Gerabronn Guggen, Hexen und viel Schabernack

Gerabronn / Birgit Trinkle 14.02.2018
Der Umzug zum Pferdemarkt in Gerabronn ist so gut, so reich an witzigen Ideen und geistreich verpackter Kritik, dass die Prämierung der Wagen und Fußgruppen eine ziemliche Herausforderung ist.

Welche Wahl, welche Qual: Die Jury hat sich gestern dafür entschieden, dem TSV und dem Surfclub Gera­bronn mit ihrem politisch nicht eben korrekten, dafür sehr amüsanten Afrika-Beitrag den ersten Preis zu verleihen. Dafür gibt es gute Gründe, nicht zuletzt den Wagen samt Riesen-Aufbau und das Fußvolk, das die Zuschauer mitnahm auf Safari-Tour. Die nächsten Preise gingen an den Ortsteil Amlishagen, der den früheren Ortsvorsteher liebevoll auf die Schippe nahm, und an die Feuerwehr und Jugendfeuerwehr, die Großbritannien samt Bärenfellmützen und Telefonzellen aus der EU verabschiedeten.

Bei den Kindergruppen gewannen der Kindergarten „Alte Post“ (bei dem die Knirpse selbst Hand anlegen müssen, weil’s mit den Arbeiten nicht vorangeht), die Grund- und Werkrealschule Gera­bronn (mit dem ABC der Tiere) und der Kindergarten „Zeppelineck“ (als Fliegenpilzschwadron mit Bodenhaftung).

Bemerkenswert ist, dass sich die über 30 Gruppen, Wagen und Kapellen, die großen und kleinen Narren, immer wieder der vornehmsten Aufgabe der Fasnet besinnen und nach Kräften die alte Ordnung auf den Kopf stellen und mit der Narrenkappe auf dem Kopf kritisieren, was ihnen nicht passt – angefangen bei Michelbach mit seinen „Jahrhundert­hochwassern“ über Kindergartenbaustellen bis hin zum Ärztemangel.

Umzüge gibt es an diesem Tag viele. Auch wenn die Gerabronner einen sehr feinen, gar nicht so kleinen Gaudiwurm auf die Füße stellen: Was ihn einzigartig macht, ist die Kombination mit wetteifernden Traktor-Piloten und Herzblut-Pferdezüchtern, die ihre Tiere durch die halbe Region fahren, um sich hier einen Preis abzuholen. Sieben Groß­pferde und 34 Kleinpferde wurden heuer vorgestellt. Immer eine Augenweide ist etwa die Haflinger-Familie aus der Zucht von Gerhard Seeling aus Schrozberg.

Auf die Traktoren, fertig, los

Der alte Deutz, Jahrgang 55, braucht ein bissle, bis er sich warmläuft, dann aber ist er nicht zu stoppen. Er trägt die Teilnehmer des Traktoren-Geschicklichkeitsfahrens zu den 16 Stationen. Sabrina Rüger, (37) aus Schwarzenbronn ist früher viel gefahren, war aber schon seit Jahren nicht mehr auf einem Bulldog. Heute tritt sie vor allem an, um ihren Bruder Konstantin zu schlagen: „Besser sein als er, das ist mein Tagesziel.“ Gar nicht so einfach: Zuerst steigt sie vom Deutz auf einen Schlepper ohne Lenkrad um: Nur mithilfe der Lenkbremse, mit der sie auf jedes Hinterrad separat Zugriff hat, steuert sie eine Acht um zwei Ölfässer. Und das ist erst der erste Streich. Andere sind schon weiter im Parcours: Kevin Franz (24) aus Michelbach/Heide möchte partout nicht den ersten Preis gewinnen, das war nämlich immer ein knallroter kleiner Tret-Schlepper. Nett, sagt er, aber ein Pizzeria-Gutschein und ein Kasten Bier wären ihm lieber.

Viel Geschick gefragt

Je nach Temperament bewältigen die Teilnehmer die doch recht heftigen Stationen. Sie fahren auf Schienen, balancieren auf einer Riesen-Wippe, oder sie wickeln ein Seil um eine Tonne, das nur mit einem Magneten an ihrem Traktor befestigt ist.

Bei den Junioren gewinnt Kevin Piller aus Riedbach, bei den Senioren Holger Hähnle aus Morstein, bei den Frauen Nicole Manz aus Michelbach. Spätestens bei einer der letzten Übungen, bei der Bruder Konstantin Frank als moderner Ritter hoch zu Traktor in voller Fahrt einen Wurstring von der Fahnenstange angelt, wird klar, dass Sabrina ihr Ziel verfehlt. Konstantin ist besser. Zumindest  hat sie richtig viel Spaß an diesem Tag, so wie Tausende andere auch.

Ergebnisse der Pferdeprämierung in Gerabronn

Für ihre Großpferde erhielten erste Preise: Anna-Lena Arnold, ­Gerabronn; Angela Tabat, Langenburg; Sylvia Wolz Kirchberg; Aylin Wolz, Weckelweiler; Karin Stang (zwei Groß­pferde), Amlishagen; Gerd Steinbrenner (zwei), Obersteinach; Roland Ehrmann (sechs Großpferde), Schäftersheim.

Folgende Kleinpferdehalter bekamen erste Preise: Silke Meitner, Beimbach; Nina Meitner, Beimbach; Martina Müller, Kirchberg; Familie Herrmann (fünf Kleinpferde), Niederstetten; Jürgen Horlacher (zwei), Jungholzhausen; Rainer Weinhardt (zwei), Rothenburg; Katharina Stang (zwei), Amlishagen; Jürgen Hachtel (zwei), Leuzendorf; Peter Stiefel (zwei) Unterweiler; Rudolf Oupor (zwei), Wallhausen; ­Gerhard Seeling (zwei), Schrozberg; Robert ­Meier (vier), Schrozberg.

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