Nach vier Jahren "ohne" war Schluss mit lustig. Ein Dorf mit rund 1000 Einwohnern braucht einen Laden, braucht ein Lebensmittelgeschäft. Punkt. Das war im Jahr 2006 nicht nur die Meinung der damaligen Langfurther Bürgermeisterin Edith Stumpf, sondern auch die von 133 Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde. Konsequenz: Im November wurde die Genossenschaft "Dorfladen Langfurth" gegründet und eingetragen. Von Anfang an mit dabei: Paul Bornowski, der heutige Vorsitzende der Dorfladen Langfurth e.G.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Im Mai 2007 öffnet das neue Geschäft - damals noch in einem Nebenraum einer Gaststätte, der vorher vom Schützenverein genutzt wurde. Der Dorfladen wird gut angenommen. Im Laufe der Zeit stellt sich aber heraus, dass die Fläche von 100 Quadratmetern nicht ausreicht. Allerdings sind finanziell in dieser Hinsicht keine großen Sprünge zu machen.

Im Frühjahr 2013 kommt dann das Aus der örtlichen Schlecker-Filiale. "Diese Chance haben wir genutzt und zugegriffen", sagt Paul Bornowski. Am 30. April wird der neue Langfurther Dorfladen auf jetzt 300 Quadratmetern eröffnet. Im Sortiment sind viele regionale Produkte und Bioangebote. Die werden nicht nur gekauft, sondern auch von der Politik honoriert.

Zweimal erhält der Dorfladen den Agenda-21-Preis des Landkreises Ansbach, zuletzt im Jahr 2013. "Der Landkreis unterstützt mit diesem Preis das engagierte ehrenamtliche Eintreten der Preisträger", sagte Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Der Dorfladen sichere die so wichtige ortsnahe Versorgung der Bürger, betont Ludwig.

Auch bundesweit wird die Arbeit der Langfurther zur Kenntnis genommen: 2011 werden sie im Wettbewerb "Der ideale Ort" von "Das Örtliche" für ihr bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet und bekommen 10.000 Euro. "Diese Anerkennungen freuen uns natürlich und bestärken uns auf unserem Weg", erklärt Bornowski.

Mittlerweile ist der Dorfladen auch eine Postfiliale und Lottoannahmestelle. Sechs Mitarbeiterinnen "schmeißen" den Laden mit rund 400.000 Euro Jahresumsatz: eine Vollzeitkraft und fünf geringfügig Beschäftigte. "Wir sind ein gutes Team", freut sich Paul Bornowski. Einziger Wermutstropfen: "Die Einführung des Mindestlohns zu Beginn des Jahres kommt uns teuer zu stehen. Wir haben dadurch de facto Mehrkosten für eine Person."Info Unter dem Motto "Im Dorfladen ist was los" wird am 22. Mai ab 15 Uhr das achte Jahresfest gefeiert.

Leitfaden

Dorfladen-netzwerk.de: Auf dem Internetportal "Dorfladen-Netzwerk" gibt es das Dorfladen-Handbuch 2014 zum Bestellen oder Herunterladen. Das Buch wendet sich an Gemeinden, Städte, Landkreise sowie an Bürger (Gruppen und Initiativen), die in ihrem Dorf die letzte Einkaufsmöglichkeit sichern und einen Dorfladen gründen wollen. Das Handbuch ist kein Fachbuch für den Lebensmittel-Einzelhandel. Vielmehr beschreibt es den Weg und die Erfahrungen von Bürgern, die sich als Laien in eine wirtschaftlich schwierige Branche wagten. Gefördert durch die Bundesaktion "Bürger initiieren Nachhaltigkeit" wurde das Kompendium 2008 aufgelegt und zuletzt 2014 ergänzt.

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