Gerabronn Wo das Fleisch herkommt

Gerabronn / Larissa Wörn 13.08.2018
In der kleinen Schweineschule in Michelbach an der Heide hat am Wochenende großer Andrang geherrscht: Rund 1500 Besucher folgten der Einladung zum Sommerfest.

Mama, wann machst du wieder Schnitzel?“, fragt ein Kind, als es im Stall der Familie Gronbach vor einem Mastschwein steht. Gastgeberin Kerstin Gronbach lacht über diese Aussage und betont: „Genau das möchte ich den Kindern vermitteln. Das Bewusstsein dafür, woher das Fleisch kommt, das auf unserem Teller landet.“ Mit dieser Mission empfängt die Bäuerin mit Leib und Seele regelmäßig Kindergruppen in ihrer kleinen Schweineschule. Denn heutzutage sei das Verhältnis zum Fleisch gestört. „Immer mehr, immer günstiger: Auf Dauer kann das nicht funktionieren“, so die Schweinebäuerin. Gronbach will erklären, wo das Fleisch herkommt, wie Landwirtschaft funktioniert.

Am Wochenende folgen Gronbachs Ruf indes nicht nur Kinder, sondern auch jede Menge Erwachsene: Rund 1500 Menschen kommen nach Michelbach/Heide zum Sommerfest der kleinen Schweineschule unter dem Motto „Gschammel und Gschieß’ auf Acker und Wies’“.

Das Fest findet alle zwei Jahre statt. „Öfter könnten wir es auch nicht veranstalten, denn der Aufwand ist enorm“, so Gronbach. Wochenlange Vorbereitungen und rund 100 Helfer seien nötig, um die immer größer werdende Veranstaltung zu stemmen. Aufwand hin, Aufwand her – das Fest liegt ihr halt am Herzen: „Die Kinder kommen vom Schullandheim in der Schweineschule nach Hause, und erzählen ihren Eltern, was sie hier erlebt haben. Ich möchte den Eltern und allen anderen Interessierten ermöglichen, selbst einen Blick hinter die Stalltüre zu werfen.“

Denn die Hauptattraktion des Fests ist natürlich der Schweinestall. Rund 30 Säue, Ferkel und Eber der verschiedensten Rassen können hier beobachtet werden. „Lieber weniger Fleisch produzieren und weniger wegschmeißen“, sagt Gronbach, die außerdem darauf aufmerksam machen will, dass Schweine Nutz- und keine Haustiere sind. So süß die Ferkel auch seien, so sehr müsse man sich damit abfinden, dass die Tiere eben lebten, um später gegessen zu werden. Übrigens: Für die kulinarische Verpflegung des Sommerfestes wurden acht der Schweine sowie drei Schafe geschlachtet.

Geboten ist auch außerhalb des Stalls eine Menge. Ein Spielplatz sorgt bei den kleinsten Besuchern für Spaß und Unterhaltung. Filzen, das Bemalen von Holzschweinen und Kinderschminken halten die Kinder bei Laune. In einem Maislabyrinth ist der Weg vom Wild- zum Hausschwein in verschiedenen Stationen dargestellt.

Nicht nur Schweine

Zudem gibt es neben Schweinen auch allerlei Kleintiere zu streicheln. Und Gabriele Regele hat ihre fünf Gänse dabei. Die 49-Jährige und Gronbach haben sich auf einer Landwirtschaftsausstellung kennengelernt, seither ist sie gern gesehener Gast auf dem Sommerfest. „Vor zwei Jahren war ich zum Helfen da. Die familiäre Atmosphäre hat mir auf Anhieb gut gefallen. Dieses Jahr habe ich dann meine Gänse mitgebracht, die ich als Hobby besitze.“

Albert Antony aus Eberbach führt derweil vor, wie in früheren Tagen Seile hergestellt wurden. Mit seinem alten Seilereigerät sorgt er für Aufmerksamkeit.  „Heutzutage kaufen die Leute einfach Kunststoffseile. Früher war ein handgemachtes und qualitatives Seil unverzichtbar und von großem Wert“, erinnert sich der 70-Jährige.

Für die Technikbegeisterten unter den Besuchern gibt es unzählige Bulldogs und andere historische Maschinen aus dem landwirtschaftlichen Bereich zu bestaunen. Im Schaueinsatz ist unter anderem auch der Mähdrescher von Kevin Franz. Der 25-Jährige hat die Maschine vor dem Tod in der Schrottpresse gerettet. Eigentlich ist er Metallbaumeister, das Gerät hat er aus bloßem Spaß an der Freud’ behalten.

Familiäre Atmosphäre

Kurzum: Ob jung oder alt, ob Vegetarier oder Fleischgenießer: Auf dem Sommerfest der kleinen Schweineschule ist an diesem Wochenende einfach  für jeden etwas geboten. „Wie jedes Mal ein wunderschönes Fest“, hört man von Besuchern. Die familiäre und lebendige Atmosphäre sei es, die das Ganze immer wieder zu etwas Besonderem mache, findet Kerstin Gronbach.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel