Bühlerzell Getreideernte: Im steten Takt der 4,5 Tonnen

Ein Gigant bei seiner nächtlichen Arbeit: der Mähdrescher von Matthias Gleß bei der Getreideernte.
Ein Gigant bei seiner nächtlichen Arbeit: der Mähdrescher von Matthias Gleß bei der Getreideernte.
Bühlerzell / URSULA RICHTER 07.08.2015
Der "Blue Moon" der zweite Vollmond im Juli, beleuchtet den Nachthimmel. Um Bühlerzell herum sind viele beim Kellerwaldfest. Auf der Frickenhofer Höhe bei der Tannenburg geht es aber gar nicht romantisch zu. Flutlicht macht ein Getreidefeld taghell. Es wird gedroschen.

Der John Deere ist neu. Der Mähdrescher hat eine Schnittbreite von 5,50 Metern. Matthias Gleß aus dem Weiler Heuhof drischt seit 18 Uhr auf diesem Feld. Der Winterweizen steht auf einer leicht gekrümmten Fläche von zehn Hektar. "Ein Tagwerk", sagt Rudi Gleß und lächelt.

Der Altbauer ist sich bewusst, dass er eine in früheren Jahrhunderten gebräuchliche Maßeinheit verwendet, die sowohl eine Flächen- als auch eine Zeiteinheit umfasste. Je nach Landschaft und Gegebenheiten bedeutete ein Hektar ungefähr drei Tagwerke. Matthias Gleß wird also, wenn er das ganze Feld gedroschen hat, 30 Tagwerke verrichtet haben. An einem Tag. So viel zur Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft.

Rudi Gleß wartet in einem Traktor mit Anhänger darauf, dass der Korntank des Mähdreschers entleert werden muss. Er fasst 4,5 Tonnen. Auf den Anhänger, mit dem das Korn auf den nahe gelegenen Hof gefahren wird, passen neun Tonnen. Wenn über das Abtankrohr zum zweiten Mal der Vorratsbehälter des Mähdreschers entladen ist, fährt Rudi Gleß mit dem Gespann los. Die Zeit reicht gut bis zur nächsten Runde.

Matthias Gleß hingegen hat überhaupt gar keine Zeit. "Heute ist der erste Tag, wo man das Getreide nicht trocknen muss", sagt sein Vater: "Aber es hätte mehr regnen sollen!" Auf dem Höhenrücken hier haben sie keine tiefgründigen Böden. Das ist gut, weil der Boden leicht zu bearbeiten ist. Und in einem Vegetationsjahr wie diesem schlecht, weil er das Regenwasser durchlässt und deshalb schnell austrocknet. Für das Dreschen muss es allerdings möglichst trocken sein.

Wie lange in der Nacht kann man das überhaupt machen? Matthias Gleß: "Solange es staubt." Es ist schon 22.30 Uhr, und die gewaltige Maschine dreht Runde um Runde. Rudi Gleß bückt sich und nimmt eine Handvoll Stroh. "Es zieht auch noch nicht an." Das Stroh ist noch fast ganz trocken. Es fühlt sich ziemlich weich an und riecht gut. Erst wenn der Tau zu spüren ist, wird es kritisch. Es ist schönes Wetter gemeldet. Aber Matthias Gleß kann morgen hier nicht weitermachen. Er drischt für einen anderen Bauern. Der Mähdrescher ist nagelneu. Und warum ein John Deere? "Es ist der sechste. Wir haben schon immer John Deeres. Der fünfte wurde in Zahlung gegeben." Wenn man in diesen Zeiten einen neuen Mähdrescher hat, muss der bewegt werden. Das Getreide wird alles selbst verbraucht. Auch das von dem Feld auf der anderen Seite des Weges. "Auch zehn Hektar", sagt Gleß nicht ohne Stolz. Man hat Land zugepachtet von einem der vier Bauern von Heuhof. Es reicht aber nicht. Für die Schweine und Kühe in den großen Ställen 300 Meter vom Weiler entfernt muss auch noch von anderen Bauern Korn erworben werden.

Rudi Gleß macht einen zufriedenen Eindruck. Es ist jetzt fast 23 Uhr. Der Mähdrescher nähert sich mit Motorenlärm und taghellen Scheinwerfern. Es staubt immer noch. Und das ist gut so.

Abtanken während der Fahrt, das machen sie nicht. Das ist nicht Ostdeutschland hier. Das Tankrohr wird über den Hänger geschwenkt. Keine halbe Stunde und die nächsten 4,5 Tonnen sind da. Und da wird nicht gewartet. Und der Vollmond steigt weiter am nachtblauen Himmel auf.

Auf den Äckern steht überwiegend Getreide

Ernte: Wie der Landesbauernverband in einer aktuellen Pressemeldung mitteilt, sei das Ergebnis der diesjährigen Getreideernte von einem überwiegend warmen, insbesondere im nördlichen Landesteil niederschlagsarmen Frühjahr sowie anschließend extremer Hitze und lang anhaltender Trockenheit geprägt. "Die Erntearbeiten kommen in weiten Landesteilen gut voran."

Im Jahr 2015 blieb die Fläche, die in Deutschland als Ackerland genutzt wird, mit 11,9 Millionen Hektar im Vergleich zu den Vorjahren konstant. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, verwendeten die Landwirte den größten Anteil der Ackerfläche mit rund 6,6 Millionen Hektar (55 Prozent) auch im Jahr 2015 für den Anbau von Getreide.

URS

 

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