Gott hat mich gehört und aufgehoben

Vor dem Bild in der Johanneskirche brennen die Kerzen auf einem Tisch. Privatfoto
Vor dem Bild in der Johanneskirche brennen die Kerzen auf einem Tisch. Privatfoto
SWP 08.11.2014
Gedanken zum Sonntag von Pfarrer Uwe Langsam, Johanneskirche Crailsheim.

Kerzen brennen auf dem Tisch vor dem alten Bild. Immer wieder kommen Menschen in die offene Johanneskirche. Sie verweilen. Manche zünden eine Kerze an, manche stehen einfach da, schauen sich um, werden still.

Was in den Herzen dieser Menschen vorgeht, das lässt sich erahnen, wenn man in das Buch schaut, das dort liegt. Die einen Besucher lesen darin. Die anderen schreiben etwas hinein: Gebete, Wünsche, Sorgen, Freude. Manches betrifft die Besucher, die gekommen sind, selbst. Anderes betrifft Menschen, mit denen sie zu tun haben, die ihnen wichtig sind, die sie lieben. Es ist eine bunte Mischung. Verbunden durch die Hoffnung, dass ihre Worte nicht verhallen, sondern gehört werden. "Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe", betet einer in seiner Not. So überliefert es die Bibel in Psalm 27.

Manchmal bin ich niedergedrückt. Manchmal brauche ich jemanden, der einfach zuhört, jemanden, der nicht gleich einen guten Rat hat oder alles besser weiß. Ich brauche jemanden, der nicht nur mein Problem, sondern der mich selbst versteht.

Mit Gott darf ich reden. Er hört zu. Kein Problem ist ihm zu klein, keine Sorge zu groß. Was ich keinem anderen anvertraue, bei ihm ist es gut aufgehoben. Und indem ich so mit ihm rede, merke ich, dass ich bei ihm auch gut aufgehoben bin.

Im Gebet vor ihm werde ich still. Er birgt mich, so wie ich im Kirchenraum geborgen bin. Ein neues Licht kommt von außen in mein Leben, so wie die brennende Kerze auf dem Tisch. Ich spüre seine Nähe, so wie es das Bild vor mir veranschaulicht.

Wenn ich später wieder gehe, dann bin ich verändert. Meine Last ist leichter. Ich trage sie nicht allein. Vielleicht ist meine Sorge weniger geworden, als ich sie in dieses Buch schrieb. Vielleicht ist mein Problem auch kleiner geworden, als ich durch die Eintragungen dort an den Nöten anderer teilhaben durfte. Vielleicht hat sich im Beten, im Stillwerden, im geschützten Kirchenraum einfach vieles wie von selbst klären können.

Aber im Grunde ist es Gott selbst. Er hat mich gehört und er hat mich berührt. Er hat mich aufgehoben, und er stärkt mir den Rücken. Er geht den Weg mit mir. Das tut gut. Da erlebe ich mich aufgehoben - gut aufgehoben.