Neustädtlein Gaststättengewerbe: Schwarze Schafe und Vorbilder

Vanessa Brecht, Auszubildende zur Hotelfachfrau, serviert Peter Hofelich (rechts), Beauftragter für Mittelstand und Handwerk, und Armin Meiser, Geschäftsführer des Vital-Hotels Meiser in Neustädtlein, ein paar Häppchen. Foto: Joachim Mayershofer
Vanessa Brecht, Auszubildende zur Hotelfachfrau, serviert Peter Hofelich (rechts), Beauftragter für Mittelstand und Handwerk, und Armin Meiser, Geschäftsführer des Vital-Hotels Meiser in Neustädtlein, ein paar Häppchen. Foto: Joachim Mayershofer
Neustädtlein / JOACHIM MAYERSHOFER 03.08.2013
Auf seiner Ausbildungs- und Mittelstandsreise besucht Peter Hofelich, Beauftragter für Mittelstand und Handwerk, Ausbildungsbetriebe im Land. Das Vital-Hotel Meiser in Neustädtlein arbeitet für ihn vorbildlich.

Zwischen 22 und 28 Auszubildende in verschiedenen Lehrjahren hat das beliebte Hotel an der Grenze zu Bayern ständig, verrät Hotelmeisterin Susan Meiser. Die Sparten Hotelfach, Restaurantfach, Kaufmann für Bürokommunikation, Koch und Kosmetikerin werden dabei bedient. In den vergangenen zehn Jahren seit dem Neubau des Vital-Hotels haben etwa 100 Azubis eine sehr gute Ausbildung in Neustädtlein genossen, schätzt Susan Meiser. Und die, die bleiben wollten, habe man auch alle übernommen. Man lege großen Wert darauf, dass stets eine familiäre Atmosphäre herrsche. "Es muss menschlich passen und man muss seine Mitarbeiter pflegen", findet die gelernte Restaurantfachfrau. Das scheint anzukommen: Der Mitarbeiterstamm sei seit vielen Jahren gleich, wer in der Ferne wichtige Erfahrungen sammle, komme auch immer gerne zurück.

"Schwarze Schafe" beuten Azubis aus

Für Peter Hofelich beispielhaft, was man mit guter Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe erreichen kann. Natürlich gebe es "schwarze Schafe", die Auszubildende ausbeuten würden, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete, der für das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft ehrenamtlich als Beauftragter für Mittelstand und Handwerk unterwegs ist - gerade auf einer Mittelstandsreise durch ganz Baden-Württemberg, mit dem Schwerpunkt auf dem Hotel- und Gaststättenbereich in den Ferienregionen. Die positiven Beispiele müssten in der Öffentlichkeit aber dafür sorgen, dass die negativen Fälle in den Hintergrund gedrängt werden und Ausnahmen bleiben. Man bekomme manchmal allerdings den Eindruck, dass von Ausbildungen im Hotelbereich geradezu abgeraten werde, findet Geschäftsführer Thomas Meiser. Dabei erfahre man dort, auch wenn es "super stressig" sein kann, wie Susan Meiser betont, und natürlich oft am Wochenende gearbeitet werde, eine "hervorragende Grundausbildung". Es gelte, die Vorzüge einer Ausbildung in den Gastro-Berufen herauszustellen, wie zum Beispiel Flexibilität, Belastbarkeit und kundenorientiertes Service-Denken, um nur einige zu nennen. Aber: "Die Deutschen müssen die Dienstleistungsmentalität wohl einfach noch mehr für sich entdecken", sagt Hofelich und bekommt dafür Zustimmung von der SPD-Bundestagsabgeordneten Annette Sawade und Fichtenaus Bürgermeister Martin Piott.

Was auch ein schlechtes Licht auf die Gastro-Branche werfe, benennt Roswitha Gronemann, Vorsitzende des Dehoga-Verbands Schwäbisch Hall-Crailsheim (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband): In der IHK-Statistik tauchten viele Ausbildungsabbrecher auf, die gar keine sind. Wer von Hotelfachmann auf Koch umsteige, dürfe nicht als Abbrecher zählen, so die Meinung der Ausbildungsmentorin.

Vital-Hotel-Geschäftsführer Armin Meiser bedankt sich bei Peter Hofelich für sein Erscheinen in Neustädtlein und hofft, dass einige Anregungen - wie mehr positive Werbung an Schulen für die Gastro-Berufe - umgesetzt werden können: "Es ist wichtig, dass Entscheidungen nicht vom Schreibtisch getroffen werden, sondern dass man sich vor Ort umsieht."