeln fällt dann zum Beispiel der Begriff „Blueface Leicester“. Dorit Brockmeier aus Stuttgart wird sich von dieser besonders hautsympathischen Wolle Handschuhe stricken: „Die werde ich nicht mehr hergeben, das ist best of british.“ Sammler werden auch am Stand von Katrin Kania fündig. Die Doktorin für Mittelalterarchäologie spinnt aus Schafwolle einen Faden, als Profi schafft sie circa 60 Meter pro Stunde. „Wenn man bedenkt, dass man für ein durchschnittliches Kleidungsstück zehn Kilometer benötigt, dann ist das nicht viel“, sagt die Frau aus Erlangen. „Dazu kommt noch die Zeit für das Scheren der Schafe, das Weben und das Nähen.“ So kommen schnell über 100 Arbeitsstunden zusammen. „Das ist heute am Markt praktisch nicht durchsetzbar, deshalb verkaufen viele unter Wert.“ Dagegen seien Kleidungsstücke im Mittelalter ein Statussymbol gewesen, ähnlich wie heute das Smartphone.

Fünf Meter weiter hat Norbert Wollburg seinen Stand und strickt einen Schal. „Mit fünf Jahren bin ich zum ersten Mal mit dem Stricken in Kontakt gekommen“, erzählt der 68-Jährige. Vor zehn Jahren, die Pensionierung vor Augen, kam das Thema zu ihm zurück. Probleme mit der Fingerfertigkeit hat er keine: „Man muss Interesse daran haben und üben, dann geht es.“ Besonders feine Wolle gibt es bei Ute Baumann aus Sachsen zu befühlen. Sie züchtet Angora-Kaninchen. 30 bis 50 von ihnen liefern vier Mal im Jahr Wolle. „Sie müssen geschoren werden, genauso wie Schafe.“ Kalt wird es ihnen danach nicht, bei tiefen Temperaturen werden sie ins Haus geholt oder bekommen zusätzliche Kuschelkisten in ihren Stall. Nach ein paar Jahren hat die Angoraproduktion dann für die Kaninchen ein Ende – sie landen im Kochtopf.

Die 33-jährige Organisatorin ist auch mit dem Interesse an ihrem eigenen Stand zufrieden: „Unsere Alpaka-Produkte Strickwolle, Mützen und Schals liefen gut.“ Der Termin für das zweite Hohenloher Wollfest im April 2019 ist bereits gebucht.