Friedrich Bullinger, FDP-Landtagsabgeordneter und ehemals Schweinezüchter aus Rot am See, erteilt der Forderung der Grünen nach einem Ausstieg aus der "antibiotikabasierten Massentierhaltung" eine Abfuhr: Die Landwirtschaft dürfe nicht pauschal an den Pranger gestellt werden. Von "industrieller Massentierhaltung" könne in Baden-Württemberg keine Rede sein. Wer so argumentiere, zeige, dass es ihm lediglich darum gehe, gegen die konventionelle Landwirtschaft Stimmung zu machen. "Tierschutz und Stallhygiene sind im Land vorbildlich."

Demgegenüber sieht der Grünen Bundestagsabgeordnete Harald Ebner in den von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) angekündigten Maßnahmen nur "kosmetische Änderungen". Untersuchungen bei Geflügelfleisch hätten gezeigt, dass 50 Prozent der Fleischproben mit multiresistenten Keimen belastet waren. Ebner fordert vier Punkte zur Eindämmung des Antibiotikaverbrauchs:

Klare Standards bei der Tierhaltung, strikte Vorgaben für eine maximale Besatzdichte (nach Tierarten) in den Ställen, Festlegung einer Mindestmastdauer.

Lückenlose Dokumentation der Antibiotikavergabe in der Tierhaltung. Jede Verschreibung muss zentral erfasst werden und den Kontrollbehörden zugänglich sein.

Behandlungsregeln müssen verschärft werden. Vorrang der Einzeltierbehandlung vor einer Bestandsbehandlung.

Aufhebung des Privilegs der Tierärzte, Medikamente direkt zu verkaufen. Verteuerung von Antibiotika, um eine restriktivere Verschreibungspraxis zu fördern.

Wie Ebner schreibt, hätten die tierhaltenden Betriebe im Landkreis Schwäbisch Hall nicht die Größe einer industriellen Form der Tierhaltung. Allerdings gebe es auch in Hohenlohe die Tendenz zu großen Ställen. Die Folge sei, dass dadurch sehr viel mehr Tiere behandlungsbedürftig werden.