Gerabronn / Sebastian Unbehauen  Uhr
Das Land will die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken fördern. Auch zwischen Blaufelden und Langenburg? Eher unwahrscheinlich. Ein Besuch beim Förderverein Nebenbahn.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat kürzlich in Stuttgart angekündigt, in den kommenden Jahren die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken vorantreiben zu wollen. „Viele der zwischen 1960 und 1990 stillgelegten Strecken haben auch heute noch ein hohes Fahrgastpotenzial. Das wollen wir dort wieder heben, wo eine Reaktivierung noch möglich ist“, so der Minister. Erfolgreiche Reaktivierungen der vergangenen Jahre zeigten, dass manche Schienenstrecke viel attraktiver sei, als zuvor angenommen worden sei.

Das Land hat nun eine vergleichende Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ursprünglich wurden 75 Strecken zur Untersuchung vorgeschlagen, nach einer fachlichen Prüfung blieben 41 übrig – darunter die Nebenbahnstrecke von Blaufelden über Gerabronn nach Langenburg. „Bei diesen Bahnstrecken werden nun bis Ende 2020 das Fahrgastpotenzial sowie die erforderlichen Investitionen untersucht“, schreibt das Verkehrsministerium in einer Pressemitteilung. „Am Ende bleiben voraussichtlich 15 Strecken übrig. Wenn die kommunale Seite sich für eine Reaktivierung entscheidet, können Fördermittel vom Land beantragt werden.“ Minister Hermann spricht von „gut angelegtem Geld“.

Die Eisenbahnstrecke Blaufelden–Gerabronn–Langenburg kann touristisch genutzt werden - sagt eine Studie.

Derzeit ist kein regulärer Personenverkehr auf der Nebenbahn geplant

Marc Müller vom hiesigen Förderverein Nebenbahn findet, die Initiative aus Stuttgart sei „grundsätzlich eine richtig positive Sache“. Dass die Strecke zwischen Blaufelden und Langenburg am Ende unter den letzten 15 ist, hält er freilich für unwahrscheinlich. Denn: Auf dem zwölf Kilometer langen Schienenweg ist derzeit kein regulärer Personennahverkehr geplant. Müller selbst hielte einen solchen zwar für „ein echtes Zukunftsprojekt“ für Gerabronn und könnte sich auch eine Schülerbeförderung über die Schiene nach wie vor gut vorstellen – aber von solchen Visionen hat sich der Förderverein inzwischen verabschiedet. Zu viel Skepsis hatten sie hervorgerufen.

Stattdessen möchte man sich auf touristischen Verkehr am Wochenende konzentrieren. Eine Machbarkeitsstudie war zu dem Ergebnis gekommen, schon bei realistischen 6000 bis 9000 Fahrgästen im Jahr sei ein kostendeckender Betrieb möglich.

Seit der Vorstellung der Studie freilich ist schon wieder mehr als ein Jahr vergangen, ein Zug aber ist nicht in Sicht. Marc Müller berichtet zwar von einem Termin mit Minister Hermann und der Zusage, dass das Land Verkehre für die Strecke bestellen würde. Aber: Zuvor ist eine Erstinvestition von rund 600.000 Euro nötig. Der Landkreis würde wohl etwas geben, wenn die betroffenen Kommunen ihrerseits investieren. Vor allem Langenburg und Gerabronn sind in der Sache gefragt. In Langenburg war bei einer Tourismus-Diskussion im Gemeinderat kürzlich eher Skepsis zu vernehmen, auch eine Gera­bronner Investition im sechsstelligen Bereich scheint derzeit ausgeschlossen.

In Gerabronn ging es in einer Gesprächsrunde mit Bürgermeistern um die Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung.

Die Fördervereinsmitglieder sind es indes seit ungefähr zehn Jahren gewohnt, dicke Bretter zu bohren. Sie haben die Strecke gerichtet, die Machbarkeitsstudie durchgesetzt, den Gerabronner Kulturbahnhof als Veranstaltungsort etabliert. Derzeit werkeln sie im Obergeschoss des Bahnhofs, wo Platz für eine große Modelleisenbahn und für neue Sanitärräume geschaffen wird.

Förderantrag lieber heute als morgen

Aber das wichtigste Vereinsziel ist und bleibt natürlich die Reaktivierung der Strecke. Eisenbahn-Enthusiast Müller würde lieber heute als morgen einen Förderantrag stellen und dann ganz konkret loslegen. „Es liegt nur am politischen Willen“, sagt er. Dass dieser bisher nicht ausreichend vorhanden war, versteht er nicht. Die Chancen seien doch so groß.

Nach der Vorstellung der Machbarkeitsstudie haben die Nebenbahnfreunde eine sogenannte Vier-Täler-Verbindung entwickelt. An 26 Betriebstagen zwischen Mai und Oktober könnte ein koordinierter Bahn- und Busverkehr eine regelmäßige Verbindung zwischen Crailsheim, Rothenburg, Bad Mergentheim und Künzelsau herstellen, beziehungsweise zwischen Jagsttal, Kochertal, Taubertal und Vorbachtal. Beispiel: Radler oder andere Touristen kämen am Rande Langenburgs an, wo ein Radwanderbus Richtung Künzelsau auf sie warten würde, mit Haltestellen etwa am Schloss, in Bächlingen und in Unterregenbach. Später am Tag könnten sie denselben Weg zurücknehmen. Der Gera­bronner Bahnhof wäre Betriebsmittelpunkt, mit Bewirtung an Betriebstagen. So etwas sei möglich, betont Müller, man müsse es nur wollen. Und eben bezahlen.

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Am Sonntag gedenkt man beim Kulturbahnhofsfest dem ersten Gerabronner Ehrenbürger Israel Landauer.