Ehrenamt Gesucht: Menschen mit Zeit und Herz

Ute Schäfer 10.01.2018
Der Sozialführerschein soll eine neue Auflage erfahren – und einen neuen Schwerpunkt. Er wird heuer erstmals eingebettet in eine Woche der Diakonie.

Pläne fürs neue Jahr: Die beiden Kirchenbezirke wollen in einer „Woche der Diakonie“ einen Sozialführerschein anbieten. Am Planungstisch sitzen die Familienbildungsstätte Crailsheim, der Diakonieverband Schwäbisch Hall und die Kirchenbezirke Crailsheim und Blaufelden. Ein „Sozialführerschein“ soll Menschen das Handwerkszeug dafür geben, ehrenamtlich tätig zu werden und sie über mögliche Einsatzfelder zu informieren.

Aus gegebenem Anlass hat der Sozialführerschein einen neuen Schwerpunkt: Er heißt „Sozialführerschein Pflege“, teilte Gerlinde Mack von der Familienbildungsstätte Crailsheim mit, wobei mit dem Kurs niemand angesprochen werden soll, der in die Pflege einsteigen oder die Pflegenden unterstützen will. Angesprochen werden sollen vielmehr Menschen, die ihren älteren Nachbarn helfen, die sie besuchen, mit ihnen Zeit verbringen. Oder die ganz allgemein das machen, wozu die professionellen Pflegekräfte der Pflegedienste oder der Pflegeheime in ihrem hektischen Alltag kaum in der Lage sind.

„Wir im Dekanat Blaufelden haben extra 60 000 Euro zurückgestellt, die für diakonische Aufgaben unseres Pflegedienstes gedacht sind“, berichtet Markus Hammer, Diakoniepfarrer und Pfarrer in Hengstfeld. „Damit sollen sich die Pflegekräfte mehr Zeit für die Menschen nehmen können. Mal ein Gebet sprechen. Sich mal mit ihnen unterhalten können. Denn das brauchen die älteren Menschen ja. Und das wollen die Pflegekräfte auch anbieten, aus diesem Grund haben sie ihren Beruf ja ergriffen.“

Doch das Geld verpufft, denn die Pflegekräfte kommen einfach nicht dazu – denn es gibt zu wenige von ihnen. Sie kommen so schon kaum über die Runden. Denn die sind so voll wie möglich. „In Blaufelden haben wir derzeit eine Warteliste von Menschen, die Pflege bräuchten, die wir aber nicht versorgen können“, berichtet Hammer.

Diesen Pflegenotstand kann der Sozialführerschein zwar nicht lindern. „Aber wir wollen damit eine Aufgabe in den Blick nehmen, die in den nächsten Jahren immer wichtiger wird“, so Hammer. „Deshalb suchen wir jetzt dringend Leute, die sich engagieren.“ Hauptamtlich, natürlich. Aber eben auch ehrenamtlich – und dazu ist der Sozialführerschein da.

In dem Kurs geht es um die Rahmenbedingungen der ehrenamtlichen Arbeit, um das Grenzenziehen, um Regeln, um interkulturelle Kommunikation und um gesetzliche Rahmenbedingungen. „Wir haben aber auch ganz konkret an eine Ehrenamtsbörse gedacht. Dabei können sich diakonische Einrichtungen vorstellen, die ehrenamtliche Hilfe gebrauchen könnten“, sagt Susanne Knobloch-Böltz vom Diakonieverband, der mit im Boot ist.

Der Einsatz der Ehrenamtlichen kann von Besuchsdiensten in Kranken- und Altenheimen über Fahrdienste bis hin zur Nachbarschaftshilfe reichen. Denn natürlich haben die Organisatoren die Pflegeeinrichtungen im Blick. Aber auch die Menschen, die zu Hause leben und sich über Unterstützung freuen würden. „Und auch das wird in Zukunft immer häufiger der Fall sein“, sagt Hammer, der auch Kreisdiakoniepfarrer ist und den „gesamtgesellschaftlichen Blick“ hat.

„Das Stichwort heißt hier ‚caring community’“, erklärt Gerlinde Mack von der Familienbildungsstätte, „sorgende Gemeinschaft“ also. „Ziel ist, allen eine Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen.“

Um für gegenseitige Solidarität zu werben, soll der Kurs zum Sozialführerschein in eine „Woche der Diakonie“ eingebettet werden. Die wird schon lange landesweit jährlich einmal ausgerufen. Doch in den beiden Kirchenbezirken liegt sie noch ziemlich brach. „Wir haben es bislang noch nicht geschafft, diese Woche der Diakonie mit Leben zu füllen“, so Hammer. In diesem Jahr soll das anders werden. Susanne Knobloch-Bölz: „Wir werden rund um das Thema des Sozialführerscheins Vorträge anbieten. Und wir hoffen, dass sich viele diakonische Einrichtungen anschließen.“

Termin in der Woche der Diakonie

Der Termin für den Sozialführerschein steht: Er ist geplant für Freitagabend, 22. Juni, und Samstag, 23. Juni, wobei die große Ehrenamtsbörse am Samstagvormittag allen offen steht, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Die Woche der Diakonie in Württemberg geht vom 17. bis 24. Juni. Sie steht unter dem Motto „Raum für Gutes“. Neben den Kirchenbezirken sind auch die Familienbildungsstätte Crailsheim und der Diakonieverband Schwäbisch Hall mit dabei. uts