Gerabronn / Birgit Trinkle  Uhr
Beim HT-Wahlforum in Gerabronn im alten Progymnasium geht es um das Zukunftskonzept, um Postareal, Kirchplatz, Gewerbeansiedlung und die Frage der Schulentwicklung.

Zur Zukunft und zur Vergangenheit sind sich die drei Kandidaten beim Wahlforum des HOHENLOHER TAGBLATTS immer wieder einig. Ganz gleich, ob es um Ärzte geht, die für Gerabronn gewonnen werden sollen, um Industrie und Gewerbe oder um Gastronomie: Der fraktionsübergreifende Ansatz besteht immer über Einzelmaßnahmen hinaus in der Überzeugung, dass ein attraktives Gerabronn entstehen müsse. Alles andere ergebe sich. Und bei der Vergangenheit wird mit Blick auf Leerstände und die erschreckend niedrige Zahl der Arbeitsplätze deutlich, dass es allerhöchste Zeit war für die Projekte, für die Aufbruchsstimmung der vergangenen Jahre. Die beiden HT-Redakteure Erwin Zoll und Harald Zigan – der eine in Gerabronn lebend, der andere aus Amlishagen stammend und beide entsprechend vertraut mit der Stadt – moderierten, hakten nach, hinterfragten, und nicht zuletzt unterhielten sie die Gäste mit trockenem Witz und Gekabbel.

Den Fragen stellten sich Heidegret Mayer, 62 Jahre alt, Heilpraktikerin und stellvertretende Bürgermeisterin, seit 1994 für die Freien Wähler im Gemeinderat, Marcus Nimrichter, Stimmenkönig der vergangenen Wahl, 44 Jahre, Zimmerermeister und seit 15 Jahren CDU-Stadtrat, außerdem Hans Hacker, 60, Maschinenbau-Mechanikermeister aus Amlishagen, seit 2007 für die SPD im Gremium. Drei Themenblöcke gab es, zu Stadtentwicklung, Wirtschaft und zu Fragen aus dem sozialen Bereich.

Stadtentwicklung 2030

Das Zukunftskonzept „Generationengerechte Stadtentwicklung 2030“ soll in der kommenden Woche beschlossen werden. Nimrichter erklärte auf Zolls Frage, wie er denn verhindern wolle, dass das Konzept in der Schublade bleibe, dafür würden die Bürger sorgen. Es seien schließlich die immer wieder geäußerten Bedürfnisse der Gerabronner, die in diesem Konzept, diesem „Leitfaden für künftige Entscheidungen“, festgehalten wurden.

HT-Wahlforum in Blaufelden Offene Ohren und offene Türen

Diese Themen bewegen beim HT-Wahlforum in Blaufelden: Kindergarten, bezahlbarer Wohnraum, Ärzte, Schwimmbäder.

 Es wäre keinesfalls besser, dem neuen Gemeinderat den Beschluss über dieses Zukunftskonzept zu überlassen, beantwortete Heidegret Mayer eine entsprechende Frage: Jahrelang habe sich der Gemeinderat gemeinsam mit (dem Weikersheimer Planungsbüro) Klärle intensiv mit dem Thema beschäftigt, sei „drin im Thema“ und bringe es jetzt zum Abschluss. Der neue Gemeinderat hätte sich komplett neu einarbeiten müssen. Vor allem, so wurde deutlich, sei ein Ist-Zustand festgehalten und ein Handlungskonzept, nicht aber ein Gesetz: „Der Gemeinderat ist immer Herr des Verfahrens“, so Mayer, die im Übrigen auf „erschreckende Zahlen und Erkenntnisse“ aus diesem Konzept verweist – gemeint waren wohl der Verlust an Arbeitsplätzen und Zentralität.

