Die „Meisen“ heißt die Flötengruppe, die in der Volkshochschule Fichtenau mit Flötenlehrerin Iris Wehle spielt, und zum Glück hatten die kleinen Meisen kein Frühlingslied auf dem Programm. Denn über Nacht hatte der Winter noch einmal zugeschlagen – die Straßen waren gestern Morgen weiß und glatt. „Und wie seid ihr hergerutscht?“, begrüßten sich die Fichtenauer. Zwar verzögerte der tiefe Schnee den pünktlichen Beginn. Doch dann waren doch rund 150 Fichtenauer über die verschneiten Straßen herangerutscht, und es konnte losgehen. Die Flötenmädchen spielten eine „Festmusik“, und das hat gut gepasst. „Dies ist der erste Bürgerempfang Fichtenaus“, sagte Bürgermeisterin Anja Wagemann, „herzlich willkommen.“

Der Empfang wurde ins Leben gerufen, um einen würdevollen Rahmen für die Blutspenderehrungen zu schaffen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch andere verdiente Bürger geehrt. Und weil Wagemann dann auch noch die Träger der Fichtenauer Ehrenmedaillen namentlich erwähnte, und aufführte, was Fichtenau an Infra­struktur alles zu bieten hat, und nicht zuletzt, weil sie mitteilte, dass die Fichtenauer Störchin bereits zurückgekommen ist, begann der Bürgerempfang fast wie eine Leistungsschau – wenn das, was Menschen ehrenamtlich für die Gemeinde tun, als Leistung bezeichnet werden darf. Für die Sportler trifft das in jedem Fall zu, und so wurden Fußballmädchen und Schützen reihen- und mannschaftsweise gebührend beklatscht, aber viele andere auch.

„Diese Bürger haben es verdient, einfach einmal genannt werden“, sagte Wagemann. Denn es sei keineswegs selbstverständlich, dass sich Menschen für andere, für ihren Verein oder für die Gesellschaft engagieren. „Es ist eben nicht selbstverständlich, dass wir hier eine gut besetzte Feuerwehr haben, die ausrückt. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Menschen in den Hilfsvereinen engagieren, dass es Trainer für junge Sportler gibt.“ Ihnen allen wurde deshalb gedankt.

„Wir haben eine belebte und bunte Gemeinde mit einer guten Infrastruktur“, sagte Wagemann, „doch wissen wir das zu schätzen?“ Denn zunehmend schmälere das Internet den Umsatz der Läden oder der Bankgeschäfte vor Ort. Weil jeder mobil sei, könnten Angebote auch außerhalb des Ortes angenommen werden, weshalb auch die Vereine zunehmend über Nachwuchsprobleme klagen. „Ich möchte Sie heute dazu ermuntern, sich in der Gesellschaft zu engagieren“, sei das im Verein oder auch beim Gemeinderat, zu dem die nächsten Wahlen nicht mehr weit sind. „Von weniger ‚Ich‘ und mehr ‚Wir‘ können wir alle nur profitieren.“

Aber der Bürgerempfang sei auch dazu da, sich auszutauschen, sagte Bürgermeisterin Anja Wagemann, und dazu war viel Gelegenheit, nachdem die Ehrungen vorbei waren. Und das taten die Fichtenauer nach Kräften.