Umzug Großer Rosenmontagsumzug in Matzenbach dauert knapp eineinhalb Stunden

JOACHIM MAYERSHOFER 04.03.2014
Glücksbärchis, der verrückte Hutmacher, Poseidon samt Nixen - diese und viele Figuren mehr sorgten beim Faschingsumzug in Matzenbach für Stimmung. Und die Kanzlerin bekam Nachhilfe im Langlauf.

"Wären Sie, Frau Merkel, nur zu uns gekommen, hätten Sie keinen Schaden an Ihrer Hüfte genommen! (Keine Sturzgefahr)" war am Montag auf einem Schild an einem Faschingswagen beim Umzug in Matzenbach zu lesen. Dahinter stemmte sich Manfred Ehret zwischen zwei Holzstangen - und ließ sich nach einigen Gehmetern wie beim Barrenturnen oft so heftig auf die Oberarme und die Achselhöhlen fallen, dass die Skier an den Füßen und der Wagenaufbau mächtig zu wackeln begannen.

Helene Fischer ist der Faschings-Renner

Daneben hoben Kinder die geworfenen Süßigkeiten von der Straße auf, verstauten sie schnell in ihren mitgebrachten Sammeltaschen. Wie die achtjährige Lara und die siebenjährige Paula, die immer wieder auf die Straße huschten und sich diebisch über Schokolade, Lollis und ganz besonders über Seifenblasen-Fläschchen freuten. "Wir feiern heute später eine Party und essen Chips", sagte Prinzessin Paula mit ihrer blonden Locken-Perücke und Diadem im Haar. Und Clown Lara, der von Montag auf Dienstag bei der Freundin übernachten durfte, fieberte dem Uno-Spiel und dem verrückten Labyrinth am Abend entgegen. Perfekt eingestimmt auf einen fröhlichen Ausklang des Rosenmontags durch Helene Fischers "Atemlos", das gefühlt bei jeder Teilnehmergruppe ertönte.

Zum Beispiel zog Alice im Wunderland vorbei, dargestellt durch die "Rosenstroß-Narren", die für den Bau ihres Wagens drei Wochenenden geopfert hatten. Noch mehr Zeit hatten die "Konzenbuck-Narren" investiert, deren Burg von Musketieren bevölkert wurde und nach 400 Arbeitsstunden ein optischer Höhepunkt des Umzugs war. Knapp eineinhalb Stunden schlängelte sich der Tross durch die Matzenbacher Straßen. Bürgermeister Martin Piott schätzte, dass es der bisher größte Umzug in der jüngeren Vergangenheit war. Und wie immer hatten alle Teilnehmer mächtig Hunger und Durst, weshalb die "Tankstellen" wieder einmal willkommene Anlaufpunkte waren.

Urlaub am Faschingsdienstag ist ratsam

Erneut hatten sich die Matzenbacher Bürger mächtig ins Zeug gelegt, um die Narren - wie immer kostenlos - mit allerlei Schmackhaftem versorgen zu können. Wie Belinda und Siggi, zwei der vielen guten Seelen. Eierlikör- und Nusskuchen, belegte Weckle, der traditionelle Glühwein wurden aufgetischt - der Renner waren aber die Schmalzbrote, die so manchem Umzugsteilnehmer einen flauen Magen ersparten. "Wir schmieren immer sechs große Brote für den Fasching", erklärte Belinda, die sich jedes Jahr aufs Neue auf den Rosenmontagsumzug freut. Dass ihre "Tankstellenkost" heiß begehrt ist, bestätigt "Höhlenmensch" Michael, der mit einem Dutzend Neandertaler am Stand der - am Montag - weißhaarigen Dame halt macht. "Bei Belinda und Siggi ists einfach am besten! Die geben sich immer so viel Mühe." Es habe schon Tradition, dass man dort etwas esse und trinke - und auch, dass viele bis nach Mitternacht im FC-Vereinsheim weiterfeiern, gehöre einfach dazu. Urlaub am Faschingsdienstag einzutragen, hat sich in Matzenbach deshalb ebenfalls bewährt.