Ilshofen Gülle tötet Forellen-Population im Grimmbach

Richard Matzka (links) und Roland Schaile von der Sportfischereivereinigung Eckartshausen zeigen tote Forellen aus dem Grimmbach. Der Fisch in Schailes Hand ist mit etwa 25 Zentimetern Länge rund fünf Jahre alt geworden.
Richard Matzka (links) und Roland Schaile von der Sportfischereivereinigung Eckartshausen zeigen tote Forellen aus dem Grimmbach. Der Fisch in Schailes Hand ist mit etwa 25 Zentimetern Länge rund fünf Jahre alt geworden. © Foto: Norbert Acker
Ilshofen / NORBERT ACKER 25.04.2015
50.000 Liter Gülle sind verantwortlich für den Tod der Forellenpopulation im Grimmbach. Damit ist eine zwölfjährige ehrenamtliche Arbeit der Sportfischereivereinigung Eckartshausen zerstört.

Drei Männer stehen am Grimmbach zwischen Ober- und Niedersteinach und schauen ins Wasser. In unregelmäßigen Abständen dümpeln tote Fische an der Oberfläche, auch an den Ufern liegen Kadaver. Für Roland Schaile, stellvertretender Vorsitzender der Sportfischereivereinigung Eckartshausen, und Richard Matzka, Gewässerwart des Vereins, sowie Thomas Friese, ehrenamtlicher Fischereiaufseher für den Landkreis Schwäbisch Hall, ist der Anblick eine Katastrophe. "Seit zwölf Jahren bauen wir hier eine Forellenpopulation auf", sagt Schaile, "jedes Jahr im Mai haben wir eine neue Brut ausgebracht." Die seither angewachsene Population ist jetzt vernichtet.

Der Grund: Am Mittwoch sind rund 50.000 Liter Gülle in den Hagenbach geflossen. Von dort gelangte die Flüssigkeit in den Grimmbach, der in den Kocher mündet. Nach ersten polizeilichen Ermittlungen hatte ein Landwirt zuvor seine Auffanggrube befüllt. Dazu öffnete er einen Schieber am Güllehochbehälter, um etwa 100.000 Liter der gelagerten Jauche umzufüllen. Als die Auffanggrube voll war, ließ sich der Schieber nicht mehr schließen, sodass der im Hochbehälter befindliche Rest von weiteren etwa 50.000 Litern überlief und über einen Weg und einen Acker den Hagenbach erreichte. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass ein mechanischer, wohl nicht vom Landwirt verschuldeter Defekt am Schieber das Schließen verhinderte. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts einer fahrlässigen Gewässerverunreinigung. "Anwohner aus Obersteinach haben direkt am Mittwoch die Polizei in Schwäbisch Hall über tote Fische im Grimmbach informiert", erzählt Schaile. Sein Verein sei dann informiert worden: Die Sportfischer kümmern sich um sechs Kilometer des rund zehn Kilometer langen Bachs.

"Das hat der Landwirt ja nicht mutwillig gemacht", sagt Matzka. "Vorwürfe kann man da jetzt keine machen." Trotzdem, die ehrenamtliche Arbeit von zwölf Jahren sei hinüber. Einen finanziellen Schaden könne man jetzt nicht benennen, dazu müssten die weiteren Untersuchungen abgewartet werden. "Das ist natürlich ein Versicherungsfall", sagt Friese. Für den Fischereiaufseher sind solche Gülleunfälle, bei denen auch Gewässer und deren Lebewesen betroffen sind, keine Einzelfälle. "Das passiert öfter, als man denkt", sagt er, "vor allem im Umfeld von Biogasanlagen."

Bei einer ersten Begehung hat Roland Schaile etwa 150 tote Forellen auf knapp 800 Metern des Bachs gezählt. Die Todesursache der Fische erklärt Friese: "Die aufgestellten Kiemen zeigen, dass die Forellen erstickt sind." Durch die Gülle hatte der Bach keinen Sauerstoff mehr. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch Kleinlebewesen, Molche oder Würmer - zurzeit lebt nicht mehr viel im Grimmbach. Nun wird der Sportfischerverein erst einmal daran gehen, die ganzen toten Fische einzusammeln. Ob in diesem Jahr eine neue Brut eingesetzt werden kann, ist unklar.

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