Leukershausen Gelbes Meer von Leukershausen Landschaftserhaltungsverband bietet Exkursion zu ganz besonderen Wiesen

UTE SCHÄFER 20.05.2015
20 Jahre Landschaftserhaltungsverband Schwäbisch Hall: Der Biber ließ sich bei der Geburtstags-Exkursion nicht blicken, dafür aber viele Besucher, Trollblumen, Teufelskrallen und sogar ein Knabenkraut.

Mädesüß und Knabenkraut. Vergissmeinnicht, Lichtnelken, Trollblumen. Blau, rot, gelb: Eine blühende Blumenwiese ist eine ganz besondere Augenweide. Sogar so besonders, dass der Landschaftserhaltungsverband Schwäbisch Hall (LEV) jetzt eine Exkursion zu einer besonders reich blühenden Wiese angeboten hat.

Anlass war der 20. Geburtstag des Verbands, der damit einer der ältesten in Baden-Württemberg ist. Im LEV sitzen Kommunen, Landwirte und Naturschützer gleichberechtigt zusammen und, der Name sagt es, kümmern sich gemeinsam um den Erhalt der Kulturlandschaft. "Wir organisieren die praktische Landschaftspflege", erklärt Beate Leidig. Zum Beispiel, indem Landwirte ökologisch wertvolle Flächen extensiv bewirtschaften und finanziellen Ausgleich für entgangene Einnahmen erhalten.

Wie wichtig die Zusammenarbeit von Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunen ist, zeigen die Wiesen rund um Leukershausen, die derzeit so schön blühen. "Trollblumen stehen nur noch auf unseren Vertragsflächen. Überall sonst sind sie wegsiliert", sagt Leidig, die seit Anbeginn beim LEV arbeitet.

Als Ende der 1990er Jahren in Leukershausen die Flurbereinigung anstand, gab es den Verband schon. Er trat in Aktion, als die Naturschützer in den Tälern eine Reihe von Wiesen mit ungewöhnlich reichem Trollblumen-Bestand ausgemacht hatten. Nun ging es darum, diese Biotope zu schützen - zum Beispiel, indem jene Landwirte ihre Wiesen dorthin tauschen konnten, die nicht extensiv wirtschaften wollten, erklärt Diplomagraringenieurin Leidig. Die Landwirte bekommen einen Ausgleich für die deutlich weniger wirtschaftliche und kompliziertere Pflege: Trollblumenwiesen dürfen nämlich erst ab Mitte Juni gemäht werden, damit die Blumen Zeit haben auszusamen. Das heißt aber auch, dass das Gras zu Heu verarbeitet werden muss, denn für Silo ist es schon zu alt.

Rund 32 Hektar Trollblumen-Fläche gibt es in Leukershausen derzeit - und an einer der Wiesen, geradezu in einem gelben Meer, steht Bianca Goetjes, Mitarbeiterin des Landschaftserhaltungsverbands. Sie wartet auf die Exkursionsteilnehmer, die an diesem Nachmittag die Biberdämme und Wiesen rund um Leukershausen bewundern und sich hinterher im Backhäuschen laben können.

Wenn die Besucher kommen, erklärt sie ihnen das Biotop, verweist auf spezielle Pflanzen - das Mädesüß etwa, das einen so speziellen Duft hat, dass früher sogar Bier damit parfümiert wurde. "Wie das mit dem Reinheitsgebot zu vereinbaren war, ist die Frage", sagt Bianca Goetjes und macht die Naturliebhaber auch auf eine blühende Orchidee aufmerksam, die da am Rand der Wiese steht. "Das breitblättrige Knabenkraut blüht hier auch", sagt sie. "Es ist natürlich streng geschützt."

Trollblumen und Co.

"Butterblumen" heißen die gelben Blumen landläufig, die derzeit auf den Wiesen blühen. Viele davon gehören zu den Hahnenfußgewächsen. Nicht alle sind Trollblumen, die wie der häufige Scharfe Hahnenfuß zu den Hahnenfußgewächsen gehören. Die Trollblumen haben eine kugelrunde Blüte wie die verwandten Ranunkeln. Sie sind so fest verschlossen, dass sie nur von kleinen Insekten bestäubt werden können, die sich mühsam durch die leuchtendgelben Blütenblätter ins Innere kämpfen müssen. Der Name "Trollblume" leitet sich vom altdeutschen troll (kugelrund) ab. Mit Geistern und Kobolden hat die Blume also nichts zu tun.

UTS