Stimpfach Glänzende Kinderaugen als Lohn

Stimpfach / Ralf Mangold 07.12.2018
Schon die ganze Woche über haben die Kinder des Kindergartens Rechenberg auf diesen Moment hin gefiebert und Punkt 10.45 Uhr war es dann soweit: Der Nikolaus steht vor der Tür

Mit großen Augen erwarten die Kinder ihren Ehrengast. Matteo rannte gleich zu ihm hin und umarmte den Mann im roten Kostüm. Der Fünfjährige kennt ihn noch vom letzten Jahr, und bevor der Nikolaus im weihnachtlich dekorierten Gartenhäuschen der Familie Hald so richtig angekommen war, musste er schon die erste seiner vielen Fragen an den Nikolaus dringend loswerden: „Wo wohnst du denn?“, will er wissen. „Im Wald“, antwortete Ewald Hirsch und erntete dafür ein erstauntes Raunen. Hirsch bereitet nun schon seit rund zwei Jahrzehnten hauptsächlich im Ostalbkreis Kindern in der Vorweihnachtszeit als Nikolaus eine Freude. Am Donnerstag war er schon am frühen Morgen an einer Schule in Ellwangen.

Knapp 40 Auftritte im Dezember

Bereits zum zwölften Mal ist er aber nun zu Gast in Rechenberg. Anfangs war sein Bart noch angeklebt, aber inzwischen ist es Echthaar, das er sich in der Weihnachtszeit weiß färbt – und so sieht Hirsch wirklich aus wie ein echter Nikolaus.

35 bis 40 Auftritte hat er verteilt über den ganzen Dezember an Kindergärten und Schulen, wenn es die Zeit zulässt, kommt er sogar zu Familien auch mal nach Hause. Manchmal waren es so über 60 Einsätze, aber inzwischen hat er einen zweiten „Nikolaus“ gefunden, der ihn unterstützt. Jedes Jahr nimmt der 65-Jährige ein paar Tage frei, um alle Termine zu schaffen. „Im letzten Jahr waren es so viele Anfragen, da habe ich sogar unbezahlten Urlaub genommen, und trotzdem musste ich noch ein paar absagen“, erzählt Hirsch, der im Hauptberuf eigentlich Gärtner ist und in Unterkochen wohnt.

Für seine Auftritte verlangt er keine Gage, nur eine Spendenkasse ist aufgestellt zugunsten der Hilfsaktion „Advent der guten Tat“ für bedürftige Familien, die er unterstützt. „Ich nehme kein Trinkgeld, aber trinke gerne Trollinger“, freut er sich dennoch über die Flasche Wein als Anerkennung, die ihm von Kindergartenleiterin Gerlinde Lang überreicht wird.

Brauchtum weitergeben

„Ich finde es ganz wichtig, dass Brauchtum weitergegeben wird.“ Zudem empfindet Hirsch sein zeitintensives ehrenamtliches Tun keinesfalls als Last. „Ich investiere zwar viel Zeit in meine Auftritte, aber dafür bekomme ich auch etwas zurück“, ist es für ihn immer das Schönste, in glückliche und fröhliche Kinderaugen blicken zu dürfen. „Jeder Besuch ist für mich ein ganz besonderes Erlebnis.“

Der Kindergarten in Rechenberg ist ihm richtig ans Herz gewachsen, auch wenn er hier die weiteste Anfahrt hat. Hirsch kann sich noch gut an seinen ersten Besuch vor elf Jahren in einer Waldhütte erinnern. Eine spezielle Vorbereitung für die Auftritte gibt es nicht, „da lasse ich mich einfach überraschen“.

Ganz spezieller Nuss-Rapp

Am Donnerstag sangen die Kinder ein paar schöne Lieder für ihren Ehrengast, begleitet von Erzieherin Sabine Widmann an der Wandergitarre. Dann führten die Kiddies sogar einen speziellen Nuss-Rapp auf, bevor der Nikolaus sein goldenes Buch zückte, aus dem er von jedem Kind die positiven Charaktereigenschaften vorlas.

HT-Reporter muss singen

Zum Schluss gab es noch Geschenke in Form von Nüssen und Süßigkeiten. Die Verpackung dafür hatten die Kinder im Vorfeld selber gebastelt. Auch der HT-Reporter bekam noch ein Geschenk vom Nikolaus, allerdings musste er sich dies erst verdienen und ein Weihnachtslied zum Besten geben. Und für Gerlinde Lang hatte der Nikolaus auch noch einen Spruch parat, der für herzhafte Lacher sorgte: „Du bist heute ja wieder aufgeregter als die Kinder“, meinte er schmunzelnd, weil die Leiterin des Kindergartens wieder mit den Kindern dem Nikolaus in kurzer Zeit so vieles zeigen wollte, was alles zum Besuch des Ehrengastes im Vorfeld an Liedern und Gedichten einstudiert wurde.

„Wo hast du denn deinen Schlitten?“, war Matteos Neugier immer noch nicht befriedigt. Weil es keinen Schnee in diesem Jahr gibt, sei er einfach mit dem Auto gekommen, antwortete der Nikolaus und winkte den Kindern noch ein letztes Mal zu, während sie zum Abschied noch das Lied „Nikolaus ist ein guter Mann“ für ihn sangen.

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