Landkreis Grünspecht fordert Mindestlohn

Streuobsternte ist mühsame Handarbeit. Sie kann finanziell nur gebührend honoriert werden, wenn im Gegenzug regionale Säfte getrunken werden. Privatfoto
Streuobsternte ist mühsame Handarbeit. Sie kann finanziell nur gebührend honoriert werden, wenn im Gegenzug regionale Säfte getrunken werden. Privatfoto © Foto:  
Landkreis / SWP 08.08.2015
Die Streuobstinitiative Grünspecht schlägt Alarm: Es werden faire Preise für Äpfel gefordert, um den Verfall der Streuobstwiesen aufzuhalten.

Als die Keltereien im September 2014 gerade mal vier Euro je 100 Kilogramm Mostäpfel bezahlten, ließen viele Stücklesbesitzer ihre Äpfel einfach liegen. "Das darf sich nicht wiederholen, sonst geht der zunehmende Verfall unserer wertvollen Streuobstbestände unaufhaltsam weiter", schreibt die neue Vorsitzende der Streuobstinitiative "Grünspecht" im Landkreis Hall, Julia Charrier aus Ilshofen, in einer Pressemitteilung. Immer mehr Streuobstbewirtschafter seien frustriert über die nicht kostendeckenden Mostobstpreise für ihr Streuobst. Mehrere Streuobst-Vermarktungsinitiativen in Baden-Württemberg garantierten ihren Vertragslandwirten deshalb seit Jahren eine Art "Mindestlohn" durch einen Aufpreis zum jeweiligen Tagespreis. Im Gegenzug verpflichten sich die Obstbauern, ihre Streuobstbäume zu schneiden, den Unterwuchs zu pflegen und Bäume nachzupflanzen.

Der Förderkreis regionaler Streuobstbau Hohenlohe-Franken (FÖS) mit seinem Markenzeichen "Grünspecht" ist die zweitälteste Aufpreisinitiative im Land. Sie hat derzeit 158 Erzeuger-Mitglieder, die auf 190 Hektar Fläche circa 19000 Obstbaum-Hochstämme pflegen. Seit 2013 gibt es ein "Aktionsbündnis Aufpreisinitiativen Baden-Württemberg", dem der FÖS zusammen mit 21 anderen Streuobstinitiativen beigetreten ist. Ihr Sprecher, Ulfried Miller aus Ravensburg, der auch die älteste Aufpreis-Initiative leitet, schätzt, dass zur Zeit über 150000 Streuobstbäume direkt durch die Apfelsaft-Aufpreisvermarktung gesichert sind. Der Naturschutzbund Baden-Württemberg (NABU) führt hierzu aktuell eine landesweite Erhebung durch.

Julia Charrier appelliert daher an Verbraucher und Veranstalter von Festen, mehr Streuobstprodukte anzubieten, einzukaufen, zu konsumieren und dabei auf "100 Prozent Streuobst aus Baden-Württemberg und den Aufpreis achten". "Damit unsere Streuobstbewirtschafter einen fairen Mindestlohn erhalten", so Charrier.

Streuobstpreis

Auszeichnung Mit dem in diesem Jahr zum ersten Mal ausgeschriebenen Streuobstpreis Baden-Württemberg will das Land Bürger auszeichnen, die sich für den Erhalt der Streuobstwiesen einsetzen, teilt das Verbraucherschutzministerium mit. Der Preis werde künftig alle zwei Jahre an Menschen vergeben, die herausragende Projekte rund um Streuobst umsetzten. Der Streuobstpreis 2015 steht unter dem Motto "Baumpflege - Aktiv für unsere Streuobstwiesen".

Auswahl Für den Streuobstpreis können sich Gruppen ab drei Personen, Vereine, Verbände, Mostereien, Gemeinden, Streuobstinitiativen, Schulen und Kindergärten bis zum 30. September bewerben. Es werden unter anderem die konzeptionelle Umsetzung des Baumschnitts, die Verwertung des Baum-Schnittguts, die Kompetenz der Baumpfleger sowie die Berücksichtigung von Naturschutzaspekten bewertet. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch eine Expertenjury. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert und soll in der Regel an drei Preisträger verliehen werden. Die erste Preisverleihung wird Anfang 2016 stattfinden.

Teilnahme Das Teilnahmeformular gibt es unter www.mlr-bw.de und www.streuobst-bw.info. Fragen werden unter 0711/1261029 und der E-Mail-Adresse streuobstpreis@mlr.bwl.de beantwortet.

SWP

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