Gerabronn Altes Rathaus: Ganz oben residiert Kay Sautter

Die Architekten Lorenz Kraft (zweiter von rechts) und Martin Romstedt (dritter von rechts) erläutern den Stadträten die Bauarbeiten. Hier befindet sich die Gruppe im Flur, den Besucher durch den  Haupteingang betreten werden.
Die Architekten Lorenz Kraft (zweiter von rechts) und Martin Romstedt (dritter von rechts) erläutern den Stadträten die Bauarbeiten. Hier befindet sich die Gruppe im Flur, den Besucher durch den Haupteingang betreten werden. © Foto: Erwin Zoll
Gerabronn / Erwin Zoll 18.05.2018
Bei der Sanierung ihres alten Rathauses ist die Stadt Gerabronn auf die Zielgerade eingebogen. Bis die Verwaltung einziehen kann, dauert es allerdings noch ein paar Monate.

Auch wenn das äußere Erscheinungsbild einen anderen Eindruck vermittelt, ist die Sanierung des alten Rathauses keineswegs abgeschlossen. Zwar ist das Dach neu gedeckt, die Fassaden sind gestrichen und das Gerüst ist abgebaut, aber im Inneren des 1908 errichteten und 1909 eingeweihten Gebäudes wird  noch fleißig gearbeitet.

Dass die größten Hürden genommen sind, davon hat sich der Gemeinderat Gerabronn vor seiner jüngsten Sitzung überzeugt. Er ließ sich von den Haller Architekten Lorenz Kraft und Martin Romstedt, nach deren Plan das Rathaus umgebaut wird, vom Stand der Arbeiten unterrichten. „Bis zum Herbst“, wie Lorenz Kraft erklärte, soll die Sanierung abgeschlossen sein und die Verwaltung einziehen können. Eine genauere Angabe ließ sich Kraft nicht entlocken, und selbst auf die Frage, ob der Gemeinderat wohl bei seiner Dezembersitzung im neuen alten Rathaus tagen kann, antwortete er nur knapp: „Herbst!“

Von außen betrachtet, stellt ein Windfang an der Nordseite die einzige Veränderung an der denkmalgeschützten Bausubstanz dar. Die Konstruktion aus Stahl und Glas bildet künftig den neuen Haupteingang. Ebenerdig wird von hier aus ein Aufzug erreichbar sein, der alle Stockwerke miteinander verbindet und in zwei bis drei Wochen eingebaut wird.

Während die Stadtverwaltung bis 1983 im alten Rathaus auf einem einzigen Stockwerk untergebracht war, werden sich die 14 Beschäftigten, die, einschließlich Bürgermeister, heute in der Stadtverwaltung arbeiten, auf sämtliche Etagen verteilen. Ganz oben, im zweiten Obergeschoss, mit Blick auf den Kreisel am „Bäreneck“ wird der städtische Bautechniker Kay Sautter residieren – gewissermaßen über Bürgermeister Christian Mauch, der ein Büro ein Stockwerk tiefer direkt unter Sautter beziehen wird.

Noch eine Etage tiefer, vom Haupteingang aus betrachtet ist das das Erdgeschoss, befindet sich das Sitzungszimmer – in einem kleinen, aber repräsentativen Saal: Er ist von außen an dem Erker erkennbar, der charakteristisch für das Rathaus, das Gerabronner Wahrzeichen, ist.

Wo immer es möglich war, haben die Architekten Rücksicht auf die historische Bausubstanz genommen. Viele Fenster und Türen sind ebenso erhalten geblieben wie Böden und vor allem die Holztreppen.

Positive Reaktionen

Die Reaktionen des Gemeinderats auf die Sanierungsarbeiten waren ausgesprochen positiv. Als „ganz toll“ bezeichnete Jutta Meinikheim den Umbau, „gigantisch“ lautet das Urteil von Peter Hanselmann, der im Gespräch mit unserer Zeitung auch betonte, moderne und historische Elemente seien „wunderbar in Einklang“ gebracht worden.

Von einem gelungenen Kompromiss zwischen alter und neuer Bausubstanz sprach Manfred Schuch. „Eigentlich ist es jammerschade, dass das alte Rathaus so lange brach gelegen hat“, sagte er. „Das ist alles sehr liebevoll gemacht“, meint Markus Autenrieth. Allerdings schränkt er ein, dass die modernen Elemente in der Gestaltung stärker betont werden müssten.

2,3 Millionen Euro wird der Umbau des Rathauses voraussichtlich kosten. 1,32 Millionen Euro sind durch Zuschüsse gedeckt, das sind 57 Prozent der Baukosten. Die Stadt muss also einen Eigenanteil von 980.000 Euro bestreiten.

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören zur Stadtverwaltung Gera­bronn, die nach der Sanierung in das historische Rathaus zurückkehrt, aus dem sie 1983 ausgezogen ist.