Landkreis Gemüsetag ja, aber ohne Zwang

SWP 11.09.2013
Was die Haller Wähler von einem Gemüsetag in der Woche halten, das kann Renate Künast heute auf dem Milchmarkt erfahren. Die Miterfinderin des "Veggie-Day" kommt um passend zum Mittagessen um 12 Uhr.

Mit ihrer Forderung, die Kantinen mögen einen Tag in der Woche fleischlose Gerichte anbieten, haben die Grünen Aufmerksamkeit erregt. Einige finden den Vorschlag super, andere haben die Suppe auf, wie eine Umfrage bei den Direktkandidaten im Wahlkreis Hall-Hohenlohe zeigt.

Christian von Stetten, CDU-Bundestagabgeordneter: "Diese absurde Forderung zeigt einmal mehr, wie sich die Grünen unsere Gesellschaft vorstellen: Nach dem sie den Bürgern vorschreiben wollen, welche Verkehrsmittel sie nutzen sollen und den Unternehmen, was produziert wird, wollen sie jetzt auch noch bestimmen, was wir Bürger an welchen Tagen essen. Das ist das Gegenteil von Freiheit und Selbstbestimmung und wird von mir abgelehnt", schreibt er.

Annette Sawade, SPD-Bundestagsabgeordnete, geht gnädiger mit dem Vorschlag um. "Ich halte sehr viel von einem täglichen vegetarischen Angebot in Kantinen, Schulen, Kitas und Restaurants. Von einer Zwangsverordnung, einen Tag in der Woche rein vegetarisch zu essen, halte ich nichts. Wichtiger wäre es, verstärkt regionale Produkte anzubieten, seien sie vegetarisch oder fleischhaltig. Das ist nachhaltig und schont Ressourcen."

Ein Verbot von Fleischkonsum will auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner nicht. "Das ist doch völliger Quatsch", so Ebner. Es gehe nicht ums Verbieten, sondern um eine gesellschaftliche Debatte über die gesundheitlichen, ökologischen und globalen Folgen eines übermäßigen Fleischkonsums und der Intensivtierhaltung. Diese Debatte sei dringend nötig - und wie sich in zahlreichen Reaktionen auf das Thema zeige, auch in der Gesellschaft angekommen. "Wir Grünen finden: Fleisch in Maßen statt in Massen ist der richtige Weg", sagt der Politiker. Einen vegetarischen Wochentag in der Kantine sieht er als Möglichkeit, um gutes Essen ohne Fleisch auszuprobieren und das Thema ins Bewusstsein zu rufen. Den "Veggie-Day" gebe es bereits in 30 deutschen Städten. Er möchte erreichen, dass die Politik solche Initiativen unterstützt.

Stephen Brauer, Bundestagskandidat der FDP, sieht es so: "Wir essen ganz sicher zu viel Fleisch. Vor allem minderwertige Massenware. Allerdings bewirkt ein gesetzlich vorgeschriebener Vegetariertag (Ich hasse Anglizismen) mit Sicherheit das Gegenteil. Auch in Kantinen der öffentlichen Verwaltung sind Verbote nicht zielführend." Sein Fazit: "Aufklärung ja! Verbote nein!"

Peter Gansky, der ÖDP-Bundestagskandidat, setzt auf Freiwilligkeit. "Für einen vegetarischen Tag in der Kantine kann sich jeder bereits heute selber entscheiden. Dazu benötigen die Verbraucher keine Essensvorschriften. Und was den Gesundheitsaspekt der Kantinengerichte angeht, ist es wichtiger, Vollkornprodukte anzubieten und auf schädliche Zuckerstoffe zu verzichten." Die ÖDP habe einen mündigen Menschen vor Augen. Wichtig sei gesundheitliche Aufklärung bei den Ess- und Lebensgewohnheiten.

Alexander Brandt, Kandidat der Piraten, hält es für nötig, den Fleischkonsum zu thematisieren. Eine Reduzierung im Hinblick auf die Gesundheit der Konsumenten und die Massentierhaltung sei anzustreben. Qualität statt Quantität müsse auch für die Lebensumstände der Tiere gelten. Sinnvoller wäre es, Kantinen zu verpflichten, täglich vollwertige und attraktive vegane Mahlzeiten anzubieten.

Florian Vollert, Kandidat der Linken, hält vom "Veggie-Day" nichts, wenn es darum geht, Fleisch in öffentlichen Kantinen zu verbieten. Falls er auf freiwilliger Basis eingeführt werden würde, als ein besonderes Angebot mit vegetarischem Essen, wäre der Fall ein anderer. Vegetarisches Essen sei eine gesunde Bereicherung des Speiseplans.

Info Renate Künast, ehemalige Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, kommt heute um 12 Uhr auf den Haller Milchmarkt. Mit dabei ist auch Harald Ebner.