Investor fürs Post-Areal

Alle drei Kandidaten sprachen dann über ihre Ideen für das Areal des früheren Gasthofs Post, das derzeit eine große Baulücke in bester Lage ist. Sie wollen nichts dem Zufall überlassen und – wenn möglich mit konkreten Vorstellungen – Investoren anziehen. Mayer etwa könnte sich generationenübergreifendes Wohnen vorstellen. Auch die künftige Kirchplatz-Gestaltung war Thema. Hans Hacker kündigte für Juni oder Juli eine Bürgerversammlung mit dem Architekturbüro Knorr und Thiele an; noch in diesem Jahr solle ein Entwurf vorliegen, mit dem sich Gerabronn dann um Fördermittel bemühe. Ein Platz der Begegnung soll entstehen, ansprechend, aber pflegeleicht gestaltet, sagt Hans Hacker. Die Stadt selbst soll das Projekt selbst stemmen, ohne Investorenhilfe – auch wenn das Ganze schwierig werde, weil der Platz schon einmal mithilfe öffentlicher Fördermittel neu gestaltet worden sei, so Mayers Aussage, die neben dem Begegnungszentrum einen Markt sowie Wasser als Gestaltungselement ins Spiel brachte. Beim Thema Kirchplatz war unvermeidlich die vom Kirchengemeinderat gewünschte Rampe für einen barrierefreien Zugang in die Peter-und-Paul-Kirche Thema; deren Ablehnung wurde beim Wahlforum von allen drei Kandidaten bekräftigt: Der Gemeinderat habe sich wohlüberlegt gegen diese „Riesen-Rampe“ ausgesprochen, die Gerabronn bei der Platzgestaltung in erheblichem Maß einschränken würde. Stattdessen wurde erneut eine Aufzugslösung ins Spiel gebracht.

Wahlforum in Sulzbach-Laufen Interessant, informativ, gemütlich

Beim Wahlforum in Sulzbach-Laufen zeigt sich: Die Bürger sind mit der Arbeit von Verwaltung und Gemeinderat zufrieden.

Hoffnung auf die Winterhöhe

Der Stillstand im Gewerbegebiet Winterhöhe in Dünsbach, das ja durch seine Nähe zur Autobahn besticht, ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ein großes Thema. Heidegret Mayer sprach von den durch neue Richtlinien erneut erhöhten Investitionen in die Gewerbeflächen am Bahnhof. Dadurch habe sich die Erschließung der Winterhöhe verzögert. Aber: „Wir müssen da Geld in die Hand nehmen. Investoren wollen etwas sehen, etwas vorfinden; das muss dann schnell gehen.“ Der Gemeinderat verspreche sich vieles von diesem Gebiet, auch angesichts der Tatsache, dass immer mehr Gera-
bronner außerhalb der Stadt Arbeit suchen müssten.

Hans Hacker widmete sich der notwendigen Unterstützung von Betrieben, die keine Nachfolger finden, und gleich mehrfach wurde vor allem beim Thema Wirtschaft Christian Mauch gelobt; der Bürgermeister sei ein Macher, ein kompetenter Ansprechpartner, der die Gewerbeförderung zur Chefsache gemacht habe.

Die verlorene Schule

Nach einem kurzweiligen Intermezzo, das den Kandidaten in Sekundenschnelle die Wahl zwischen zwei Begriffen ließ („Freibad oder Brettachstrand?“) widmete sich das Podium den Schulen, Kindergärten und Ärzten in Gerabronn.

Marcus Nimrichters Stellungnahme zur Schulentwicklung ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Entscheidung für eine Gemeinschaftsschule in Rot am See konnte er nicht nachvollziehen: Nicht Gerabronn habe den Anschluss verpasst; die Stadt selbst habe da wenig Einflussmöglichkeiten. „Wenn ich gute Schulräume habe, darf ich die doch nicht aufgeben. Wie kann man bestehende Infrastruktur nicht nutzen?“

Dass zumindest das letzte Kindergartenjahr beitragsfrei sein sollte, darin waren sich Hacker und Mayer einig; Hacker sprach aber auch vom „höchsten Besteuerungssatz“; davon müsse der Staat etwas zurückgeben, am besten direkt an die Kommunen, die so viel leisteten: „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“

Einig war man sich beim Medizinischen Versorgungszentrum, das Gerabronn nicht durch Glück erhalten habe, sondern „durch eine wache Verwaltung und einen aktiven Gemeinderat“: „96 Stunden lagen zwischen der Nachricht und dem Kaufbeschluss in der Sondersitzung“, sagte Mayer. So funktioniere Kommunalpolitik, so bringe man die Stadt weiter.

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