Gerabronn Gefangen in Verstrickungen

Die Protagonisten in dem Theaterstück "Eisenstein" verrennen sich in einem hochkomplexen Beziehungsnetz. Foto: WLB
Die Protagonisten in dem Theaterstück "Eisenstein" verrennen sich in einem hochkomplexen Beziehungsnetz. Foto: WLB
PM 19.03.2014
Die Württembergische Landesbühne Esslingen gastiert auf Einladung der Theatergemeinde am Samstag, 22. März, um 20 Uhr mit dem Stück "Eisenstein" in der Stadthalle in Gerabronn.

Das kleine Dorf Eisenstein an der deutsch-tschechischen Grenze: Hier treffen sich die Halbgeschwister Albert und Nikola im Jahr 2008 auf einer Beerdigung. Doch ihre Geschichte nimmt ihren Ausgang bereits in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Erna Schatzschneider, die vor russischen Truppen aus Eger auf einen Gutshof nahe Eisenstein geflüchtet ist, trägt ein Kind unter ihrem Herzen - was jedoch niemand weiß.

Als der kleine Georg das Licht der Welt erblickt, bekennt sich der verheiratete Gutsbesitzer Josef Hufnagel zu dem Kind, allerdings nur unter der Bedingung, dass Erna seine Vaterschaft nicht verrät. Dabei ahnt er nicht einmal, dass er gar nicht der Vater ist.

Aus einer kleinen Lüge in den Wirren der letzten Kriegstage wird so im Lauf der Zeit ein hochkomplexes Beziehungsnetz, in dem sich die Beteiligten unentrinnbar verstricken - die Wahrheit kommt meistens zu spät ans Licht, und die Brüche in den Beziehungen und die Risse in den Seelen lassen sich nicht mehr kitten.

Der junge Autor Christoph Nußbaumeder arrangiert die zerrissenen Figuren des Stücks, die an ihren Lebenszufällen scheitern, auf virtuose Art und Weise und erzählt vor dem Hintergrund der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Familiengeschichte, die nicht minder bewegt ist wie die deutsche Nachkriegszeit.

In fünf Zeitabschnitten ( 1945-49, 1964-66, 1973-75, 1982-84, 1991-93) und eingerahmt von dem seltsamen Zusammentreffen auf der Beerdigung im Jahr 2008, läuft das Familiendrama gleichsam im Zeitraffer ab. Stück und Inszenierung steigen immer wieder an den entscheidenden Wendepunkten des verstrickten Geschehens ein: auf der Bühne sichtbar in Szene gesetzt, spielt sich ebenso Dramatisches ab wie in den Zeitsprüngen, die das Geschehen weiter vorantreiben.

Dabei ist die Hufnagel-Dynastie nicht losgelöst von der bundesdeutschen Geschichte: Von Kriegsende und Wirtschaftswunder über die Ölkrise bis zu Mauerfall und Finanzkrise spiegelt sich der Lauf der Geschehnisse auch im Schicksal der Figuren wider.

Christoph Nußbaumeder wurde 1978 im niederbayerischen Eggenfelden geboren und arbeitete nach Abitur und Zivildienst zunächst für einen Automobilhersteller in Südafrika, bevor er sich dem Studium der Rechtswissenschaften, Germanistik und Geschichte in Berlin zuwandte. Seine Stücke wurden mit großem Erfolg unter anderem bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen, am Nationaltheater Mannheim, an der Berliner Schaubühne und am Schauspiel Köln uraufgeführt. Vor allem "Eisenstein" wird seit der Uraufführung 2010 in Bochum häufig nachgespielt.

"Eisenstein" ist die zwanzigste und vorerst letzte Inszenierung des scheidenden WLB-Intendanten Manuel Soubeyrand. Info Karten gibts in M. Rückert"s Buchhandlung in Gerabronn.